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KOMMT BALD: Kämpfe wie ein Mädchen, Mountview Akademie der Theaterkünste
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julianeaves
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Julian Eaves wirft einen Blick auf Fight Like A Girl, ein neues Musical von Nick Stimson und James Atherton, präsentiert von British Youth Music Theatre an der Mountview Academy of Theatre Arts.
Fight Like A Girl Cameron Mackintosh Theatre, Mountview Academy of Theatre Arts, 31. August 2019 Im Rahmen des diesjährigen Programms von British Youth Music Theatre (früher YMT) wurde ein neues Werk als allererste Produktion im brandneuen Auditorium am brandneuen Campus dieser traditionsreichen Ausbildungsstätte für Schauspiel sowie Theaterkünste und -wissenschaften vorgestellt. Das war eine gute Wahl. Das Stück wurde vor drei Jahren erstmals entwickelt, und sein Thema – die Prüfungen und Wirrnisse des Teenagerlebens, verortet im Kontext eines harten innerstädtischen Alltags und mit Fokus aufs Boxen – passte gut in das Umfeld von Peckham, einem Viertel, das in Sachen Erneuerung und Gentrifizierung ein paar Jahre hinter Brixton liegt, sich aber offenbar in dieselbe Richtung bewegt. BMYT hat eine sehr lange Erfolgsbilanz darin, neue Stücke für die Musicalbühne zu fördern. Tatsächlich kann – zusammen mit den Freunden beim National Youth Music Theatre – kaum jemand von sich behaupten, es besser zu machen. Für diese Premiere griff Executive Producer Jon Bromwich auf bewährte Mitstreiter zurück: Nick Stimson (Buch und Texte sowie Regie) und James Atherton (Komposition und musikalische Leitung), um diese Geschichte junger Menschen – wie ein ehemaliger deutscher Bundeskanzler einst über die Baader-Meinhof-Gruppe sagte – mit „zu viel Hyperaktivität und zu wenig Verständnis“ wiederaufzunehmen und im Kern nahezu komplett neu zu schreiben. Herausgekommen ist nun eine Erzählung über bei der Geburt getrennte Zwillinge, beide Außenseiter im Konflikt mit Gleichaltrigen und im Widerstreit mit der Gesellschaft um sie herum, unverständige Erwachsene – und eine Welt, die von unerbittlichem Gruppendruck, Mobbing und Gewalt beherrscht wird. Es ist in der Tat eine düstere Geschichte. Auflockerung ist Mangelware. Der ernste Ton herrschte hier auch in Talia Sanz’ schlichtem, kargem und tieftraurigem Bühnenbild vor (merkwürdig passend in diesem Neubau, dessen Eingangsatrium tatsächlich an das Innere eines Gefängnis-Zellentrakts erinnert – entworfen von Carl Turner Architects; der flexible Theatersaal selbst war deutlich menschlicher als Proszeniumsituation eingerichtet, mit zwei Rängen erhöhter Bestuhlung auf drei Seiten der ansteigenden Parkettreihen). Joe Thomas meisterte das Lichtdesign überzeugend und schuf einige einprägsame, angemessen epische Effekte – und setzte zugleich die kleine, intime Geschichte im Zentrum des Stücks wirkungsvoll in Szene. Aiden Connors Sounddesign war ausgesprochen gut: Er erzielte eine sehr hochwertige Verstärkung einer offenbar elektronisch vorproduzierten Partitur und balancierte sie geschickt mit den jungen Stimmen des Ensembles aus. Und die Musik – das muss man sagen – ist entzückend. Voll interessanter Motive baut sie sich in großen, oft wiederholten Klangblöcken auf und schafft so eine monumentale Landschaft aus energiegeladenen Ensembles sowie – Athertons Stärke – aufschwingender melodischer Sehnsucht und Momenten herzzerreißend zerbrechlicher Zärtlichkeit. Für die drei Dutzend jungen Leute im Cast muss es eine Freude sein, das zu spielen. Die Songtexte der Balladen sind sehr gut geschrieben, doch in den erzählenden Passagen und Ensembles wurde schlichte Wiederholung weit über das hinaus strapaziert, was das Publikum benötigt, um Dinge mehr als einmal gesagt zu bekommen. Die Inszenierung war sehr direkt und klar, und wir hatten nie Zweifel daran, was sie vorhatten. Außerdem besitzen Teenager bekanntlich eine beachtliche Begabung dafür, sich selbst sehr ernst zu nehmen – und dieses Stück bedient genau diesen Charakterzug. Hinzu kommt: Das Werk ist nur für eine sehr, sehr kurze Laufzeit vorgesehen, und in den zwei Wochen Proben bleibt wenig Zeit, um Feindetails und Nuancen auszuloten. Schwieriger sind allerdings die Übergänge zwischen den vielen kleinen Handlungssträngen, die sich in Athertons Klangwelt hinein- und wieder herauswinden. Hal Prince sagte, Musical Theatre drehe sich genau um solche Passagen – wenn wir von hier nach dort wechseln, von Sprache zu Gesang, von Bewegung zu Tanz und wieder zurück und so weiter. Das ist immer schwer sauber hinzubekommen, und wenn es sehr viele solcher Übergänge gibt, ist es besonders knifflig, alle Fäden fest in der Hand zu behalten. Vielleicht gilt das umso mehr, wenn Dramatiker und Regisseur ein und dieselbe Person sind: Ein frischer Blick auf diesen Aspekt des Werks könnte es in eine stimmigere, logischere Form bringen. Wie dem auch sei: Es ist ein lohnendes und letztlich emotional befriedigendes Stück Theater, das Cast und Publikum gleichermaßen sichtbar genossen haben. Also: gut gemacht. Gemäß der Praxis bei Werken in Entwicklung und nicht-professionellen Produktionen werden für solche Präsentationen keine Sterne vergeben.
WEBSITE VON BRITISH YOUTH MUSIC THEATRE
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