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KRITIK: Eine Million Kleine Stücke Über Großbritannien, Jermyn Street Theatre ✭✭✭✭

Veröffentlicht am

Von

julianeaves

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Julian Eaves bespricht One Million Tiny Plays About Britain, derzeit im Jermyn Street Theatre, London.

Alec Nicholls und Emma Barclay in One Million Tiny Plays About Britain. Foto: Robert Workman One Million Tiny Plays About Britain Jermyn Street Theatre, London

4 Sterne

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Das ist eine herrliche Wiederaufnahme von Craig Taylors glorifiziertem Sketch-Abend: ein Kompendium aus fast hundert sehr kurzen Mini-Stücken – einige dauern ein paar Minuten, andere kaum Sekunden – und eine virtuose Schaufläche für zwei begabte Schauspieler*innen, die sämtliche Rollen übernehmen und in Windeseile zwischen Alter, Geschlecht, sozialer Klasse und mehr wechseln, bei jedem kurzen Blick in einen Moment ganz gewöhnlicher, aber eigenwilliger Leben.  Die Szenen sind, besonders in der ersten Hälfte, vor allem kurze komische Nummern, ganz in der Art von „The Fast Show“ oder „Victoria Wood... As Seen on TV“; nach der Pause jedoch wird es deutlich düsterer – mit erstaunlich präzisem, packendem Schreiben, das in die tragikomischen Lebenswelten der Brit*innen von heute hinabtaucht.  Lose gerahmt durch Bingo-Ansagen, badet das Bühnenbild in festlichem Karminrot – eine treffende Alternative zur saisonalen Panto-Kost.

Emma Barclay und Alec Nicholls in One Million Tiny Plays About Britain. Foto: Robert Workman

Von den beiden Darsteller*innen sticht die relative Newcomerin Emma Barclay sofort als kraftvolles neues Talent hervor, von dem wir noch viel hören und sehen werden.  Ihr Gesicht ist bemerkenswert ausdrucksstark, und sie trifft jede neue Figur mit elektrisierender Präzision, formt jede einzelne Persona mit enormem Energieeinsatz: Ihre Partie ist großzügiger geschrieben als die männliche – sie darf Kinder und Hochbetagte spielen und das Publikum sogar mit einem Banjo besingen.  Der andere Spieler, Alec Nicholls, hat es schwerer, weil seine Rollen oft eher als Unterstützung für die andere funktionieren; dennoch glänzt er im zweiten Akt in der längsten und ernsthaftesten Schöpfung – als ziemlich frisch Verwitwete, die mit ihrem ersten „Date“ ringt – und findet in einer brillant theatralen Episode außerdem ein paar Dutzend verschiedene Arten, „Ja“ zu sagen.

Alec Nicholls und Emma Barclay. Foto: Robert Workman

All das sicher auf Kurs hält die meisterhafte Regie eines weiteren Talents mit enormem Potenzial: Regisseurin Laura Keefe. Nachdem sie bei den Besten assistiert hat, baut sie sich nun eine Karriere von großer Vielfalt und beachtlicher Qualität in klug gewählten und angesehenen Häusern der Fringe-Szene, Off-West-End und in der Provinz auf.  Nachdem diese Produktion im Watermill entstanden ist, bringt sie sie nun für einen weihnachtlichen London-Run in den Lieblings-Fringe-Spielort des West End – und das ist ein perfekt ausbalanciertes Gegengewicht zu den üblichen Feiertagsunterhaltungen.  Keefe hat sichtbar Freude daran, zwischen flapsigem Witz, naturalistisch Ayckbourn’schen Tönen, intensiv Beklemmendem und sogar berührend Poetischem zu wechseln – und legt gleich zu Beginn des zweiten Akts noch mit reichlich „Bonding“ samt Publikumsbeteiligung nach.

Keefes Designerin für das Projekt – Teil eines köstlich brillanten Teams – ist Ceci Calf.  Als ganz frische Ankunft in der Branche (erst letztes Jahr abgeschlossen) haut Calf hier einen raus: ein flamboyantes, selbstbewusstes Design, das mit Maßstab, Ebenen und Proportionen spielt, um die Wirkung der gemütlichen Bühne maximal auszureizen.  Der Einsatz von Balance und Rhythmus ist erstklassig und macht aus allen charakteristischen Eigenheiten des Jermyn Street eine Tugend: Das Schichtenprinzip setzt sich auch in den Kostümen fort, die sich auf den beiden Schauspieler*innen türmen, die zwischen jedem „Stück“ in atemberaubendem Tempo hinein- und herausschlüpfen müssen – geschickt unterstützt durch kleine Umbauten und Requisiten, die jeweils den neuen „Ort“ etablieren.  Vor allem aber ist das Konzept getränkt in einer Palette satter Rottöne, akzentuiert mit glitzerndem Gold, was die weihnachtliche Stimmung verstärkt.

Sherry Coenens Licht und Harry Linden Johnsons Sound arbeiten perfekt Hand in Hand, um die Wechsel zwischen den Szenen zu markieren und dem oft scheinbar trivialen Material ein starkes architektonisches Gerüst zu geben.  Nicht umsonst hat Taylors Arbeit seit ihrem ersten Auftauchen vor einem Jahrzehnt weltweit die Flügel ausgebreitet.  Das hat etwas von Bill Brysons „Notes From A Small Island“, doch hier steckt mehr Schattierung und Pathos zwischen Glanz und Heiterkeit.  Am besten serviert mit Glühwein und Mince Pies – ein herzerwärmender Festtagsgenuss.

Bis 11. Januar 2020

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