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KRITIK: High Fidelity, Turbine Theatre London ✭✭✭✭✭

Veröffentlicht am

4. November 2019

Von

Ray Rackham

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Ray Rackham rezensiert High Fidelity – das Musical von Tom Kitt, Amanda Green und David Lindsay Abaire, nach Nick Hornbys Roman, jetzt im Turbine Theatre in Battersea.

Die Besetzung von High Fidelity. Foto: Mark Senior Wenn ich am Tag, nachdem ich ein Musical gesehen habe, nur über vergleichsweise wenige Musicals spreche, poste oder tweete, dann liegt das daran, dass ich glaube: Erst wenn etwas wirklich sehr gut ist, können wir unser Herz tatsächlich aufgehen lassen. Mehr noch – an dem Aussergewöhnlichen wachsen wir als Menschen. Sehen Sie diese Kritik als Liebesbrief an High Fidelity; oder besser: als Mixtape voller Lob für eine wahrhaft aussergewöhnliche Produktion aus dem neuen Turbine Theatre.

Die Broadway-Version, die vor gut zehn Jahren kaum etwas länger als eine Woche lief, wurde eher lau aufgenommen und verschwand mehr oder minder in der Versenkung; und nach dieser London-Premiere kann man kaum begreifen, warum. High Fidelity ist ein wunderschön designtes, melodisch fein gearbeitetes, originelles Musical, das zugleich ungemein vertraut und erfrischend neu wirkt. Es ist eine witzige, herzerwärmende A-Seite voller Brillanz; mit einer umwerfenden Besetzung und durchweg herausragenden Leistungen – und dieser Rezensent stand bereits innerhalb der ersten sechzehn Takte der Auftaktnummer vollkommen unter seinem Bann.

Die Besetzung von High Fidelity. Foto: Mark Senior

Als charmante Bühnenadaption von Nick Hornbys Roman von 1995 und der Verfilmung aus dem Jahr 2000 hätte High Fidelity leicht zu einer Jukebox-Nummer aus Mid-90s-B-Seiten werden können; doch Tom Kitts rockig grundierte Partitur und Amanda Greens pointiert-alltägliche Songtexte treffen den Puls der Zeit mehr als überzeugend – mit liebevollen Pastiches popkultureller Grössen, von Aretha Franklin bis Nirvana, über Neil Young bis hin zu „The Boss“ höchstselbst: Bruce Springsteen. David Lindsay-Abaires Buch wurde von Vikki Stone mit einem Post-#MeToo-Update versehen: Sie verlegt das Musical erfolgreich von Brooklyn zurück an die Holloway Road aus dem Roman – und entschärft deutlich die toxische Männlichkeit, die das Broadway-Original durchzog.

Bobbie Little (Liz), Robbie Durham (Barry) und Robert Tripolino (Ian). Foto: Mark Senior

Nun erleben wir den Slacker Rob (den unwiderstehlich charmanten Oliver Ormson), der sein Leben eher beobachtet als lebt – und seine Zeit nerdig damit vergeudet, in seinem Nordlondoner Plattenladen (wundervoll gestaltet von David Shields) Top-Five-Listen zu erstellen, zusammen mit seinen ebenso antriebslosen Kollegen (Carl Au herrlich koboldhaft als Dick und Robbie Durham köstlich grobschlächtig als Barry). Als wir sehr früh erfahren, dass Robs leidgeprüfte Freundin Laura (mit echtem Herz gespielt von Shanay Holmes) beschlossen hat, ihn zu verlassen, begeben wir uns auf Robs Reise der Selbsterkenntnis; Schicht um Schicht werden Jahre selbstbezogener, illusionärer Projektionen in Bezug auf seine früheren verflossenen Lieben abgetragen. Dass diese Reise aus der Perspektive von 2019 betrachtet wird, funktioniert dabei so gut – ebenso wie Tom Jackson Greaves’ einfallsreiche Inszenierung der zahlreichen Fantasiesequenzen rund um Robs Top Five Ex-Partnerinnen. Am vergnüglichsten ist dabei bei weitem die Szene, die die perfekte Mischung aus urkomischem Song, genialer Bühnenidee und präziser Darstellung bietet, wenn Laura und die Ex-Freundinnen (unterstützt von einer regenbogenbunten Sammlung Heliumballons) Robs Psyche in „Number Five With a Bullet“ stürmen. Das Fantasieelement lädt das Publikum ein, sich mitschuldig zu machen an Robs Prozess – für mehr Einsicht und in der Hoffnung auf seine Läuterung.

Carl Au (Dick) und Oliver Ormson (Rob). Foto: Mark Senior

Und das ist im Grunde alles. Eine Geschichte vom Jungen, der das Mädchen verliert und aus der Erfahrung lernt. Was diese überarbeitete Version von High Fidelity davor bewahrt, schal zu werden, ist ihre Fähigkeit, die Figuren als fehlerhafte Menschen zu zeichnen – verkörpert von einem durchweg glänzenden Ensemble. Wir sehen Ormsons Rob am Tiefpunkt in einer herrlich komischen Fantasiesequenz mit Lauras neuem Freund: dem selbsternannten New-Age-Guru Ian, von Robert Tripolino mit „Strick-dir-dein-eigenes-Müsli“-Perfektion gespielt. Wir erleben, wie Bobbie Littles urkomische beste Freundin Liz grandios daran scheitert, neutral zu bleiben (ihr „She Goes“ ist ein Song-Highlight des ersten Akts). Wir verkrampfen uns, während die Mannskinder aus dem Plattenladen weiter unbeholfen durch Begegnungen mit der Aussenwelt und potenziellen Liebschaften stolpern.

Shanay Holmes (Laura) und Robert Tripolino (Ian). Foto: Mark Senior

In vielleicht dem bewegendsten Moment des Abends zeigt eine herrlich berührende Eröffnungssequenz des zweiten Akts eine Split-Szene zwischen Rob und Laura mit neuen Partnern. Ihre Leben bleiben sich so ähnlich – und doch sind sie einander so fern, buchstäblich wie im übertragenen Sinn; ein Gefühl, das in den begleitenden Songs „I Slept with Someone...“ wunderbar unterstrichen wird.

High Fidelity mag am Broadway durchgefallen sein, aber in Battersea ist es ein Hit – pepsichartig, charttauglich und absolut mitreissend. Ein rundum gelungenes Stück aus einem von Londons neuesten Theatern, das die ohnehin schon hohe Messlatte des Off-West-End noch ein Stück höher legt.

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