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REZENSION: Can-Can, Union Theatre ✭✭

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Von

julianeaves

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Julian Eaves bespricht Can-Can, aktuell im Union Theatre zu sehen.

Foto: Scott Rylander Can-Can!   Union Theatre 2 Sterne Tickets buchen Für alle, die gehofft hatten, Cole Porters grossartiges Musical über das ausschweifende Leben im Paris der Fin-de-Siècle-Zeit zu erleben, wird diese Produktion eine Enttäuschung sein.  Von seiner wunderbaren Musik ist hier keine Note zu hören, von seinen witzigen, eleganten Liedtexten keine Silbe.  Stattdessen gibt es einen kleinen Untertitel, der uns informiert, dies sei „The New Offenbach Musical“.  Man geht also ins Theater und erwartet eine Art Best-of-Abend, der die Musik des legendären französischen Operettenkomponisten wiederverwertet (wahrscheinlich am bekanntesten durch die gleichnamige Nummer aus seinem populärsten Stück „Orpheus in der Unterwelt“).  Aber nicht einmal das ist es.  Nein; erst wenn man das Programmheft in die Hände bekommt, erfährt man endlich, dass es sich in Wahrheit um ein Pasticcio handelt: eine Zusammenstellung von Liedern aus einer sehr breit gefächerten Auswahl an Operettenkomponisten, die meisten davon Amerikaner, Österreicher, Briten oder Tschechen – nur ein Viertel der Nummern stammt von Offenbach.  Und mit dem fehlenden Frankreich-Bezug ist es nicht getan: Das „Buch“ ist meilenweit von diesem Milieu entfernt, denn es speist sich aus Pinero's altem Schlachtross „Trelawny of the Wells“, einer Geschichte, die britischen sozialen Snobismus auf eine Weise ausleuchtet, die einer französischen Operette herzlich egal wäre.  Der Bearbeiter, der unermüdliche Phil Willmott, ist jedoch von der Tauglichkeit überzeugt und hebt Handlung und Figuren kurzerhand aus und verpflanzt sie ins Frankreich der Dritten Republik der 1890er Jahre.  Nun ja – nein; ganz so einfach ist es nicht.  Denn dabei entfernt er auch den Grossteil der unbeschwerten Komik des britischen Stücks und ersetzt sie durch eine düstere, eher wehmütige Stimmung: eine bittere Parabel über gescheiterten Ehrgeiz und großstädtische Vorurteile, zusätzlich befeuert durch Phil Setrens steife Regie und Matthew Swithinbanks oft unerquicklich schattenreiche Beleuchtung. Grace Manley und James Alexander Chew in Can-Can! Foto: Scott Rylander\ Das ist wirklich schade, denn der Auftakt verspricht so viel.  Aber dann liegt das Ganze in den Händen einer völlig anderen kreativen Intelligenz.  Die Arbeit des Choreografen Adam Haigh ist der eine Grund, weshalb man diese Produktion sehen sollte – und ich finde tatsächlich, man sollte es tun, trotz all ihrer anderen Schwächen.  Seine musikalischen Szenen sind eine reine Freude, und der Auftakt ist dafür beispielhaft.  Mit geschickter Nutzung von Justin Williams' und Johnny Rusts geschmeidigem Proszeniumsbogen-auf-einem-Laster-Bühnenbild (eines ihrer bisher besten) katapultiert Haigh uns in einen echten „Hurrikan“ theatraler Aktivität, der an die besten Kamerafahrten Fellinis erinnert, wenn er am ausgelassensten und unbeschwertesten ist.  Herrlich, diese Bühne mit einem relativ grossen Ensemble von 17 Personen zu sehen, die alle akribisch detaillierte Dinge tun und dabei vollkommen in ihrem Element wirken.  Mit einer überwiegend jungen Truppe, die meist erst am Anfang ihrer Laufbahn steht, ist genau das, was sie brauchen, wenn sie an Projekten dieser Art arbeiten.  Von Beginn an gewinnt man sie lieb, und man erwärmt sich an ihren vielen jugendlichen Reizen – hilfreich geerdet durch die Präsenz der erfahreneren Richard Harfst, PK Taylor, Mark Garfield und Corinna Marlowe.  Wenn doch nur der Rest der Produktion diese Stimmung halten würde. James Alexander Chew, Emily Barnett Salter, Kathy Peacock und Kasey Claybourn in Can-Can! Foto: Scott Rylander Stattdessen sind es im Grunde allein die Tanznummern, die die Herzen heben.  Und das tun sie: Haigh weiss wirklich, wirklich, wie man seine Kräfte bündelt und üppigste Effekte erzeugt – einmal denkt man an Massines „Gaîté Parisienne“, im nächsten Moment an Balanchines filigrane Gruppenbewegungen oder sogar an Gene Kellys „Ein Amerikaner in Paris“ – ein sehr heikles Unterfangen, das Haigh hier mit geradezu malerischer Kontrolle gelingt.  Das ist Choreografie höchster Güte, und sein Finale – das Warten lohnt sich – ist ein wahres Feuerwerk an Energie und explosiven Effekten.  Ja, er hat die Angewohnheit, in einer Sekunde von 0 auf 60 zu gehen: Es gibt Momente, in denen man sich nach weniger Tempo sehnt, nach einer legato geführten Phrase oder einfach nach einer Pause und Stille – etwa könnten die effektvollen Kapriolen des Pas de deux für die Liebenden im zweiten Akt stärker fesseln, wären sie ein wenig verführerischer aufgebaut.  Wie dem auch sei: Die Besetzung bekommt jede Gelegenheit, ihre Bravourkunststücke zu präsentieren – dutzende Sprünge für die Herren (James Alexander-Chew raubt einem den Atem), ständige Überraschungen durch unaufhörlich wechselnde Annäherungswinkel und einige wirklich knallige Effekte für die Damen.  Es ist pures Glück. Damjan Mrackovich mit Kathy Peacock in Can-Can!. Foto: Scott Rylander Die Company wurde ganz offensichtlich nach ihrer Fähigkeit ausgewählt, den Anforderungen des Choreografen gerecht zu werden.  Aber das ist eine Operette, und sie müssen auch singen – und die Musik, die sie zu bewältigen haben, ist kein leichtes Material.  Melodiös, ja, aber sie stellt hohe Ansprüche an die Stimme.  Die schlichte Wahrheit ist: Dieses Material braucht stärkere, weiter entwickelte Stimmen.  Nur in den Chorsätzen, wenn sie die Stimmen bündeln können, klingen sie wirklich zu Hause.  Ansonsten, in den Solonummern, ist es mitunter erschreckend zu hören, wie sehr sie von der Gesangslinie, den Anforderungen an die Stütze, den Tücken sauberer Intonation und verständlicher Artikulation überfordert werden.  Selbst in diesem kleinen Raum haben einige Mühe, ihre Stimmen über die Begleitung eines einzigen Instruments zu tragen (MD Rosa Lennox, die selbst oft in Schwierigkeiten gerät mit dem kleinen Klavier am Bühnenrand: sie wirkt an der Klarinette, die sie ebenfalls spielt, deutlich heimischer).  Die musikalischen Arrangements stammen von Richard Baker, und er hat getan, was er konnte, um die disparaten Elemente der musikalischen Palette der Show zu einer „Partitur“ zu verschmelzen (einschliesslich mehrerer Passagen, die auf Playback voraufgezeichneter Orchesterklänge angewiesen sind) – aber letztlich bleibt es eine Parade von „Greatest Hits“: Ohne viel Rezitativ, Ensemble oder Szene und mit einer übermässigen Abhängigkeit von der schlichten Wiederholung von Refrains erzeugt die mangelnde Formenvielfalt zwangsläufig eine Gleichförmigkeit, die vorhersehbar wird und der Show nach und nach die Energie entzieht. Foto: Scott Rylander Das wiederum hilft der Besetzung nicht, das Beste aus der Gelegenheit zu machen.  Kürzlich zeigte in Berlin eine wegweisende Neuinterpretation von „Im weissen Rössl“, wie gut es möglich ist, eine grosse klassische Operette zu nehmen und sie im Modus zeitgenössischer Unterhaltung neu zu formen – und vor allem so, dass sie zu den Stimmen und Stilen von heute passt.  Mit einer Besetzung wie dieser wäre das vermutlich der vernünftigere – und konstruktivere – Ansatz gewesen.  Stattdessen muss Damjan Mrakovich als romantischer Hauptdarsteller Christian Bontoux seine Stimme zu Dingen zwingen, für die sie offensichtlich nicht geeignet ist; ihm gegenüber legt Kathy Peacock als Jane zwar solide Technik an den Tag, aber wie grausam, sie ausgerechnet mit Hanna Glawaris aufsteigender, schwebender Melodie aus dem „Lustigen Witwenwalzer“ debütieren zu lassen – einer Nummer, die eindeutig für eine körperlich deutlich reifere Frau geschrieben wurde.  Und so weiter.  Emily Barnett-Salter liefert eine rasante Darstellung der vulgären Yvette, doch die Musik zwingt sie dazu, ihre Stimme auf eine Weise zu drücken, die unmöglich bequem sein kann.  Taylors schäbiger Drag-Act, Goulue, ist ein Vergnügen – auf eine Art billiges „La Cage aux Folles“ – aber ihre Musik müsste überdacht werden.  Ich könnte weitermachen, aber der Punkt dürfte klar sein. Die Besetzung von Can-Can! Foto: Scott Rylander Man freut sich jedes Mal, wenn eine Tanznummer kommt, aber die Wartezeiten dazwischen können lang sein.  Und in der Zwischenzeit muss man sich durch ziemlich hölzernen Dialog hören.  Einige aus dem Ensemble tun, was sie können, um ihren Figuren mehr Profil zu geben, doch das Skript tut ihnen kaum einen Gefallen.  „Trelawny“ eröffnete damals mit lauwarmen Kritiken, und wenn es später wiederaufgenommen wurde, haben Produzenten darauf geachtet, es wirklich hochkarätig zu besetzen – mit Darstellenden, die Erfahrung und Können besitzen, um seine vielen Schwächen zu umschiffen.  Statt diese fleissige Besetzung zu präsentieren, ist ein Text wie dieser nicht gerade freundlich zu ihnen.  Es ist wunderbar, eine so grosse Gruppe die spektakulären grossen Nummern tanzen zu sehen – wenn die Show doch nur diese Stärke als Hinweis genommen und sich stärker um sie herum gebaut hätte.  Die Kostüme von Penn O'Gara sind sehr schön und könnten aus jeder impressionistischen Galerie stammen, aber der Regisseur wirkt mit dieser Mischung aus Haute Bourgeoisie und Demi-monde weniger sicher: Zu oft werden sie einfach stehengelassen, ringen nach Orientierung und bewohnen ihre Rollen überhaupt nicht.  Die Tanznummern sind meisterlich ausgeführt, doch das Spiel bleibt im Vergleich roh und unfertig.  Letztlich geht es im Theater um die Beziehung zwischen denen auf der Bühne und denen im Publikum; erfreulicherweise scheint das jemand im Kreativteam verstanden zu haben – sein Erfolg dient allerdings vor allem dazu, die Defizite in anderen Bereichen umso deutlicher hervorzuheben. Bis 9. März 2019

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