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KRITIK: Matt Doyle, Die Seth Rudetsky Online-Konzertreihe ✭✭✭

Veröffentlicht am

Von

julianeaves

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Julian Eaves bespricht Matt Doyle – den Gast der Woche in der Online-Konzertreihe von Seth Rudetsky.

Matt Doyle Matt Doyle und Seth Rudetsky

Die Seth Online Concert Series

3 Sterne

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Die Show startete mit einem warm vibrierenden A-cappella-Auftakt zu Jason Robert Browns wegweisender, folkig angehauchter Ballade „It All Fades Away“ aus dem rustikal angesiedelten „The Bridges of Madison County“. Doyle verfügt über eine angenehm kommerzielle, harte Tenorstimme (2. Tenor), mit einer leichten Neigung zu nasalen Vokalen in der Höhe, und über eine flinke, plauderfreudige Art, jederzeit bereit, Backstage-Geschichten auszutauschen. Außerdem liegt etwas leicht Unstetes in seinem Blick, der berechnend hierhin und dorthin gleitet – so sehr, dass man fast erwartet, ihm würde gleich eine gespaltene Zunge aus dem Mund schnellen.

Wie dem auch sei: Eine seiner Anekdoten drehte sich um echtes, brandneues Talent – Ryan Scott Oliver, dessen „Jasper in Deadland“ ein Engagement war, bei dem Doyle ebenfalls mitwirkte (für alle, die’s nicht wissen: Das ist eine weitere Neuauflage des alten „griechische Götter in der Unterwelt“-Motivs – und ja, davon gab es in letzter Zeit ziemlich viele neue Shows, nicht wahr?). Daraus bekamen wir die Nummer „Stroke by Stroke“ zu hören: perfekt abgestimmt auf Doyles helle, poppige Stimme, auch wenn das Stück offenbar nach einem deutlich schwereren, stadiontauglichen Belter verlangt.

Von einer überackerten Furche zur nächsten: das Superhelden-Musical – mit einem Hauptdarsteller, der … „Fly“ will! Wieder sehr effiziente, gut modulierte Vocals von unserem Gast. Seine Intonation saß hier fester (die früheren Nummern litten gelegentlich unter etwas unsicherer Tonhöhenfindung). Dafür bekam „One Song Glory“ aus Jonathan Larsons „Rent“ eine sehr verlässliche, sehr „solide“ Interpretation. Und von dort schlenderten wir weiter zu etwas aus „Spring Awakening“ (Duncan Sheik und Steven Sater): „All That’s Known“ – eine typisch angstgetränkte Tour durch ungelöste Gefühle für den gequälten Co-Lead Melchior.

Das Merkwürdige an diesen Shows ist: Während sie auf der Bühne massive Emotionalität verlangen und von Fans – zumindest – als etwas wahrgenommen werden, das beinahe die mystische Kraft einer offenbarten Schrift besitzt, sprechen die Gäste in dieser Reihe, wenn sie darüber reden, meist mit einer unbekümmerten Flapsigkeit, die das Ganze ad absurdum führt. Show um Show summiert sich diese Lässigkeit, bis man als Zuhörer*in am Ende denkt: „Na, wenn es euch nicht wichtig ist – warum sollte es dann irgendwem wichtig sein?“ Auch helfen die gelegentlichen Ausbrüche von „Oh, I LOVE this song!“ nicht weiter. Sobald ein*e Künstler*in das behauptet, möchte ich zwangsläufig wissen … WARUM? (Wenn sie uns das doch nur sagen könnten.)

Mehr Herbheit lieferte Sondheims schwärmerisches „Joanna“ aus „Sweeney Todd“. Hier wirkte Doyles atemiger, pochender Sound wirklich unpassend zu den langen Legato-Linien, die nach guter Stütze und Kontrolle schreien. Allerdings musste er das nur in der Off-Broadway-Übernahme der „immersiven“ Produktion aus dem Tooting Arts Club singen: Ich habe die Show gesehen, als sie am Shaftesbury Avenue lief, und sie war tatsächlich sehr intim – die Art von Ort, an dem man buchstäblich mit Mord davonkommen könnte.

Seth Rudetsky

Weitere Probleme mit knappem Atem und vokaler Enge zeigten sich in „Something’s Comin’“ aus „West Side Story“ (nur Sondheim – Bernstein hat die Musik für diese Nummer nicht geschrieben). Mehr Pop-Material tauchte dank Hughie Lewis’ Songs auf, die in „Ferris Bueller’s Day Off“ hineingepumpt wurden: Doyle sang „If This Is It“ mit Schwung und Klarheit – seine Stimme passte perfekt zu der impulsiven Narzissmus-Energie der Jugend, die das Lebensblut der Rockmusik ist.

Die schiere Übervertrautheit des Gros dieses Repertoires, kombiniert mit dem autobiografisch spazierenden Format der Show – durchsetzt mit Klatsch- und Erinnerungsanekdoten – entzog dem Abend jedoch nach und nach die Energie. Doyle sang „Being Alive“ aus „Company“ (die dritte Portion Sondheim) ordentlich und mit gewandter Artikulation, allerdings mit einer Stimme, die eher in ein kleines Zimmer mit einem einzelnen Klavier gehört.

Der MD, Seth Rudetsky, kann dieses Klavier natürlich wie jede Art von Band klingen lassen. Und als Nächstes brachte er den „Book of Mormon“-Abklatsch von „I Have Confidence“ aus „The Sound of Music“: „I Believe“ (Trey Parker, Matt Stone), das am unangenehmen oberen Rand von Matts Stimmumfang liegt. Er kam – gerade so – durch diese Nummer, aber wie er damit acht Vorstellungen pro Woche durchstehen würde, darüber möchte man lieber nicht spekulieren.

Dann jedoch gab es eine willkommene Kursänderung: Bob Dylans „To Make You Feel My Love“ (ausgerechnet das Lieblingslied seiner Oma). Das war süß gesungen und gut gespielt. Und dann zurück zu den Schlachtrössern der Musicalbühne: „I Got“ aus „Hair“ (Ragni, Rado, MacDermot) – eine sehr ordentliche, nicht monotone Darbietung.

Alles in allem neunzig Minuten mit vielen großartigen Nummern – aber solche Dinge ergeben noch lange keinen rundum befriedigenden Liederabend, wenn sie von keinerlei anderen sichtbaren Mitteln getragen werden.

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