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KRITIK: Crazy For You, Gillian Lynne Theatre ✭✭✭✭✭

Veröffentlicht am

Von

timhochstrasser

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Tim Hochstrasser bespricht den West-End-Transfer von Crazy For You, der jetzt im Gillian Lynne Theatre zu sehen ist.

Charlie Stemp und das Ensemble. Foto: Johan Persson Crazy for You

Gillian Lynne Theatre

5 Sterne

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Wer die Formel für ein erfolgreiches Musical entdecken möchte, könnte kaum etwas Besseres tun, als all die kreativen Zutaten zu studieren, die in Crazy for You eingeflossen sind – das gerade ins Gillian Lynne Theatre zurückgekehrt ist. Schon in den 1990ern ein grosser Erfolg, sprüht und glitzert die Show noch immer mit derselben Wucht und schillernden Finesse wie damals; und angesichts der bedrückenden Weltlage ist ihre Fähigkeit, trübe Gedanken zu vertreiben und ungezügelte Freude an ihre Stelle zu setzen, vielleicht sogar noch wichtiger und notwendiger.

Das Ensemble von Crazy For You. Foto: Johan Persson

Dieses Musical ist eine Süssigkeit – ein „Pasticcio“ im besten Sinne des Wortes. In dem Bewusstsein, dass die einzelnen Gershwin-Shows der 20er- und 30er-Jahre jeweils in die Jahre gekommen oder problematisch sind, nahmen die ursprünglichen Produzenten die Grundhandlung und einige Nummern aus „Girl Crazy“ von 1930 und fügten dann eine Auswahl von George und Iras grössten Hits hinzu – insgesamt zwanzig –, um ein Schaufenster ihrer Kunst zu schaffen.

Tom Edden und Ensemble. Foto: Johan Persson

Doch damit nicht genug. Damit die Show ein eigenständiges Leben entwickeln konnte, brauchte es frische kreative Impulse – geliefert von Ken Ludwig (Buch) und Susan Stroman (Choreografie). In dieser Wiederaufnahme fügen sich beide Aspekte glänzend zusammen: Die Handlung ist zwar in hohem Mass absurd (aber nicht absurder als viele Barockopern), doch die Dialoge sind frech, stellenweise gewagt und dabei stets glaubwürdig und dem Geschehen dienlich. Und Stromans atemberaubende Routinen entfalten sich so nahtlos wie eh und je, bauen Schicht um Schicht bemerkenswerter Athletik auf – und halten dennoch bis zur letzten Pointe immer noch eine Überraschung in der Hinterhand. Es gibt so viel zu sehen und aufzunehmen, dass man am Ende jedes Akts sofort das Gefühl hat, man wolle – ja müsse – es noch einmal sehen.

Das Ensemble von Crazy For You. Foto: Johan Persson

Ein entscheidender Erfolgsfaktor ist hier die Sorgfalt bei den Orchesterarrangements, für die neben dem Musical Director Alan Williams drei weitere Mitwirkende genannt werden. Die langen Melodiebögen und feinen harmonischen Verschiebungen der Gershwin-Originale laden diese Nummern geradezu zu Improvisation und Variation ein – wie Jazzmusikerinnen und -musiker längst wissen. Stroman (die diese Wiederaufnahme auch inszeniert) und ihre Arrangeure schöpfen diese Kraft voll aus und schaffen lange Tanzsequenzen mit grosser kumulativer Wirkung, besonders eindrucksvoll in „Slap That Bass“ und in der Showpiece-Präsentation von „I Got Rhythm“ kurz vor der Pause. Stimmungswechsel und Komplexität der Orchesterlinien spiegeln sich präzise im Tanz – mit messerscharfer Technik bei Tänzerinnen und Tänzern ebenso wie bei den Musikerinnen und Musikern.

Die Handlung – sofern man davon sprechen will – führt uns aus der Follies-Welt New Yorks in eine heruntergekommene Bergbaustadt in Nevada. Bobby Child soll mit Hilfe der Einheimischen in der Wüste eine erfolgreiche Show auf die Beine stellen, wenn er das Theater vor der Zwangsvollstreckung der Hypothek retten und Polly, die Tochter des Theaterbesitzers, für sich gewinnen will. Selbstverständlich gelingt es Bobby irgendwie, eine urlaubende Truppe von Follies-Girls anzuheuern – indem er sich als ihr ungarischer Impresario Bela Zangler ausgibt, bis der echte Zangler auftaucht. Für Bobby türmen sich Komplikationen aller Art auf: ein intrigierender Saloonbesitzer, eine sture Ex-Freundin, die Autoren eines Reiseführers und schliesslich seine Mutter – bevor sich alles in einer seligen Auflösung fügt.

Das Ensemble von Crazy For You. Foto: Johan Persson Das alles wird mit vergleichsweise einfachen Kulissen erreicht, die hinein- und hinausgleiten, dafür aber mit umso opulenterem Licht- und Kostümbild – mit einer Präzision im Art-déco-Detail, die keine Wünsche offenlässt. Die Bühne des Gillian Lynne bietet einen grosszügigen Bühnenvorsprung und reichlich Tiefe für die grossen Nummern, und die Company liefert durchweg erstklassigen Gesang und Tanz. Ein schöner Einfall ganz zum Schluss war es, den Swings und Understudies ihren eigenen Applaus zu gönnen – ein Zeichen der starken gemeinsamen Kameradschaft in einer Show mit rund dreissig darstellenden Rollen.

Charlie Stemp und Company. Foto: Johan Persson

Viel ruht in dieser Produktion auf den Hauptrollen – Bobby und Polly sind kaum lange von der Bühne, und neben den Ensemblenummern gibt es Solosongs, Tanznummern und aufwendige gesangliche wie choreografierte Duette. Sowohl Charlie Stemp als auch Carly Anderson meisterten diese vielfältigen Anforderungen mit unvergleichlichem Erfolg und eleganter Leichtigkeit. Wenn ich einen Moment herausgreifen müsste, dann ihre Version von „Embraceable You“: Hier müssen sie die Stimmung drehen und das Publikum wirklich von der Wahrhaftigkeit ihrer Beziehung überzeugen. Das hatte emotionale Wucht – und zugleich grosse technische Brillanz.

Foto: Johan Persson

In den Nebenrollen leistete Tom Edden Grossartiges in der etwas undankbaren Rolle des Bela Zangler – seine Spiegelnummer mit Stemp gehörte zu den besten visuellen Gags des Abends. Und Natalie Kassanga glühte und provozierte nach allen Regeln der Kunst in ihrer Version von „Naughty Baby“. Mathew Craig holte viel aus der Rolle des verbitterten Saloonbesitzers heraus, und Sam Harrison und Rina Fatania als die Fodors gaben P. G. Wodehouse mehr als nur eine kleine Verbeugung. Insgesamt hat man überall den Eindruck einer glücklichen, reibungslos laufenden Produktion.

So ist das eine Show, die man allen Liebhaberinnen und Liebhabern des Musicaltheaters bedenkenlos empfehlen kann – Neulingen bietet sie ungetrübtes Vergnügen, und Kennerinnen und Kennern ist sie eine Erinnerung an die zeitlosen Freuden des Genres, wenn alle Zahnräder in perfekter Synergie ineinandergreifen.

 

 

 

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