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REZENSION: Charlie und die Schokoladenfabrik, Broadway-Cast-Aufnahme ✭✭✭✭✭
Veröffentlicht am
Von
douglasmayo
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Charlie und die Schokoladenfabrik
Broadway-Castaufnahme
Sony Masterworks Broadway
5 Sterne
Ein Exemplar bei Amazon.co.uk bestellen Ich war ein RIESIGER Fan von Charlie und die Schokoladenfabrik, als die Show im Theatre Royal Drury Lane eröffnete – mit Musik von Marc Shaiman und Scott Wittman. Dem Publikum wurde ein echtes Theater-Spektakel geboten, aber was mich wirklich gepackt hat, war die fabelhafte Partitur, die nur einen einzigen Song aus dem Gene-Wilder-Film übernahm.
Shaiman und Wittman schafften nahezu das Unmögliche: Sie trafen den Wonka-Zeitgeist, schrieben neue Musik für Charlie auf Augenhöhe mit Bricusse und Newleys originaler Filmmusik.
Umso neugieriger war ich zu hören, dass für die Broadway-Produktion Änderungen vorgenommen werden sollten. Es wurden mehr Song-Momente aus dem Film integriert, Nummern aus der Londoner Partitur gestrichen (zum Glück gibt es das Londoner Cast-Album!) und neue Songs geschrieben.
Christian Borle schlüpft in die Rolle des ikonischen Chocolatiers Willy Wonka – und seine Leistung ist schlicht spektakulär. Seine zahnkitzelnde, zungenverknotende, triptastische Performance ist hypnotisierend. Seine messerscharfe Diktion in Songs wie Strike That Reverse It ist übermenschlich und würde einen gewissen modernen Major-General alt aussehen lassen. In seinem Spiel stecken Sarkasmus, Humor und enorme Wärme – überzogen mit einem leicht durchgedrehten Zuckerguss – und genau das kommt auf dieser Aufnahme in Hülle und Fülle rüber. Borles Interpretation des neuen Finales The View From Here und auch der Klassiker Pure Imagination allein stellen ihn neben Gene Wilder und Douglas Hodge: als jemanden, der die Magie von Dahl und Wonka auf den Punkt bringt. John Rubenstein (Broadways ursprünglicher Pippin) übernimmt den Part von Grandpa Joe. Als Geschichtenerzähler und liebevoller Großvater ist seine Beziehung zu Charlie spürbar – wenn er sagt „they make something out of nothing“ – und diese Beziehungs-Magie ist in Charlie, You and I. am stärksten. Auf diesem Cast-Album treten alle drei Broadway-Charlies auf. Da ist eine herrlich Wonka-befeuerte Manie (fast schon zuckergetriebene Hysterie) in Jake Ryan Flynns Willy Wonka! Willy Wonka!; Ryan Fousts wunderbare Sensibilität in A Letter From Carlie Bucket hebt diesen Moment von allzu weich und zuckersüß zu etwas von innerer Schönheit; während Ryan Sell die staunende Aufregung von I've Got A Golden Ticket und Grandpa Joe großartig einfängt. Wie bei so vielen Stücken, in denen Kinder zentrale Figuren sind, muss das Casting einfach stimmen – und auf dieser Aufnahme strahlen diese drei jungen Darsteller. Charlies Vater scheint auf der transatlantischen Reise nach Broadway unter die Räder gekommen zu sein; Emily Padgett spielt Charlies Mum. If Your Father Were Here könnte nicht in besseren Händen sein. Es wirkt wie eine ehrliche, bewegende Sicht auf elterliche Liebe in ihrer reinsten Form. Es bringt mich zum Weinen – was soll ich sagen!
Christian Borle (Mitte) und das Ensemble von Charlie und die Schokoladenfabrik. Foto: Joan Marcus
Keine Roald-Dahl-Geschichte wäre vollständig ohne die Bösewichte – und bei Charlie und die Schokoladenfabrik bekommt man eine ganze Galerie grotesker Kinder zum Genießen. Augustus Gloop (F. Michael Haynie), Veruca Salt (Emma Pfaeffle), Violet Beauregarde (Trista Dollison) und Mike Teavee (Michael Wartella) liefern verwöhnte Gemeinheit im Überfluss. Jedes Kind hat perfekt genervte Eltern an der Seite. Die Eltern – Mrs Gloop (Kathy Fitzgerald), Mr Salt (Ben Crawford), Mr Beauregarde (Alan H Green) und Mrs Teavee (Jackie Hoffman) – sind eine Wucht. Hört genau hin, um jede wunderbare Zeile dieser herrlich widerlichen Kinder und ihrer ebenso beschädigten Eltern mitzubekommen. Jackie Hoffman stiehlt allen die Show mit ihrem „Come and visit my factory“-Spruch – grandios!
Der Broadway-Charlie übernimmt vieles von der neuen Oompa-Loompa-Partitur aus London, baut nun aber auch thematische Elemente aus dem Film ein. Mit Verve dargeboten – allerdings muss ich zugeben, dass When Willy Met Oompa der Teil der neuen Musik ist, der mich bislang noch nicht ganz überzeugt hat. Interessant ist auch, dass das Publikum jetzt von Anfang an in das große Überraschungsende eingeweiht wird, da Wonka gleich zu Beginn ankündigt, er wolle die Kontrolle abgeben. Nimmt das etwas von der Magie? Ich vermute, das können eigentlich nur die beurteilen, die die Show gesehen haben. Was es aber tut: Es bereitet einen großartigen Moment in Willy Wonka! Willy Wonka! vor, in dem ein manischer Charlie einem inkognito auftretenden Wonka eine Portion manischer, ego-zerbeulender Ehrlichkeit serviert.
Marc Shaimans Partitur wurde von Doug Besterman herrlich orchestriert. Sie ist zu gleichen Teilen üppig und opulent, modern und frech – und auf so viele entzückende Arten einfach unglaublich Broadway. Mit dem Orchester der Show unter der meisterhaften musikalischen Leitung von Nicholas Skillbeck könnte Charlie kaum in besseren Händen sein – und das hört man auf diesem Cast-Album.
Also: Besorgt euch ein Exemplar, werft euch einen Gobstopper ein, macht das Licht und euer Handy aus, schließt die Augen – und hört einfach zu und genießt die Wunder, die euch in der Welt von Charlie und die Schokoladenfabrik erwarten. Nach diesem Album freue ich mich sehr darauf, die Show zu sehen.
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