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KRITIK: All Male HMS Pinafore, Richmond Theatre ✭✭✭✭

Veröffentlicht am

Von

helenapayne

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HMS Pinafore – rein männlich besetzt

Dienstag, 14. Juni 2016

4 Sterne

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Sasha Regans rein männlich besetzte HMS Pinafore ist ein herrlich leichtfüssiger und zugleich überraschend berührender Theaterabend. Trotz des opulenten, plüschigen Interieurs des Richmond Theatre ist diese Inszenierung reduziert, einfallsreich und niemals überladen. Mit drei Eisen-Etagenbetten, sechs Proviantkisten, etwas Tauwerk und sehr viel Fantasie spinnt das Ensemble die wunderbar alberne Geschichte über Liebe und gesellschaftliche Machtspiele – dabei bleibt es Gilbert’s aberwitzigem Libretto und Sullivans eingängiger Partitur weitgehend treu. Das Ergebnis ist eine elegante, handwerklich glänzend umgesetzte Produktion – und den Ausflug nach Richmond absolut wert.

Nach ähnlich neu gedachten Versionen von The Pirates of Penzance und The Mikado bestätigt diese Wiederaufnahme, die 2014 ausgiebig auf Tour war, dass Regan eine Erfolgsformel gefunden hat: gut aussehende, talentierte Jungs, die die ohnehin absurden G&S-Handlungen liebevoll auf die Schippe nehmen – und dabei wunderschön singen. Es funktioniert. Mit reichlich Shorts und Kniestrümpfen schallte das Gelächter durchs Publikum und steigerte sich zu einem schwindlig-glückseligen Hochgefühl, das uns mit einem warmen Nachglühen nach der Vorstellung entliess. Nach Orlando wirkt HMS Pinafore besonders dringlich – als Bekenntnis zu jener Freiheit des Ausdrucks, für die das Theater selbst steht. Die zarten Momente, in denen Männer einander gegenüber spielen, sind im Nachhall dieser Tragödie, die gegen die LGBTQ+-Community verübt wurde, von grosser Eindringlichkeit.

An HMS Pinafore gibt es vieles zu loben, doch mein Highlight des Abends war Neil Moors als Captain Corcoran. Er traf genau den wildäugigen, durchgeknallten Eifer, den G&S verlangt, und nahm sich alle Freiheiten, die er kriegen konnte – durchbrach die vierte Wand, zwinkerte und schmollte, sehr zur Freude des Publikums. Richard Russell Edwards lieferte zahlreiche Glanzmomente mit punktgenauem Slapstick und herrlich getimter Komik. Die Liebenden – Tom Senior und Ben Irish als Ralph bzw. Josephine – bildeten das (ironisch „hetero“) warme Herz, um das die anderen herumalbern konnten, und David McKechnie als Buttercup verlieh dem Ensemble die Klasse und Finesse eines erfahrenen Bühnenprofis.

Für eine hervorragende musikalische Leitung sorgte Richard Bates, der den oft repetitiven Melodien erstaunlich viel abgewinnt und mit frechen Verzierungen, die auf Popkultur anspielen, so manchen Gag setzt. Mein einziger Kritikpunkt wären die breiten amerikanischen Vokale, mit denen einige aus dem Ensemble singen. Dieser „Twang“ wirkt in einer Operette, die darüber nachdenkt, was es heisst, „ein Engländer zu sein“, etwas unpassend. Ich persönlich mag meine Countertenöre und Tenöre lieber mit – und ich finde, die Musik gibt das her – einem deutlich weniger künstlichen, reineren Chorklang.

Dieses HMS Pinafore lädt dazu ein, über eine Gesellschaft nachzudenken, die sich erheblich verändert hat – und sich doch weiterentwickeln und stets neu befragen muss. Gilberts höhnische Satire auf eine viktorianische Gesellschaft, besessen von Klasse und Hierarchie, ist von den Problemen, mit denen junge Menschen im heutigen Grossbritannien noch immer kämpfen, gar nicht so weit entfernt. Wenn es nicht deine Herkunft ist, dann deine Ethnie, dein Geschlecht oder dein Beruf – irgendetwas, worüber andere dich zu definieren versuchen. Diese aussergewöhnlichen Darstellerinnen und Darsteller zeigen jedoch mit Anmut und Humor, dass sich die Wahrnehmung mühelos verändern lässt: durch einen anders geknoteten Schal oder einen strategischen Haarwurf. Lizzi Gees Choreografie ermöglicht diese Übergänge wunderbar, und die scheinbar eher konventionelle Publikumsstruktur in Richmond liebte jede Sekunde.

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