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KRITIK: The Welkin, National Theatre ✭✭
Veröffentlicht am
Von
danielcolemancooke
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Danny Coleman-Cooke bespricht Lucy Kirkwoods Stück The Welkin, das derzeit im Lyttelton Theatre am National Theatre in London zu sehen ist.
The Welkin
National Theatre
22. Januar 2020
2 Sterne
Die Grundidee von The Welkin ist genial: Eine reine Frauenjury wird gezwungen, über den Fall einer anderen Frau zu verhandeln – Twelve Angry Women, angesiedelt Jahrhunderte bevor Henry Fonda überhaupt ein Embryo war.
Das entsteht durch die Neuinterpretation einer längst vergessenen Tradition, einer „jury of matrons“. Das waren Frauen, die die wenig beneidenswerte Aufgabe hatten zu beurteilen, ob eine Verurteilte schwanger war – eine Entscheidung, die damals den Unterschied zwischen dem Galgen oder der Verbannung in die damaligen Kolonien bedeuten konnte.
Es ist eine knifflige, unhandliche Inszenierung, die mit zahlreichen Themen und Figuren ringt und am Ende keinem davon – trotz beträchtlicher Spieldauer – genug Gewicht verleiht.
Dadurch ist der Höhepunkt nicht ausreichend ausgearbeitet, während anderes Material nach Kürzung schreit – etwa ein unnötiges und anachronistisches Lied in der zweiten Hälfte.
Dennoch gibt es unter dem überwiegend weiblichen Ensemble einige lobenswerte Leistungen, auch wenn manche Akzente stimmiger waren als andere.
Ria Zmitrowicz fesselt als Sally Poppy, eine fauchende Teenagerin, die beschuldigt wird, das Kind einer Landbesitzerfamilie ermordet zu haben. Es zeugt von echtem Mut, dass Autorin Lucy Kirkwood die Figur unerquicklich und reuelos anlegt, statt eine klassische Fehlverurteilung zu erzählen – und Zmitrowicz’ Talent zeigt sich darin, wie viel Empathie sie aus einer so schwierigen Rolle herauszuholen vermag.
Maxine Peake liefert als örtliche Hebamme Lizzy ebenfalls eine gewohnt brillante Vorstellung, auch wenn ihre Figur – wie einige andere – zu unrealistischen, pathetischen Redeschwällen neigt, zusammen mit manchem dialogischen Erklärstück.
Bunny Christies Bühnenbild ist spektakulär, doch die Kombination aus der riesigen, hallenden Spielfläche und den erwähnten wackeligen Akzenten führte dazu, dass mehrere wichtige Zeilen im Nichts verpufften.
The Welkin ist ein Stück mit enorm viel Potenzial, doch es braucht ein paar kluge Schnitte, um ihm mehr Fokus und thematische Klarheit zu geben. Im Moment wirkt The Welkin wie ein Stück, dem noch ein paar Überarbeitungen zur Grösse fehlen.
Fotos: Brinkhoff Moegenburg
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