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REZENSION: Rosmersholm, Duke of York's Theatre ✭✭✭✭✭
Veröffentlicht am
4. Mai 2019
Von
markludmon
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Mark Ludmon bespricht Duncan Macmillans Adaption von Ibsens Rosmersholm, derzeit im Duke of York’s Theatre zu sehen.
Lucy Briers, Giles Terera, Hayley Atwell und Ensemble von Rosmersholm. Foto: Johan Persson RosmersholmDuke of York’s, LondonFünf Sterne Jetzt buchen Ibsen ließ sich zu Rosmersholm inspirieren, nachdem er nach Jahren im Exil nach Norwegen zurückkehrte und sein Heimatland politisch in Aufruhr und tief gespalten vorfand. In seiner Geschichte um den ehemaligen Pastor John Rosmer, hin- und hergerissen zwischen konservativer Tradition und radikalem Wandel, zeichnet er eine Welt, in der Politik zum blutigen Sport wird: verfeindete Lager ringen um Stimmen, angefeuert von einer Schmutzkampagnen-Presse. In Duncan Macmillans neuer Adaption werden diese Spannungen so formuliert, dass sie unüberhörbar an das Großbritannien nach dem Brexit erinnern. Politik ist mehr zu einer Frage der Lautstärke als der Vernunft geworden, mehr Gefühl als Fakt. Die Presse ist in erbittert gegensätzliche politische Lager zerspalten, jagt einen Skandal nach dem anderen und druckt Lügen, „die nicht einmal ihre Eigentümer glauben“. Für manche wirkt es, als sei die Agenda: „Sie wollen, dass wir uns streiten, um uns abzulenken.“ Hayley Atwell und Ensemble in Rosmersholm. Foto: Johan Persson Doch das Drama bleibt fest im späten 19. Jahrhundert verankert, mit Figuren, die von Werten angetrieben werden, die ganz eindeutig ihrer Zeit entstammen. Es untersucht Rosmers – und Ibsens – Vorstellung von Adel: gemeint ist eine erhöhte Moral von Charakter, Geist und Willen statt gesellschaftlicher Klasse – auch wenn ein Hauch von Elitismus bleibt. Es ist außerdem eine Zeit, in der Frauen nicht wählen dürfen und als minderwertig gelten; das inspirierte eine von Ibsens bemerkenswertesten Figuren, Rebecca West – eine Proto-Feministin, deren revolutionäre Ansichten die Verwandlung ihres Freundes Rosmer vom reaktionären Patrizier zum Verfechter sozialer Gleichheit ausgelöst haben. Giles Terera und Hayley Atwell in Rosmersholm. Foto: Johan Persson Ihr gegenüber steht der konservative Kroll, den Macmillan hier vom örtlichen Schulmeister zum rechtsgerichteten Gouverneur befördert: ein scheinbar kaltherziger Politiker, dem es gleichgültig ist, wen er verletzt, solange seine Partei an die Macht kommt. Er ist zugleich der Bruder von Rosmers verstorbener Frau Beth, die sich in den Mühlteich neben ihrem Zuhause stürzte, nachdem sie erkannt hatte, dass sie ihrem Mann keinen Erben schenken konnte. Es sind diese persönlichen Verflechtungen, die das Stück zu mehr machen als „nur“ einem politischen Drama. Ebenso wenig ist es bloß ein Abbild von Rechts gegen Links – im Mittelpunkt steht vielmehr Rosmers Unfähigkeit, sich zu entscheiden. Hayley Atwell, Tom Burke, Peter Wight und Giles Terera in Rosmersholm. Foto: Johan Persson Er wird von Tom Burke mit großer Intensität gespielt: eine zugeknöpfte Ernsthaftigkeit, die in Leidenschaft ausbricht, während er mit inneren Konflikten und dem Verlust seines Glaubens ringt. Doch Hayley Atwell glänzt als Rebecca und verkörpert voll und ganz ihren Kampf zwischen idealistischen Überzeugungen und der Liebe zu Rosmer. Trotz seiner Verachtung für Gleichheit und die arbeitende Bevölkerung ist Kroll dank Giles Terera mehr als nur ein rechtsgerichteter Bösewicht: Terera vermittelt eindringlich das Bild eines Mannes, der sich vor Veränderung und sozialer Unruhe fürchtet. Mit Wänden, die von Porträts aus zwei Jahrhunderten Rosmers gesäumt sind, unterstreicht Rae Smiths Bühnenbild, wie sehr alle Figuren von der Vergangenheit heimgesucht werden – wie so oft bei Ibsen. Auch wenn einige ihrer Handlungen und Motive aus der Perspektive des 21. Jahrhunderts etwas fremd wirken, lässt Regisseur Ian Rickson ihre Konflikte real und relevant erscheinen; eine tragische Unausweichlichkeit spiegelt sich in Stephen Warbecks eindringlicher Musik. Rosmersholm gehört zu Ibsens am seltensten gespielten Stücken – doch mit Macmillans Adaption wirkt es plötzlich so aktuell wie kaum eines. Spielzeit bis 20. Juli 2019
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