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KRITIK: Hell Yes I'm Tough Enough, Park Theatre ✭✭✭✭
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Von
julianeaves
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Julian Eaves bespricht Ben Aldertons Hell Yes I'm Tough Enough, derzeit im Park Theatre zu sehen.
Die Besetzung von Hell Yes I'm Tough Enough. Foto: Robert Workman Hell Yes I'm Tough Enough Park Theatre 4 Sterne Jetzt buchen Hin und wieder kommt eine perfekte Show daher – und das Publikum merkt sofort, dass es sich einfach zurücklehnen und das herrliche Spektakel geniessen kann, weil einfach alles passt. Genau das erreicht im Grunde der erste Akt dieses Stücks des jungen Schauspielers und Autors Ben Alderton. Okay: Es gibt zu Beginn eine Einleitung, die nicht ganz in derselben Liga spielt wie das, was danach folgt – und ich bin mir nicht sicher, was sie dort soll: Sie wirkt eher wie eine Übung aus dem Dramaclub, statt in irgendeinem Verhältnis zu der viel stärker integrierten, spannungsgeladenen, stringenten Handlung zu stehen, die darauf folgt. Danach aber erleben wir eine fesselnd straffe, ständig überraschende Entfaltung einer packenden Geschichte über Intrigen auf höchster Ebene der britischen Politik. Mit anderen Worten: ein Stück, mit dem wir uns alle identifizieren können. Annie Tyson und Ben Alderton. Foto: Robert Workman Zugegeben: Es dauert einen Moment, bis man sich in die Zeit verortet – wie so oft bei „satirischem“ Drama scheint auch dieses Stück vergleichsweise ewig gebraucht zu haben, bis es tatsächlich auf die Bühne kommt. Entsprechend sind seine aktuellen Treffer etwas entschärft, weil es 2–3 Jahre hinter der Zeit liegt. Das ist allerdings eine Sünde, die man bereitwillig verzeiht, sobald man in die aberwitzige Vision von (ebenfalls aberwitziger?) Westminster-Machtpolitik eintaucht, die hier angeboten wird. Alderton gibt sich selbst die Zuckerrolle des Cameron-Doppelgängers „Dave Carter“: ein widerlicher, chauvinistischer Unsympath, der sich offenbar an Kanye West orientiert (soweit ich das beurteilen kann – ich muss gestehen, dass ich darin kein Experte bin). Sein geschrumpfter Sidekick ist James Bryants bemitleidenswerter „Nick Clogg“ (kapiert’s?). Die Opposition – sofern man so nennen kann – bündelt sich offenbar um Ben Hoods „Ned Contraband“. Ein Schwarm weiterer Figuren ergänzt das Ganze: Michael Edwards’ „Will“, Cassandra Hercules’ beeindruckende „Sharon Slaughter“, der bizarre, Tolkien-eske „Corbz“ von Edward Halsted sowie die eher Central-Office-mässige „Poppy“ von Venice Van Someren, Mikhail Sens „Patrick“ und Annie Tysons „Glyniss“. Alderton hält diese Figuren in rasanter Bewegung und lässt sie seinen Katalog an Slogans herausfeuern, die auf dem Papier (ich habe den Text – als Programm von Playdead Press veröffentlicht – vor der Vorstellung gelesen) nicht besonders interessant wirken, die aber in Roland Reynold’s psychotisch rastloser Inszenierung enorm kraftvoll und faszinierend werden. Michael Edwards und Ben Hood. Foto: Robert Workman Das Bühnenbild von Isabella Van Braeckel ist gelungen: ein smarter, eleganter Einblick in bedeutende Räume, in denen entscheidende Entscheidungen getroffen werden. Alex Hopkins beleuchtet das mit unaufdringlicher Schlichtheit, und Julian Starr überzieht alles mit einer dröhnenden, selbstwichtigen, fast eitel wirkenden Klanglandschaft, die an die schlimmsten Auswüchse von „Brass Eye“ oder „The Thick Of It“ erinnert. Lewis Daniel hat die neue „Musik“ beigesteuert. Wenn alles zusammenkommt, ist das ein grossartiges Gesamtpaket. Merkwürdigerweise gibt es in der zweiten Hälfte – nach einer zunächst verspielten und charmanten Szene, in der Clogg mit seinen Airfix-Flugzeugen spielt – einen spürbaren Einbruch im Tempo. Das Stück driftet in eine Abfolge grosser, ausformulierter Reden, die einfach nicht denselben Grad an Spass oder Einfallsreichtum besitzen wie der erste Akt. Das ist ein bisschen schade: Zuvor hat man sich so prächtig amüsiert. Trotzdem bleibt der nachhaltige Eindruck der ersten Hälfte bestehen – und er trägt einen am Ende wieder aus dem Theater hinaus, mit federndem Schritt und einem Lächeln im Gesicht. Und wie viel in der britischen Politik dieser Tage, möchte man fragen, schafft das noch?
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