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REZENSION: Romeo und Julia, West Yorkshire Playhouse ✭✭✭✭

Veröffentlicht am

Von

Jonathanhall

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Die Young People’s Company. Foto: Anthony Robling Romeo und Julia

West Yorkshire Playhouse

8. März 2017

4 Sterne

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Vergesst mondbeschienene Balkone und sanfte Musik – Shakespeares Geschichte von der zum Scheitern verurteilten Liebe, Romeo und Julia, ist im Kern ein Stück, das von Energie und Leidenschaft angetrieben wird: Die glühend heiße Energie der Teenagerliebe treibt ein naives junges Paar in eine Verbindung, die nur als überstürzt und leichtsinnig gelten kann; die Leidenschaft und der Hass zwischen ihren zwei verfeindeten Familien zerreißen diese Verbindung schließlich. In dieser Inszenierung am West Yorkshire Playhouse hat Regisseurin Amy Leach das erkannt und diese Energie in Gestalt eines Community-Chors aus zwanzig talentierten jungen Leuten aus der Region verkörpert – und das mit großem Erfolg. Als Kämpfende und als Chor leuchten ihre Energie und Leidenschaft durchgehend auf: von ausgelassenem Gerangel, das in Banden-Gewalt umschlägt, über Tanzen zu Donna Summer auf Capulets Fest bis hin zu einem unvergesslichen, düsteren Schlussbild, wenn sie ihre Handys in einem unheimlichen Salut für die Toten in die Höhe halten. Es ist choreografiert, es ist diszipliniert – und es verleiht einer Liebestragödie, in die Shakespeare einige seiner wortreichsten Betrachtungen über das Gefühl gelegt hat, einen starken, treibenden Puls.

Tessa Parr (Julia) und Dan Parr (Romeo) in Romeo und Julia. Foto: Anthony Robling

Traditionell stellt sich bei diesem Stück die Frage, wie man Hauptrollen besetzt, die einerseits wirklich jung genug für die Figuren sind, andererseits aber reif genug, um die Nuancen des Textes zu tragen; hier stellen sich die beiden Leads dieser Aufgabe zu 100 %. Dan Parr als Romeo verleiht seinen Reden einen trotzigen, klassenzimmerhaften Übermut; Tessa Parr als Julia hat fast einen Hauch von Panik – zeitweise an der Grenze zur Hysterie – in der Stimme, als würde sie die Wucht ihrer Gefühle und die Lage, in die sie sie bringen, gerade erst begreifen; am Ende wirken beide wie unglückselige Opfer, fortgerissen von den Strömungen aus Rennen, Drängeln und Rufen, die um sie herum toben.

Elexi Walker (Mercutio), Tachia Newall (Tybalt), Dan Parr (Romeo) und Lawrence Walker (Benvolio). Foto: Anthony Robling

Auch im übrigen Ensemble trifft Leach einige anregende Entscheidungen: Elexi Walker als weiblicher Mercutio gibt der Figur eine provozierende, straßenschlaue Note, die ihren spöttischen Tiraden eine radikal andere Dimension verleiht – und dem Streit mit Tybalt eine neue Bedeutung. Olwen May als eifrige Gärtnerin Reverend Lawrence zeichnet das beklemmende Bild einer Person, deren gute Absichten der Gewalt und Bosheit der Kräfte um sie herum schlicht nicht gewachsen sind. Erwähnt werden muss außerdem Natalie Anderson als laute, „trophäenhaft“ auftretende Lady Montague, die trotz Cava-Schlürf-Attitüde und Flirterei mit Tybalt irgendwie zu vermitteln vermag, wie emotional ähnlich sie selbst ihrer Tochter Julia einst tatsächlich gewesen sein muss.

Ciaran Kellgren als Paris. Foto: Anthony Robling

Ein karger Beton-Bühnenraum von Hayley Grindle erinnert an mit Graffiti überzogene innerstädtische Problemviertel; schwüles Licht und Rauch lassen einen Sommer lebendig werden, der in jeder Hinsicht heiß ist, während die jungen Leute in alle Richtungen rennen, sprinten, springen und wirbeln.

In der Pause und am Ende – besonders am Ende – brach das Publikum, darunter viele junge Menschen, in spontanen Jubel und begeistertes Johlen aus: die perfekte Reaktion auf diese rundum vergnügliche Produktion.

Bis 25. März 2017

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