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REZENSION: Rags, Park Theatre London ✭✭✭✭
Veröffentlicht am
18. Januar 2020
Von
danielcolemancooke
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Danny Coleman- Cooke rezensiert das Musical Rags, das nach einer Spielzeit am Hope Mill Theatre in Manchester nun im Park Theatre London zu sehen ist.
Martha Kirby, Dave Willetts, Jude Muir und Carolyn Maitland. Foto: Pamela Raith Rags
Park Theatre
14. Januar 2020
4 Sterne
Das Musical Rags hat mehr Leben als eine Katze (das Tier, nicht das Musical): Es wurde so oft überarbeitet, dass es kaum wiederzuerkennen ist im Vergleich zu der Fassung, die 1986 nach nur vier Vorstellungen am Broadway schloss.
Diese neueste Version ist aus Manchester vom Hope Mill Theatre nach London transferiert – einem Haus, das sich schnell einen beeindruckenden Ruf für kreative und spannende Wiederentdeckungen weniger bekannter Musicals erarbeitet.
Martha Kirby (Bella), Carolyn Maitland (Rebecca) in Rags. Foto: Pamela Raith
Erzählt wird die Geschichte der russisch-jüdischen Einwanderin Rebecca, die mit ihrem kleinen Sohn nach New York kommt – mittellos und ohne eine Unterkunft. Von einer anderen jüdischen Familie aufgenommen, gelingt ihr dank ihres Talents, glamouröse Kleider für Kundschaft aus den wohlhabenderen Vierteln der Stadt zu schneidern, schnell der Aufstieg. Doch sie wird zu schwierigen Entscheidungen über ihre Identität gezwungen – und darüber, ob sie ihren Wohlstand über die Menschen stellen will, die sie aufgenommen und ihr Zuflucht gegeben haben.
Vieles daran ist nicht sonderlich originell: Geschichten vom „American Dream“ und vom Einwanderungs-Schmelztiegel gehören seit Generationen zum festen Repertoire von US-Film, -Theater und -Musik. Dennoch ist es bemerkenswert aktuell – in einem Moment, in dem Amerika seine Türen für Neuankömmlinge zunehmend schließt und in dem Sätze wie „Geh zurück dahin, wo du herkommst“ regelmäßig aus dem Oval Office zu hören sind.
Die Besetzung von Rags. Foto: Pamela Raith
Die Musik ist – genau wie die Figuren – ein echter Schmelztiegel, mit Einflüssen von osteuropäisch bis Jazz. Sie ist farbig und schwungvoll, und der Refrain „Greenhorns“ war eingängig genug, um mir noch Tage später im Kopf zu bleiben.
Das Buch kippt stellenweise ins Schmalzige und Zuckrige, doch zum Glück sind die Darstellungen stark genug, um die kleinen Risse zu überdecken.
Besonders herausragend waren West-End-Veteran Dave Willets als Familienpatriarch Avram sowie Jeremy Rose als dessen Bruder Jack: Jeder ihrer perfekt gesetzten Bonmots und Nebenbemerkungen saß auf den Punkt – und das wirkte mühelos.
Die Besetzung von Rags. Foto:: Pamela Raith
Carolyn Maitland war großartig als Protagonistin Rebecca, während die jungen Liebenden Ben (Oisin Nolan-Power) und Bella (Martha Kirby) eine hervorragende Chemie hatten und beide über wunderbare Stimmen verfügen.
Eine sehr talentierte Klezmer-Band, klug ins Ensemble eingebunden, ist ein schönes Detail; und Gregor Donnellys pfiffiges Bühnenbild, das Koffer als Kulissen und Möbel nutzt, erinnert fortwährend an das unstete, vorübergehende Leben, das viele frühe Einwanderer erwartete.
Rags ist ein Dauerprojekt im Werden und in seiner aktuellen Form nicht perfekt. Dennoch ist es eine hervorragend gespielte und bestens getimte Produktion eines Musicals, das deutlich bekannter sein sollte. Läuft im Park Theatre bis zum 8. Februar 2020.
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