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REZENSION: Der nackte Wahnsinn, Garrick Theatre London ✭✭✭✭✭
Veröffentlicht am
Von
douglasmayo
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Douglas Mayo rezensiert die Produktion von Noises Off am Lyric Hammersmith, die ins Garrick Theatre in London transferiert ist.
Noises Off
Garrick Theatre
4. Oktober 2019
4 Sterne
Aus dem einen oder anderen Grund scheine ich Noises Off jedes Mal zu verpassen, wenn das Stück wieder auf die Bühne zurückkehrt. Ich habe aufgehört zu zählen, wie viele Produktionen direkt an mir vorbeigezogen sind. Zum Glück wird es oft wiederaufgenommen – und von Fans deutlich öfter erneut besucht, als sie wahrscheinlich zugeben würden.
Heute Abend habe ich verstanden, warum: Noises Off ist Comedy-Gold – eine Farce mit sämtlichen Zutaten, von Frayn so wunderbar präzise gebaut, und mit einem erstklassigen Ensemble, dessen Timing und körperliche Komik das Gesundheitsministerium dazu bringen könnten, rund ums Haus grosse Warnschilder aufzustellen: „NICHT VERGESSEN ZU ATMEN“. Ich sah Besucherinnen und Besucher hochrot im Gesicht, kurz vorm Hyperventilieren vor Lachen; ich selbst lachte so sehr, dass mir die Rippen weh taten, und verliess das Theater mit geradezu seismischen Schluckauf-Anfällen – eben weil ich zwischendurch das Atmen vergessen hatte.
Lisa McGrillis, Lloyd Owen, Sarah Hadland und Meera Syal. Foto: Helen Maybanks Lange vor The Play That Goes Wrong und dem modernen One Man, Two Guvnors (Richard Beans unglaubliche Bearbeitung – nicht das originale Goldoni-Stück) erzählt Noises Off von einer katastrophalen Inszenierung einer Farce namens Nothing On: zunächst aus Sicht des Publikums – und später hinter der Bühne, während exakt dieselbe Szene noch einmal abläuft.
Meera Syal, Anjli Mohindra, Lloyd Owen und Sarah Hadland. Foto: Helen Maybanks
Jeremy Herrins Inszenierung ist perfekt getaktet, mit makelloser Bewegungsregie von Joyce Henderson und Kampfchoreografie von Rachel Cooper-Brown. Herrin hat ein hervorragendes Ensemble versammelt, das inmitten einer Kakophonie zuschlagender Türen sowie Tellern und noch mehr Tellern voller Sardinen spektakulär implodiert.
Sarah Hadland, Richard Henders, Lisa McGrillis, Anjii Mohindra, Lloyd Owen, Adrian Richards, Daniel Rigby, Simon Rouse und Meera Syal dürften nach diesem Energielevel auf der Bühne im Garrick Theatre körperlich völlig erschöpft sein. Es ist eine Freude zuzusehen – ein Vergnügen, das ich mir wieder gönnen werde, und ein Erlebnis, das ich gar nicht genug empfehlen kann. Nur: Vergessen Sie das Atmen nicht!
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