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REZENSION: Voll ausgelastet, Menier Chocolate Factory ✭✭✭
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Von
stephencollins
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Kevin Bishop in Fully Committed. Foto: Catherine Ashmore Fully Committed Menier Chocolate Factory 5. September 2014 3 Sterne
Wir befinden uns im Keller eines gediegenen Restaurants in New York. Die Telefone stehen so gut wie nie still. Einen Tisch zu bekommen ist extrem schwierig – selbst für die Prominenz. Es gibt auch eine Sprechanlage, die die Telefonzentrale direkt mit Küche und Maître d’ verbindet. Der Chefkoch, ein reizbarer, heiser brummender, fluchender Tyrann, hat dort ein rotes „Batphone“, durch das er donnernd Befehle erteilen kann.
Ein arbeitsloser Schauspieler, verzweifelt auf der Suche nach seinem ersten echten Durchbruch, Stammgast bei Vorsprechen und Rückrufen, arbeitet an der Telefonzentrale. Er ist liebenswürdig, charmant, witzig – und aussergewöhnlich gestresst: von seinem verschwundenen Chef, seinem tyrannischen Küchenchef, den Eigenheiten von Küche und Service sowie der unablässigen Flut derer, die Reservierungen wollen oder mit dem Chef sprechen möchten. Seine Mutter ist kürzlich gestorben, und er ist sich nicht sicher, ob er es sich leisten kann, zu Weihnachten nach Hause zu fahren, um bei seinem Vater zu sein – zumal er ausgerechnet über die Feiertage zum Dienst eingeteilt ist.
Dieses chaotische und oft urkomische Setting bildet die Grundlage für Becky Modes Fully Committed, das nun in der Menier Chocolate Factory zu sehen ist – zehn Jahre nachdem die britische Erstproduktion des Stücks dort lief. Regie führt Mark Setlock, der in jener Originalproduktion den Schauspieler Sam gespielt hat.
Der Kniff des Stücks – eigentlich sein einzig wirkliches Alleinstellungsmerkmal – ist, dass sämtliche Figuren, denen man begegnet, von einer einzigen Person gespielt werden. In dieser Wiederaufnahme ist dieser Soloperformer Kevin Bishop.
Bishop ist ungemein charmant, hat ein ausgezeichnetes komödiantisches Gespür und die Fähigkeit, im Bruchteil einer Sekunde umzuschalten. Ausserdem verfügt er über eine starke Singstimme und kann brillant imitieren: Sein Michael Caine ist verblüffend gut.
Zugleich lotet er die Müdigkeit der Figur aus, das Gefühl von Frust und Rivalität gegenüber seinem besten Freund (ebenfalls Schauspieler) sowie die berührenden Verpflichtungen, die ihm der Tod seiner Mutter auferlegt hat. Mühelos bewegt er sich von breit angelegter, alberner Komik (meist inklusive dämlicher Grimassen und noch dämlicherer Stimmen) zu zarten Momenten des Pathos oder pointierten Ausdrücken von Verdruss oder Enttäuschung.
Der Text ist gut zwanzig Minuten zu lang, aber es lässt sich nicht leugnen, dass Bishop den Abend wert ist. Seine Klasse ist so offensichtlich und so vielseitig, dass es überrascht, dass West-End-Produzenten nicht öfter auf ihn zurückgreifen, wenn sie einen Darsteller brauchen, der auch singen kann.
Wer gerne lacht: Die Menier Chocolate Factory wartet auf Sie!
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