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REZENSION: Islander, Summerhall, Edinburgh Fringe ✭✭✭✭✭
Veröffentlicht am
Von
markludmon
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Mark Ludmon rezensiert Finn Andersons neues Musical Islander, präsentiert im Rahmen von Paines Ploughs Roundabout-Spielzeit beim Edinburgh Fringe
Islander Summerhall, Edinburgh Fringe
Fünf Sterne
Mit Klang, Musik und Worten entführt Islander auf eine windgepeitschte Insel vor der Küste Schottlands – irgendwo zwischen Mythos und Alltag. Dieses zauberhafte Erzähltheater stellt Eilidh ins Zentrum, ein Mädchen auf der abgelegenen, fiktiven Insel Kinnen, deren Gemeinschaft vom Aussterben bedroht ist, weil immer mehr Menschen aufs Festland – „das große Land“ – ziehen. Wie die Insel mit ihrer unzuverlässigen Fährverbindung fühlt auch sie sich abgeschnitten, vor allem von ihrer Mutter, die aus beruflichen Gründen wegziehen musste. Während sich die Bewohner*innen auf ein Referendum vorbereiten, das entscheiden soll, ob Kinnen den Vögeln überlassen wird, entdeckt Eilidh am Strand ein sterbendes Walbaby – und stößt dadurch auf eine andere Seite des Insellebens, die alles verändert.
Von Eilidhs Großmutter bis zu den Nachbar*innen und Freund*innen: Die Menschen von Kinnen – überwiegend Frauen – werden von nur zwei Darstellerinnen, Bethany Tennick und Kirsty Findlay, farbenreich zum Leben erweckt. Mit beeindruckendem Live-Looping und dem Schichten ihrer Stimmen bauen sie eine weite Klanglandschaft auf, die das Fundament für die schöne, atmosphärische Musik und die Songtexte des jungen schottischen Komponisten und Singer-Songwriters Finn Anderson bildet. Von einer verlassenen Schule über einen trostlosen Strand bis hin zu einer sturmgepeitschten Bootsfahrt wird Stewart Meltons Geschichte auf nahezu leerer Bühne lebendig erzählt, veredelt durch Simon Wilkinsons Lichtdesign.
Islander ist vom Zauber schottischer Folklore durchdrungen und zugleich fest in der Gegenwart verankert: Es streift die Folgen des Klimawandels und die Bedrohungen für Inselgemeinschaften. Inspiriert von der windumtosten westlichen Isle of Mull, besitzt der Text eine lyrische, poetische Schönheit und greift schottische Sprachfärbungen auf (ohne dabei für Nicht-Schott*innen an Klarheit zu verlieren). Ein makelloses Kleinod von nur einer Stunde – ein modernes Volksmärchen, in das man sich kaum nicht verlieben kann.
Zu sehen im Roundabout von Paines Plough, Summerhall, Edinburgh, bis 25. August 2019
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