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KRITIK: Der Zauberer von Oz, Curve Leicester ✭✭✭✭✭
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Von
garystringer
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Gary Stringer bespricht The Wizard Of Oz, derzeit auf der Bühne – Curves diesjähriges Weihnachtsstück für die ganze Familie in Leicester.
Ben Thompson, Jonny Fines, Georgina Onuorah, Paul French und Giovani Spano. Foto: Marc Brenner The Wizard of Oz
Curve Leicester
5 Sterne
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Wie ein Wirbelsturm aus Fantasie und Staunen reißt uns das Team am Curve Leicester mit auf den gelben Ziegelweg – in dieser atemberaubenden Inszenierung von The Wizard of Oz. Voller Herz, Einfallsreichtum, Nervenkitzel und wohliger Schauer ist das ein zauberhaftes Weihnachtsspektakel. Regisseur Nikolai Foster findet einen frischen Zugang zu L. Frank Baums Popkultur-Giganten, entdeckt überraschend neue Kniffe in dieser oft erzählten Geschichte – und mit liebevollen Verbeugungen vor früheren Reisen in die wunderbare Welt von Oz: Haltet Ausschau nach Judy und Elton!
Bühnenbildner Colin Richmond und Projektdesigner Douglas O’Connell ehren die filmische Tradition des Stoffes mit wahrhaft immersivem Theaterzauber: von der kargen Staubschüssel Kansas bis hin zum cyberpunkigen Technicolor-Rausch der Smaragdstadt – samt zahlreicher erfinderischer Abzweigungen entlang des gelben Ziegelwegs, einer Straße, die clever als Folge witziger Pfeile hervorgehoben wird. Ausstattung und Kostüme von Rachel Canning schöpfen aus einem bunten Sammelsurium an Einflüssen: Punk, Anime, Camden Market, die Pet Shop Boys und Actionfiguren der 80er landen gemeinsam im Topf und ergeben einen schillernden Strudel. Tripartig und überwältigend – dieses Oz ist wirklich nicht von dieser Welt.
Charlotte Jaconelli als die Böse Hexe des Westens. Foto: Marc Brenner
Nicht nur optisch umwerfend, wie zu erwarten, ist dies auch ein musikalisches Fest. Musical Supervisor und Director George Dyer liefert eine mitreißende Klangwelt, die die geliebten Originalsongs von Harold Arlen und E.Y. Harburg mit neuen Nummern von Andrew Lloyd Webber und Tim Rice verbindet. Eine geballte Wucht aus Sound und Bild, die uns auf dieser Reise zum wunderbaren Zauberer vorwärtstreibt.
Als Dorothy bringt Georgina Onuorah Biss und eine schnörkellose Entschlossenheit in die Rolle – und setzt früh die Messlatte hoch mit einer großartigen Interpretation des Soundtrack-Meilensteins „Over the Rainbow“, einer Hymne an Standhaftigkeit, während Dorothy ihren Platz in der Welt sucht. Dorothys Gefährten werden lebendig gezeichnet: Paul French als standhafter Blechmann, Giovanni Spano als ungestümer – und gar nicht so feiger – Löwe, sowie Jonny Fines mit einer hinreißend akrobatischen Leistung als Vogelscheuche.
Das Ensemble von The Wizard Of Oz am Curve. Foto: Marc Brenner
In dieser Press-Night-Vorstellung wurde die Böse Hexe des Westens von Ellie Mitchell mit köstlichem Schalk gespielt – sie saust auf ihrem Motorrad über die Bühne, eine faschistoide Industrielle mit Weltherrschaftsambitionen und dem dringenden Wunsch nach dem perfekten Accessoire: den berüchtigten rubinroten Schuhen! Mit einem Augenzwinkern in Richtung Penelope Pitstop erweist sich Christina Bianco als herrlichste aller „Frenemies“ und als zuckersüßes Gegenstück: die gute Hexe Glinda – ebenfalls mit Motorrad statt Besen. Als titelgebender Zauberer dürfte Mark Peachy erwartungsgemäß aus dem Schatten heraus agieren, wechselt jedoch mühelos vom unheilvollen Autokraten zum jovialen Showman. Doch machen wir uns nichts vor: Es ist der unglaublich ausdrucksstarke Toto, der trotz harter Konkurrenz die Show stiehlt – Ben Thompsons brillante Puppenspielkunst lässt Dorothys besten Freund lebendig werden.
Neben einem kaleidoskopischen Rausch aus Bild und Klang erinnert diese Produktion daran, dass The Wizard of Oz im Kern eine Geschichte darüber ist, den Mut zu haben, die eigene Einzigartigkeit anzunehmen – sich selbst treu zu bleiben und anderen denselben Raum zu geben. Im hektischen Tempo unseres Lebens im 21. Jahrhundert ist es eine Erinnerung daran, dass das Wichtigste oft direkt vor unserer Nase liegt: Mitgefühl, Akzeptanz und ein Sinn für Staunen. Perfekte Gedanken für die Festtage – diese Reise nach Oz lohnt sich unbedingt, und ihr seid dabei in allerbester Gesellschaft.
Bis 8. Januar 2022.
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