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REZENSION: Die Naked Magicians, Tragalgar Studios ✭✭✭✭

Veröffentlicht am

Von

Richard Earl

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Die nackten Magier Trafalgar Studios 1. September 2016

4 Sterne

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Australien hat im Laufe der Jahre grosse Erfolge mit schrägen, komödiantischen Doppelacts gefeiert – ob mit dem absurden Körperhumor der Umbilical Brothers oder dem unverhohlenen „in-yer-face“-Spektakel von Puppetry of the Penis, um nur ein paar zu nennen.  Letzteres entwickelte ganz nebenbei eine beachtliche Fangemeinde.  Einer der jüngsten „Exporte“ trägt etwas von diesem Geist in sich und richtet sich ganz klar an ein erwachsenes Publikum – mit dem Versprechen von Nacktheit und Zauberei.  Die Produktion heisst programmatisch The Naked Magicians – und, ehrlich gesagt, sie hält ziemlich genau, was sie verspricht. Allerdings mit deutlich mehr Geschmack und Klasse, als ich für möglich gehalten hätte.

The Naked Magicians (Mike Tyler und Christopher Wayne) haben gerade einen erfolgreichen Run beim Edinburgh Festival Fringe 2016 hinter sich – aber lassen Sie sich nicht täuschen: Das ist keine zusammengewürfelte, klapprige Impro-Nummer, bei der nackte Männer das einzige Lockmittel sind.  Die Show ist viel cleverer gebaut, und während alle, die ihren Anteil an australischer Haut suchen, keinesfalls enttäuscht werden, spielt dieses charismatische Duo mit echtem Einsatz, herrlich komischen Clowning-Momenten und einem grossartigen Draht zueinander – und zum Publikum.  Trotzdem möchte ich diesen rundum spassigen Abend nicht totanalysieren!  Die Show ist unglaublich geschniegelt und hält sich ihr finales „coup de grâce“ bis zum Schluss offen; die Nacktheit wird dabei eher als komödiantisches Kitzeln eingesetzt und erinnert stellenweise mehr an Boylesque als an platte, gratuite Nacktheit.  Die Produktion feierte 2014 Premiere und tourte seitdem durch über neunzig Städte weltweit – müde wirkt das hier dennoch kein bisschen.  Was sehr schnell deutlich wird: Wie viel Spass Tyler und Wayne auf der Bühne haben. Und diese Spielfreude und Frechheit ist ansteckend.

Schon beim Betreten des Theaters herrscht echte Party-Stimmung, und das Gefühl des Geheimnisvollen wird dadurch gesteigert, dass jedes Publikumsmitglied vor Beginn einen versiegelten roten Umschlag erhält – mit der Anweisung, ihn erst auf Aufforderung der Künstler zu öffnen.  Im Saal wummert die Musik, und die „Party“-Atmosphäre stellt sich rasch ein, während alle ihre Plätze einnehmen.  Es wird nicht im Geringsten verschleiert, was für eine Art Show uns erwartet: Das minimalistische Bühnenbild setzt sofort klare Akzente – besonders eine geheimnisvolle, schwebende, verschlossene Box und auf der anderen Bühnenseite eine aufblasbare Sex-Puppe.  Der Produktion ist zugutezuhalten, dass sie keinerlei so tut, als sei das etwas anderes als ein Abend für Erwachsene – und sie entschuldigt sich dafür auch nicht: Wer sich von derben Ausdrücken oder erwachsenen Themen leicht beleidigt fühlt, wird aufgefordert, „f*ck off!“

Eines der wenigen „Probleme“, die ich mit dieser Show hatte, war allerdings, dass sie mit einem kleinen Fehlstart beginnt.  Nachdem die Stimmung im Saal bereits lebhaft aufgebaut und fest verankert ist, gibt es noch einen „Warm-up-Act“, bevor wir dem Duo überhaupt begegnen.  Es ist vermutlich etwas unfair, die zuerst auftretende Comedienne (Maureen Younger) als „Warm-up“ zu bezeichnen; sie ist frech, unterhaltsam und hat ihre Zeit auf der Bühne absolut im Griff – treffender wäre vielleicht „Double Bill“.  Aber mit Blick darauf, dass alles auf den „Hauptact“ hinführen soll, nimmt es der Atmosphäre etwas die Luft aus den Segeln.  Das liegt nicht an Younger: Ihr Material ist zwar nicht gerade „brandneu“ oder „cutting edge“, bringt das Publikum aber zuverlässig zum Lachen.  Dennoch stimmt strukturell etwas nicht, denn nach ihrem kurzen Set folgt bereits eine frühe Pause, und die Energie im Raum verflüchtigt sich spürbar.  Sie ist eindeutig sehr gut – und ich würde sie auch so anschauen, ja gern wieder – doch an dieser Stelle wirkte es irgendwie fehl am Platz.

Nach der kurzen Unterbrechung wird die Musik wieder aufgedreht, und Tyler und Wayne stürmen mit überschäumender Energie auf die Bühne – ihr professionelles Showmanship ist unübersehbar – und das Publikum ist sofort wieder in Feierlaune.  Eine Produktion wie diese zu besprechen, ist gelinde gesagt etwas ungewöhnlich: allein in einem abgedunkelten Zuschauerraum zu sitzen und zu versuchen, das Geschehen vor einem kritisch einzuordnen.  Und ja, es gab Momente, in denen es sich ein bisschen so anfühlte, als wäre ich versehentlich in einen Junggesellinnenabschied geraten.  Doch der Humor ist sehr inklusiv – unabhängig von Geschlecht oder sexueller Orientierung – und ganz offensichtlich hatten alle eine richtig gute Zeit.  Publikumsbeteiligung spielt durchgehend eine grosse Rolle, wird aber so umgesetzt, dass es weder peinlich für die Gäste noch für die Mitwirkenden wird.  Dank der Improvisationsgabe und Schlagfertigkeit der Performer – und nicht zuletzt einiger besonders „mutiger“ Freiwilliger – entstehen dabei ein paar wirklich erinnerungswürdige Momente.

Und ich muss sagen: Die Magie ist auch nicht von schlechten Eltern!  Es gibt echte Augenblicke des Staunens, wenn Vorhersagen eintreffen, Handys verschwinden und wieder auftauchen, BHs entfernt werden und Kleidung sich in Luft auflöst – bis hin zu einer gigantischen Ejakulation aus geschreddertem Seidenpapier (Sie werden schon sehen, was ich meine).  Die Witze sind bisweilen offensichtlich, werden aber so charmant und zugleich frech serviert, dass man einfach lachen muss.  Und wenn die unvermeidliche Reise Richtung Nacktheit näher rückt, ist klar: Alle hatten ihren Spass.

Wird man anderswo bessere Zauberei sehen?  Sehr wahrscheinlich.  Wird man an anderen Orten mehr Nacktheit zu sehen bekommen?  Vermutlich.  Wird man beides zusammen in einem anderen Haus finden?  Da habe ich meine Zweifel.  Und werden zwei Performer dort dieselbe Chemie auf der Bühne mitbringen – diesen augenzwinkernden, machohaften, selbstironischen Spass?  Keine Chance.  Also: Babysitter organisieren.  Kinder zu Hause lassen.  Und ab in die Trafalgar Studios – und geniessen.

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