NACHRICHTEN
REZENSION: Ein Sommernachtstraum, Mercury Theatre Colchester ✭✭✭✭✭
Veröffentlicht am
9. Mai 2024
Von
pauldavies
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Paul T Davies rezensiert Midsummer im Mercury Theatre Colchester.
Ross Carswell, Karen Young und Company. Foto: Pamela Raith Midsummer
Mercury Theatre, Colchester.
8. Mai 2024
5 Sterne
Edinburgh. Eine Stadt mit schöner Architektur, Regen, Fringe-Extravaganz und verlorenen Wochenenden. Jetzt kommt ein Stück Edinburgh nach Colchester – in David Greigs hervorragendem Midsummer – und es ist ein Triumph. Bob und Helena sind zwei Fremde, beide mit einem Geheimnis, unterwegs in der Stadt am Freitagabend zur Mittsommernacht. Zunächst wirken sie nicht gerade sympathisch: er ein Kleinkrimineller, der in Autodiebstähle verwickelt ist, sie auf der Flucht vor einem Geheimnis und trinkt zu viel. Doch wir haben durch zwei Erzähler einen Vorteil: Sie führen uns nicht nur von Ort zu Ort durch die Stadt, sondern verraten uns auch, was die Figuren wirklich denken. Und die Musik von Gordon McIntyre fängt jede Stimmung und jede emotionale Kehrtwende ein. Ich kann einem doppeldeutigen Wortspiel nicht widerstehen – also sage ich: Ich habe Bobs „Cock“ geliebt, und den Kontext überlasse ich euch; bucht Tickets und findet es heraus!
Ensemble von Midsummer. Foto: Pamela Raith
Das Ensemble ist außergewöhnlich und perfekt aufeinander abgestimmt – es fühlt sich an, als stünden sie mitten in einem West-End-Lauf, nicht bei einer Pressevorstellung; sie sind in völliger Harmonie. Als Bob trifft Ross Carswell den unglücklichen Kerl punktgenau, der in einem System festhängt, aus dem er herauswill – mit genau der richtigen Portion Schattierung, Dunkelheit und Sympathie. Karen Young ist eine großartige Helena: zu spät zur Hochzeit ihrer Schwester, verzweifelt im Brautjungfernkleid, aber bereit, Bobs Angebot anzunehmen, eine Tasche voller Geld zu verprassen und die Chance zu ergreifen, Erinnerungen zu sammeln. Komplettiert wird dieses herausragende Quartett von Will Arundell als Erzähler 1 und Laura Anderson Guimaraes als Erzählerin 2 – beide wechseln mühelos zwischen mehreren Rollen, greifen nahtlos zu verschiedenen Instrumenten (das Ensemble ist enorm talentiert). Musikalisch reicht die Bandbreite von Comedy-Nummern (Bobs „Cock“!) bis zu berührenden Momenten mit einem wunderbaren Eddi-Reader-Feeling („Love Will Break Your Heart“). Doch letztlich ist das Stück das Entscheidende: Das Buch entfaltet nach und nach eine große Vorgeschichte und viel Schmerz – und man verliebt sich in Bob und Helena.
Ross Carswell und Company. Foto: Pamela Raith
Die fünfte Figur ist Libby Todds verblüffendes Bühnenbild, das diese schöne Stadt perfekt einfängt – mit Schubladen voller verborgener Überraschungen und Enthüllungen, die sich im Verlauf immer wieder öffnen; in idealer Symbiose mit Rory Beatons Lichtdesign. Auch Mark Melvilles Sounddesign ist tadellos. Regisseur Ryan MacBryde lässt der Erfindungsgabe freien Lauf; die Inszenierung ist perfekt getaktet und ungeniert romantisch. Nicht wir alle hatten ein Wochenende wie Bob und Helena – vielleicht nicht einmal mit japanischem Seilbondage –, aber Veränderung ist möglich. Eine wunderschöne Produktion, die man nicht verpassen darf.
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