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REZENSION: Der Gute Späher, Space im Surgeons Hall, Edinburgh Fringe ✭✭✭
Veröffentlicht am
Von
pauldavies
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Paul T Davies bespricht The Good Scout, präsentiert von Boys Of The Empire Productions im Space at Surgeons Hall im Rahmen des Edinburgh Fringe.
The Good Scout. Space at Surgeons Hall, Edinburgh Festival Fringe
10. August 2019
3 Sterne
Es ist ein faszinierender und vergleichsweise wenig bekannter Abschnitt der Geschichte, dass die Boy Scout Association in den 1930er-Jahren an Austauschbesuchen mit der Hitlerjugend teilnahm. Diese wurden als „Frieden-und-Freundschaft“-Touren bezeichnet – die Ironie dabei: Hitler hatte die Pfadfinderbewegung in Deutschland verboten. Während ein Pfadfinder einen Eid ablegt, Gott und dem Land zu dienen, schwor die Hitlerjugend, für sein Land und den Führer zu sterben. Glenn Chandlers neues Stück, angesiedelt 1938, beleuchtet einen solchen Besuch, fügt homosexuelles Begehren hinzu – und ergibt ein Stück mit gemischten Resultaten.
Es muss eine ganze Menge Hintergrund erklärt werden, und das wirkte stellenweise etwas erzwungen. Historische Informationen werden in einer Reihe von Music-Hall-Sketchen präsentiert, die mit dem Naturalismus des übrigen Stücks kollidierten. Der Besuch und die daraus entstehenden Spannungen zwischen den Jungen reichen eigentlich aus, um die Epoche und den heraufziehenden Krieg zu spiegeln. Gerhard ist der dominante Nazi – tyrannisch und manipulativ, offen für homosexuelle Liebe und doch bereit, Schwule in ein Konzentrationslager zu schicken – und Clemente Lohr liefert hier eine starke Leistung. Er weckt Gefühle in Jacob (Charlie Mackay), und allmählich entsteht der Eindruck, als wären in den Jugendbewegungen irgendwie alle schwul. Sogar der geheimnisvolle Regierungsbeamte John Dory scheint Will (Clement Charles) Avancen zu machen.
Es ist eine interessante Geschichte, doch ich hatte das Gefühl, das Stück verheddert sich durch die Handlung und wird überkompliziert, und einiges Spiel wirkte etwas angestrengt. Eine kürzere Laufzeit, mit Fokus auf die zentrale Gruppe und einer stärkeren Herausarbeitung der gezeigten Homophobie, hätte ein kraftvolleres Stück ergeben. So, wie es ist, bleibt es ein solides Doku-Drama zu einem spannenden Thema – und definitiv sehenswert.
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