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REZENSION: Pericles, Mercury Theatre, Colchester ✭✭✭✭
Veröffentlicht am
Von
pauldavies
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Paul T. Davies bespricht Flute Theatres Inszenierung von Pericles im Mercury Theatre, Colchester.
Pericles
Mercury Theatre, Colchester.
10. März 2023
4 Sterne
Vielleicht nicht das meistgeliebte Stück aus Shakespeares Werk: Pericles ist ein kniffliges, verschlungenes Drama voller unwahrscheinlicher Zufälle, Überlebenskampf, Versöhnung und Schiffbrüche. (Die grösste Erkenntnis: Shakespeare liebte Schiffbrüche!) Pericles, Prinz von Tyrus, gewinnt ein Turnier und das Herz einer Prinzessin, muss jedoch bald um sein Leben fliehen. Die Handlung verdichtet sich, und die Fäden der Geschichte geraten durcheinander und verknoten sich. Flute Theatre haben jedoch eine wunderschöne, zarte Produktion geschaffen: mit multikultureller Besetzung, und Kelly Hunters pointierte Bearbeitung und Regie rücken die Themen Menschen auf der Flucht, der Verlust von Angehörigen auf See sowie das bewegende Wiederfinden von Liebe und Zusammenkunft ins Zentrum.
So geht Erzählen von seiner besten Seite. Auf einer nahezu leeren Bühne entstehen Orte und Schiffbrüche aus Material und Musik – und erzeugen pure Magie. Das Ensemble übernimmt mühelos mehrere Rollen, so sehr, dass es fast unfair wirkt, einzelne herauszugreifen. Dennoch: Joshua Welsh beeindruckt als Pericles – ernst und gequält; der Schiffbruch, mit einer Wasserflasche und seinem blossen Oberkörper erzeugt, ist ein starkes Bild. Charlie Archer hat zudem die Musik komponiert, die die Spielenden trägt, und Natasha Haward glänzt in den drei zentralen Frauenrollen. Auch die Publikumsansprache funktioniert hervorragend: Catherine Kay, Andrei Nestor, Sergio Maggiolo, Mercedes Maresca und Oliver McLellan verwandeln sich mit einfachen Kostümteilen von Figur zu Figur. Schade nur, dass das Stück einer genaueren Prüfung nicht immer standhält.
Es gibt Momente, in denen die Compagnie die Energie spürbar hochfährt, aber ich hatte nie das Gefühl, dass für die Figuren wirklich viel auf dem Spiel steht. Trotz allgegenwärtiger Bedrohungen glaubte ich nie, dass sie tatsächlich in Gefahr sind – wir ahnen, dass am Ende alles gut ausgeht. Dennoch: Das ist eine schöne, zarte Produktion, gespielt von einem einfühlsamen, sensiblen Ensemble, das dem Erzählen verpflichtet ist. Ausserdem gibt es eine Version der Produktion für autistische Menschen – schauen Sie unbedingt vorbei.
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