NACHRICHTEN
REZENSION: Wireless Operator, Pleasance Courtyard, Edinburgh Fringe ✭✭✭✭
Veröffentlicht am
13. August 2019
Von
markludmon
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Mark Ludmon rezensiert das neue Stück Wireless Operator mit Thomas Dennis im Pleasance Courtyard beim Edinburgh Fringe
Wireless Operator Pleasance Courtyard, Edinburgh Fringe
Vier Sterne
Der Schrecken und die Dramatik eines Bombereinsatzes im Zweiten Weltkrieg werden in Bob Baldwins und Max Kinnings’ neuem Stück Wireless Operator eindringlich lebendig. Das Dröhnen der Motoren, das Pfeifen des Winds, wenn das Flugzeug steigt und in die Tiefe sackt, sowie die Explosionen von Bomben und MG-Feuer ziehen uns hinein in den Horror einer Mission, die scheinbar unweigerlich in einer Tragödie enden muss. Im Mittelpunkt steht der Funker, der auf seinem Posten in einem Lancaster-Bomber hockt; die Inszenierung beschwört die gesamte Besatzung herauf, während sie zu ihrem 35. Einsatz startet – weit mehr Einsätze, als die meisten Flieger überlebten.
Doch das ist nicht nur ein packender Kriegs-Thriller. Das Stück zeigt auch, wie diese Männer aus ihrem ganz normalen Leben herausgerissen und zu Tötenden gemacht wurden – etwas, das viele ihr Leben lang verfolgte. Der Funker ist ein junger Tischler namens John aus dem Londoner East End, verlobt, und ein Baby ist unterwegs. Während die Maschine von ihrem Stützpunkt in Lincolnshire Richtung Deutschland fliegt, erinnert er sich an sein unbeschwertes Leben daheim, an seine Kindheit, seine Freunde – nun geplagt von dem Gedanken, dass er am Tod von Menschen beteiligt ist, die ihm und seiner Familie ähneln. In einer starken Solo-Performance spielt Thomas Dennis ihn mit mitreißender Wärme: ein Mann, der mit Angst und Erschöpfung ringt und zugleich versucht, seinen Kameraden Stärke und Standhaftigkeit zu vermitteln.
Das Stück basiert auf den Berichten von Baldwins Vater Joe, der im Bomber Command als Funker diente und seinen ersten Einsatz flog, als er erst 21 war. Es möchte zeigen, welche Erfahrungen hinter einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) stehen können – von der man heute weiss, dass sie viele betrifft, die beim Militär dienen. Im Zweiten Weltkrieg wurde das oft ignoriert und missverstanden: Man stempelte Männer als mit einem „mangelnden moralischen Rückgrat“ ab und zwang sie, ihre Ängste hinter Witzen und Sprüchen zu verbergen. Im Gegensatz zu Generälen und Politikern, die sicher in ihren Lagezentren sitzen, versteht die Crew in Wireless Operator den Albtraum, den jeder von ihnen durchlebt – und stützt einander, soweit es ihre Vorstellungen von Männlichkeit zulassen.
Das Stück fängt die tiefen Freundschaftsbande zwischen den Fliegern ein – voraufgezeichnete Stimmen, als wären sie über Johns Kopfhörer zu hören –, und enthüllt ihre eigenen Träume und Ängste. Teil davon ist eine immersive, explosive Klanglandschaft von Sounddesigner und Komponist Phil Maguire, ergänzt durch Licht und Projektionen von Simeon Miller sowie Bühne und Video von Kit Line. Unter Baldwins Regie liegt die Stärke der Inszenierung in ihrer unmittelbaren, emotionalen Wucht: Sie lässt erahnen, welche nervenaufreibenden Herausforderungen die Besatzungen immer wieder zu bestehen hatten, wenn Leben und Tod am seidenen Faden hingen.
Läuft bis zum 26. August 2019
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