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REZENSION: Wir hatten eine ganz wundervolle Zeit, Omnibus Theatre London ✭✭✭✭
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Von
markludmon
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Mark Ludmon rezensiert Pedro Leandros kurzes Stück We Were Having a Perfectly Nice Time von Conflicted Theatre am Omnibus Theatre in Clapham, London
We Were Having a Perfectly Nice Time
Omnibus Theatre, London
Vier Sterne
Pedro Leandros kurzes Stück We Were Having a Perfectly Nice Time, das noch vor dem Lockdown erdacht wurde, dreht sich ganz um Distanz. Zwei junge Frauen sitzen mit einer Karaffe Portwein und einer Dose Guinness auf der Bühne, blicken über das Publikum hinweg ins Leere und führen ein offenes Gespräch – ohne sich dabei jemals in die Augen zu sehen. Sie sind seit Jahren Mitbewohnerinnen und Freundinnen, teilen sich Wohnung und Wocheneinkauf, und doch kennen sie sich kaum. Ihr sicheres, alltägliches Zusammenleben wird bald durch Enthüllungen erschüttert, die wohl dafür sorgen, dass nichts mehr so sein wird wie zuvor. Das bringt sie dazu, über Liebe, Freundschaft und darüber nachzudenken, wie sehr wir tatsächlich miteinander verbunden sind.
Mit gerade einmal 25 Minuten Spielzeit ist der Dialog rasant und witzig – ein Schlagabtausch, der bei einem längeren Abend schnell ermüdend werden könnte. Unter der Regie von Evan Lordan liefern Stephanie Booth und Hannah Livingstone ihre Wortwechsel mit Humor und Charme, jedoch in einem trockenen, emotional zurückgenommenen Ton, der die Absage der Inszenierung an den Naturalismus zugunsten einer reduzierten Minimalistik spiegelt. Ein störender metatheatraler Moment zu Beginn unterstreicht, dass es sich um ein künstliches Konstrukt handelt, und schafft eine Distanz zwischen Spiel und Publikum – auch wenn die beiden Figuren zu stark und fein gezeichnet sind, um von der anti-naturalistischen Setzung wirklich ausgebremst zu werden.
Dies ist das erste Live-Theaterstück am Omnibus Theatre seit dem Lockdown im März und zeigt das Engagement des Hauses, das Publikum wieder in den Saal zu holen. Einzelpersonen und „Bubbles“ werden nacheinander aus dem Café-Barbereich (mit Bedienung am Tisch) in den Aufführungsraum geführt, wo man mit Maske (die zum kurzen Nippen am Getränk abgenommen werden darf) mindestens zwei Meter voneinander entfernt sitzt. Pro Vorstellung ist vielleicht nur Platz für rund 30 Menschen – doch bei We Were Having a Perfectly Nice Time war es ein echtes Hochgefühl, wieder in einem Theater zu sein, mit Fremden zu lachen und zu applaudieren. Trotz – oder gerade wegen – eines Stücks über Distanz vermittelte der Abend ein wunderbares Gefühl von Verbundenheit.
Zu sehen bis 24. Oktober 2020
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