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REZENSION: Wasser für Elefanten, Imperial Theatre Broadway ✭✭✭

Veröffentlicht am

4. April 2024

Von

Ray Rackham

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Ray Rackham bespricht das neue Musical „Water For Elephants“, das derzeit am Imperial Theatre am Broadway zu sehen ist.

Foto: Murphy Made

Water For Elephants

Imperial Theatre

3 Sterne

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Mit einer Partitur des siebenköpfigen Kollektivs PigPen Theatre, einem Buch von Rick Elice, der Regie von Broadways Jessica Stone und einer Fülle an Zirkuskunst der talentierten Shana Carroll ist „Water for Elephants“ ein magisches, spektakuläres neues Musical – doch nicht immer weiss es, was in die Manege gehört und was besser in der Freakshow am Rand bleiben sollte.

In dieser Saison könnte man die Leuchtschriften der West 45th Street glatt mit dem Hinterhof eines Filmstudios verwechseln: „Water for Elephants“ reiht sich in die Flut an Musical-Premieren ein, die sich über März und April erstreckt. Als zweite Buch-zu-Film-zu-Musical-Neueröffnung („The Notebook“ hat drüben auf der anderen Strassenseite erst vor ein paar Tagen eröffnet, und „The Outsiders“, ebenfalls gegenüber, steckt noch in den Previews) ist „Water for Elephants“ ein fantasievolles Spektakel – voller unschuldiger Wunderkunst und mit sicherem Gespür balancierend auf dem Hochseil zwischen Erzählung und Märchen.

Foto: Murphy Made

Die Geschichte ist unscheinbar und schlicht: Ein liebenswerter alter Herr (der herrlich nostalgische Gregg Edelman) kehrt in einen Zirkus zurück und wird an seine eigene Vergangenheit in der Zeit der Grossen Depression erinnert. Damals lief er nach einer verheerenden Familientragödie davon (wunderschön inszeniert in einer von vielen stark stilisierten Rückblenden) und schloss sich Jahrzehnte zuvor dem Zirkus an. Was folgt, ist die klassische „Junge trifft Mädchen“-Story: Jake (Grant Gustin, stimmlich in Bestform) begegnet Marlena (Isabelle McCalla, der strahlende Mittelpunkt des Ensembles). Zwei vom Schicksal getrennte Liebende verlieben sich – über Tierpflege (nun ja, wir sind schliesslich im Zirkus) – und das Mädchen ist zufällig mit dem ziemlich soziopathischen Zirkusdirektor August verheiratet (köstlich schlitzohrig: Paul Alexander Nolan). Alles deutet auf irgendeine Form von Desaster hin (ehelich, im übertragenen oder ganz wörtlichen Sinn), und mit den frühen Verweisen auf eine Stampede fügen sich die Puzzleteile nach und nach zusammen.

Auch wenn die Story vertraute Broadway-Kost ist, ist die Fülle an Kunstfertigkeit, die hier aufgefahren wird, verblüffend. Als Projektdesigner schafft David Bengali ein ständig wechselndes Panorama aus bernsteinfarbenen Wolken und stechenden, violetten Sternen, das das Stück fest in der Welt majestätischer Americana verankert. Die Kostüme von David Israel Reynoso sind herrlich stimmungsvoll, treffen Epoche und Thema präzise und wirken dabei angenehm frisch – als hätte man die späte Iris Apfel gebeten, Sepia-Fotografien von Barnum & Bailey auszumalen. Takeshi Katas suggestives Bühnenbild ist mit Fallschirmseide, Seilen und Gerüst, Corde Lisse und Trapezstangen garniert; all das wird von einem talentierten Team aus Akrobat:innen und Turner:innen eindrucksvoll eingesetzt und nahtlos mit einem Ensemble aus Broadway-Darsteller:innen verzahnt – ein wirklich beeindruckender Zirkustruppe. Das clevere Design setzt sich fort bis hin zu den betörend abstrakten Puppen (von Ray Wetmore & JR Goodman sowie Camille Lebarre) und der Puppenspielkunst (besondere Erwähnung verdient hier der Akrobat Antoine Boissereau, der mit dem angedeuteten Kopf und der Mähne eines Pferdes – zusammen mit einer atemberaubenden Luftseilnummer – ein herzzerreissendes Porträt eines Tieres am Ende seines Lebens erschafft).

Foto: Murphy Made

Nicht alles funktioniert. Für eine Produktion, die in ihren Gestaltungsmitteln so zukunftsgewandt ist, bleibt sie inhaltlich leider sehr traditionell. Lässt man das beinahe unvermeidliche „Erzähler blickt zurück“-Konzept einmal beiseite, liegt eine seltsame Ironie darin, dass das Stück strukturell fast wie eine Wiederaufnahme wirkt. „Squeaky Wheel“ – ein fehlplatzierter Comedy-Song, der an „You Gotta Get a Gimmick“ erinnert – wird von Sara Gettelfinger, Stan Brown und Joe De Paul zwar perfekt gespielt, zündet aber nicht. Ganze Ensemble-Tanznummern, angeführt entweder von Gustin oder Nolan, erinnern unheimlich an die Schaubilder in Klassikern wie „State Fair“ oder „Destry Rides Again“. Interessant ist, dass die stärksten musikalischen Momente der Show ausgerechnet jene sind, die gegen diese Struktur arbeiten und sich stärker in einen Country-Rock-trifft-Bluegrass-Sound lehnen. „Easy Now“ gibt McCalla früh im ersten Akt ihren grossen Glanzmoment; „What Do You Do“ ist ein wunderschönes Duett der beiden Leads; und wenn das gesamte Ensemble „I Choose The Ride“ zum Finale wieder aufnimmt, ist das ein echtes Vergnügen.

Leider ist der unerquicklichste Moment in einer Show, die an vielen Stellen vor Kunstfertigkeit überquillt, die Enthüllung von Rosie – dem Elefanten. Während die anderen Puppen abstrakt, unvollendet und ganz offen mit einer Spieler:in verbunden sind, hat Rosie mehr von Mr Snuffleupagus aus der Sesamstrasse und weniger von den sonst so sorgfältig und einheitlich gestalteten Puppen der Produktion. Diese unangenehme Diskrepanz wird noch dadurch verstärkt, dass man bis zu ihrer vollständigen Enthüllung nur Fragmente von ihr zu sehen bekam (hier ein merkwürdiger Rüssel, dort ein Bein – meisterhaft geführt von Caroline Kane), die viel besser zum übrigen Puppenstil passten. Das Ergebnis ist weniger „War Horse“ und mehr Baby Junes Muh-Kuh.

Mit einer Struktur, die mitunter quer zur innovativen Erzählweise steht, und nur gelegentlichen Glanzmomenten in der Partitur könnte es „Water for Elephants“ in einer Saison, die aus allen Nähten platzt vor neuen Musicals, schwer haben. Dennoch gibt es viel zu geniessen – und wohl den härtest arbeitenden, nahtlos integrierten Cast aus Triple-, Quadruple- und Quintuple-Threats am Broadway. Geht hin! Es macht Spass!

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