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KRITIK: Waitress, Adelphi Theatre London ✭✭✭✭
Veröffentlicht am
Von
douglasmayo
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Douglas Mayo bespricht das Musical Waitress mit Katharine McPhee im Adelphi Theatre, London.
Marisha Wallace, Katharine McPhee und Laura Baldwin. Foto: Johan Persson Waitress
Adelphi Theatre
7. März 2019
4 Sterne
Vier Jahre nach der Broadway-Premiere ist das Musical Waitress nun im West End angekommen. Basierend auf Adrienne Shellys gleichnamigem Film, bietet das Musical eine Musik von Singer-Songwriterin Sara Bareilles sowie ein Buch von Jessie Nelson; inszeniert wird es von Diane Paulus, die Choreografie stammt von Lorin Latarro – damit ist es das erste Musical in der Geschichte des West End, bei dem die vier wichtigsten Kreativpositionen von Frauen besetzt sind.
Bareilles hat eine Partitur vorgelegt, die zeitgenössisch und eingängig ist, Handlung und Figuren vorantreibt und einige echte Glanznummern bereithält – Songs, die in der Tradition des klassischen Broadway problemlos auch für sich allein als Hits bestehen könnten. Für ihre erste Broadway-Show ist das eine bemerkenswerte Leistung.
Jack McBrayer und Marisha Wallace in Waitress. Foto: Johan Persson
Leider lässt sich das vom Buch nicht in gleichem Masse sagen. Es stehen viele Figuren auf der Bühne, dazu kommen teils recht komplexe Beziehungsgeflechte, und Jessie Nelsons Buch wirkt nie mehr als eine oberflächliche Skizze – was wiederum die Wirkung von Bareilles’ Musik schmälert. Zum Glück ist die Partitur so stark, dass sie diese Schwächen zumindest teilweise ausgleicht.
Waitress ist mit einer phänomenalen Besetzung gesegnet, angeführt von Katharine McPhee. Abgesehen von ein paar kleinen schauspielerischen Unsicherheiten liefert McPhee kraftvolle Vocals mit nahezu perfekter Diktion. McPhee gibt im West End ihr Debüt als Jenna – eine Rolle, die sie kürzlich am Broadway gespielt hat. Es ist ein beeindruckendes Debüt, das sie mühelos bis in die letzte Reihe des Adelphi trägt – und das ist keine Kleinigkeit.
Katharine McPhee als Jenna in Waitress. Foto: Johan Persson Jenna werden von ihren Kolleginnen Becky und Dawn unterstützt, gespielt von Marisha Wallace und Laura Baldwin. Beide verfügen über hervorragendes komödiantisches Timing und die passende stimmliche Power – und ergänzen McPhee perfekt. Wallace’ Eröffnungsnummer in Akt Zwei, I Didn’t Plan It, drohte die Vorstellung zu stoppen; umso glücklicher können wir uns schätzen, dass diese West-End-Neuzugängin nach dem Ende von Dreamgirls bei uns geblieben ist. Baldwins zurückhaltende Dawn blüht erst so richtig auf an der Seite von 30 Rock-Star Jack McBrayer, der als Ogie ebenfalls sein West-End-Debüt gibt. McBrayers Spiel ist Comedy-Gold. Zusammen mit Baldwin wirken die beiden als vielleicht die einzigen wirklich voll ausgearbeiteten Figuren des Abends. In der Rolle von Dr. Pomatter, verheiratet und erst kürzlich in der Stadt angekommen, untermauert David Hunter seinen Anspruch als grosser Leading Man des West End. Sein Timing ist perfekt, und seine Szenen mit McPhee sind ein Riesenspass. Peter Hannah holt als Earl, dem Bösewicht des Stücks, das Maximum heraus – doch das Buch gibt der Figur einfach nicht genügend Substanz oder Bedrohlichkeit, um uns wirklich um Jenna bangen zu lassen.
Katharine McPhee und David Hunter. Foto: Johan Persson
Die grossartige Waitress-Band unter der Leitung von Katharine Woolley ist durchgehend auf der Bühne. Paulus sorgt dafür, dass stets eine Musikerin oder ein Musiker präsent ist, um musikalische Untermalung oder Begleitung zu liefern – das mildert das altbekannte Problem, dass Menschen scheinbar ohne Grund in Gesang ausbrechen. Dieser Kniff erdet die Show, und zusammen mit dem Gefühl von Middle America, das Scott Pasks Bühnenbild und Ken Billingtons Lichtdesign erzeugen, bekommt der Abend eine angenehm organische Note. Choreograf Lorin Latarro hält die Bewegungssprache subtil und integriert sie auf brillant natürliche Weise in die Inszenierung. Auch beim Sound: Jonathan Deans’ Design ist makellos und lässt es beinahe so wirken, als wäre gar nichts verstärkt.
Trotz der Probleme im Buch liefert Waitress weiterhin einen grossartigen Theaterabend. Für mich war es bereits der zweite Besuch – und während sich die Darbietungen weiterentwickeln, wächst auch die Begeisterung im Zuschauerraum.
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