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KRITIK: Violet, American Airlines Theatre ✭✭✭✭✭

Veröffentlicht am

Von

stephencollins

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Foto: Joan Marcus Violet

American Airlines Theatre

10. April 2014

5 Sterne

Wenn Musicals wirklich in Bestform sind, können sie vieles leisten. Sie können ein Schlaglicht auf eine bestimmte Zeit oder eine bestimmte Person werfen, dabei helfen, eine Kultur, eine Philosophie oder eine Phase des Umbruchs zu verstehen, lebensbejahende Heiterkeit auslösen oder einen einfach nur tanzen lassen. Manchmal – und das muss man sagen: selten – kann ein Musical auch Verständnis für einige der grundlegendsten Lektionen des Lebens wecken. Next to Normal war ein jüngeres Beispiel für ein solches Musical.

Und genauso ist es Violet, derzeit am American Airlines Theatre in der 42nd Street zu sehen: ein kraftvolles, bemerkenswertes Werk mit Buch und Liedtexten von Brian Crawley sowie einer mitreissenden, atmosphärischen und aufregenden Musik von Jeanine Tesori.

Die Geschichte ist im Grunde einfach. Als kleines Mädchen wurde Violet mit dem Kopf einer Axt ins Gesicht getroffen und lebt seitdem mit einer grossen Narbe. Nun ja, eigentlich mit zwei Narben: der sichtbaren Erinnerung an den Schlag – und der seelischen Narbe, dem tief sitzenden, festgehaltenen Glauben, dass sie nicht schön sei, nicht geliebt werden könne, immer unerwünscht bleiben werde. Willensstark, entschlossen und in sich ruhend, findet Violet grossen Trost im Glauben. Als das Musical beginnt, steht sie kurz davor, eine Busreise quer durchs Land zu unternehmen, um eine Fernseh-Heilerin zu besuchen, die sie von ihrer körperlichen Narbe befreien soll. Die Reise entwickelt sich in jeder Hinsicht anders als erwartet. Am Ende ist Violet – zumindest in ihrem eigenen Kopf – verwandelt.

Jede vernünftige Person, die diese grossartige Inszenierung sieht, die Leigh Silverman klug und entschlossen inszeniert hat, sollte bewegt, erhellt und herausgefordert aus dem Abend gehen. Sie ist zugleich provokant und herzerwärmend. Eine echte Freude.

Das Buch ist knapp, pointiert, witzig und randvoll mit Verständnis für die Zerbrechlichkeit und die Zumutungen der menschlichen Psyche – für den Schrecken der Beurteilung durch andere und für die vielen Arten, wie wir einander im Alltag grausam sein können, absichtlich oder auch ohne es zu wollen. Die Musik antwortet darauf mit einer Reihe wunderbarer, hoch leidenschaftlicher Melodien und Hymnen, die Violets Reise in einen Schaum aus gloriosen Klängen und vokaler Einsicht hüllen und zugleich nachzeichnen.

Treffsicheres Casting hilft dem Stück, sich in die Höhe zu schwingen.

Sutton Foster war selten so gut wie hier – und sie war auch in anderen, leichteren Arbeiten bereits grossartig. Sie spielt Violet ohne jede Schonung: roh, bissig und verzweifelt. Sie trägt kein Make-up, die Narbe ist also ganz imaginiert, doch Fosters präzise, detailreiche und einzigartig intensive Leistung lässt einen die Narbe so sehen, wie sie sie sieht: und die ist mit Sicherheit weit schrecklicher, als sie es in körperlicher Form je sein könnte.

Schockierend schön zeigt sich das in den Momenten, in denen Violet zur Bushaltestelle zurückkehrt, überzeugt davon, geheilt zu sein. Fosters ganzer Körper, aber vor allem Gesicht und Augen, strahlen Selbstvertrauen, Sicherheit – Schönheit. Dann zerstört Colin Donnells Monty sie, indem er ihr sagt, dass sie in Wahrheit nicht geheilt sei. Violets Geist kollabiert vor unseren Augen, und die heimgesuchte, verkleinerte, zusammengesackte, trostlose Waise übernimmt wieder die Kontrolle. Das ist ein phänomenaler Moment grossartigen Spiels – wahrhaftig, vernichtend und in seiner Wirkung erschütternd.

Doch das gilt für ihre gesamte Darstellung. Ohne Angst vor den dunkelsten Ecken der Figur zeigt Foster alle Schattierungen von Violet, von Verzweiflung bis Glück. Die Frau, die ihr in dieser Saison den Tony Award wegschnappt, muss unmenschlich gut sein.

Wie bei allen grossen Leistungen erhält Foster makellose Unterstützung und Energie durch eine Reihe unverzichtbarer, ergänzender Darbietungen des übrigen Ensembles.

Als Monty – der unglaublich gut aussehende, unglaublich arrogante, unglaublich sexy, unglaublich oberflächliche und unglaublich selbstbezogene Soldat, dem Violet auf ihrer Busreise begegnet – ist Colin Donnell aussergewöhnlich gut. Er definiert Hässlichkeit neu. Eine wunderbare Leistung, voller verführerischer Nuancen und unausgesprochenem Selbsthass. Und die letzte Szene zwischen ihm und Foster ist pures Dynamit.

Alexander Gemignani ist grossartig als Violets schlichter, ländlicher Vater – ein einfacher Mann, verfolgt vom Verlust seiner Frau und davon, wie er auf die Verletzung seiner Tochter reagiert hat. Er lässt einen Violet so sehen, wie er sie sieht: als zerbrochene Spiegelung des Bildes seiner verstorbenen Frau. Es ist eine feine, aber vollkommen glaubwürdige Darstellung, gewürzt mit Zärtlichkeit und dem väterlichen Willen zu schützen und abzuschirmen. In „That's What I Could Do“ zerreisst er einem das Herz.

Annie Golden ist fabelhaft als (zunächst) die ältere Dame, die Violet im Bus begegnet und als Erste Violets weniger angenehme Seite erlebt. Ihr Porträt einer schlichten, gewöhnlichen „Richtigkeit“ ist perfekt. Später erscheint sie als Hotel-Hure in den Szenen in Memphis – zerschlissen, jenseits aller Verzweiflung, zugedröhnt und atemberaubend (in jeder Hinsicht) gut. Magisch anzusehen.

Die Leistung des Abends aber kommt von Joshua Henry. Sein Flick, der hart arbeitende schwarze Vorgesetzte und Kumpel von Monty, ist makellos. Und in seinem aussergewöhnlichen Solo „Let It Sing“ ist er ein absoluter Showstopper. Die letzten, erlösenden Momente – für Flick und Violet – funktionieren ausserordentlich gut. Er spielt vieles von der emotionalen Seite der Figur bewusst zurück, mit grosser Wirkung. Ein weniger begabter Darsteller könnte die Parallelen zwischen Flicks Wahrnehmung der Schönheit seiner Haut und Violets Wahrnehmung der ihren zu stark betonen, doch Henry trifft jedes Mal den richtigen Ton. Man kann gut nachvollziehen, wie er Montys Freund sein konnte und ihn zugleich verachtet hat. Auch er wird beim Tony Award kaum zu schlagen sein.

Eines der grossen Geschenke dieses Abends ist, dass es oft unmöglich ist, Musik und gesprochenen Text voneinander zu trennen. Die Songs sind nahtloser Teil der Erzählung, und in jedem Aspekt der Szenenarbeit steckt Musikalität. Es ist die Verwirklichung von Harmonie zwischen Text und Partitur.

Das Ensemble ist klein, aber aussergewöhnlich. Das von Mark Rafter geleitete Orchester ist dynamisch und aufregend. Mark Bartons kluge, stimmungsbildende Beleuchtung verwandelt David Zinns minimalistisches Bühnenbild wirkungsvoll – und gemeinsam evozieren sie Atmosphäre und Gefühl der mittleren Sechziger perfekt.

Ein perfektes kleines Juwel von einem Musical, aus Wahrheit und Schmerz herausgeschlagen und von Kreativen und Künstler*innen mit grandiosem Können poliert. Unvergesslich.

Tun Sie alles, um es zu sehen.

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