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KRITIK: Die Saison, New Wolsey Theatre ✭✭✭
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Von
pauldavies
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Paul T Davies bespricht The Season, ein neues Musical von Jim Barne und Kit Buchan, das derzeit im New Wolsey Theatre in Ipswich zu sehen ist.
Alex Cardall und Tori Allen Martin in The Season. Foto: Pamela Raith The Season
New Wolsey Theatre, Ipswich
6. November 2019
3 Sterne
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Nachdem East Anglia dank Richard Curtis’ riesigem Rom-Com-Hit Yesterday wieder fest auf der Landkarte der Romantik steht, kommt Weihnachten im New Wolsey Theatre früh: mit dem neuen Musical The Season von Jim Barne und Kit Buchan. Dougal reist von Ipswich nach New York, um an der Hochzeit seines Vaters teilzunehmen (eines reichen Mannes, den er noch nie getroffen hat), und wird am Flughafen von Robin abgeholt, der Schwester der Braut. Als Koproduktion des New Wolsey mit dem Royal and Derngate in Northampton wurde die Show liebevoll von Mercury Musical Developments begleitet – und es ist immer schön, ein brandneues britisches Musical zu sehen. Unweigerlich liegt das Problem dieser Produktion darin, dass sie wegen der Pantomime kaum Chancen hat, tatsächlich in der Weihnachtszeit gespielt zu werden. Ich weiss, ich bin hier der Grinch – aber die erste Vorstellung war am Bonfire Night. Auch wenn es kein totaler Kracher ist, steckt in dieser Produktion jede Menge Glitzer und Funkeln.
Tori Allen Martin und Alex Cardall. Foto: Pamela Raith Photography
Dougal ist aufgedreht, freundlich, liebt Weihnachten – und Robin ist natürlich das genaue Gegenteil. Es ist eine Rom-Com im Schritt-für-Schritt-Modus, und man kann jedes Klischee abhaken, während der Abend voranschreitet. Gerettet wird das Ganze jedoch durch zwei wunderbare Leistungen – denn die einzige Besetzung sind Dougal und Robin. Alex Cardall ist als Dougal perfekt, bekommt die witzigsten Zeilen und hat sichtbar Spass an der Rolle; er ist enorm sehenswert und bringt viel Wärme ins Geschehen. Tori Allen-Martin hat mit Robin die schwierigere Aufgabe: Sie muss eine Person zeichnen, die vom übereifrigen Geist der Saison gedämpft wirkt, und sie hütet ein Geheimnis, das bedeutet, dass sie eigentlich gar nicht zur Hochzeit eingeladen ist. Doch sie ist ein gutes Gegenstück zu Cardall, beide sind stimmlich stark, und an ihrer zaghaft aufkeimenden Beziehung gibt es viel Vergnügen.
Tori Allen Martin. Foto: Pamela Raith
Am stärksten ist das Musical in der Mitte: vom Song Under the Mistletoe über den Abschluss von Akt eins, American Express, bis zum Beginn von Akt zwei mit dem grossartigen Hangover Duet. Hier werden die Lyrics plötzlich herrlich lebendig und clever – und mein innerer Grinch war still; ich war völlig bezaubert. Trotzdem ist die Handlung dünn: Eine Szene im chinesischen Restaurant wird viel zu lang ausgewalzt, und die beiden brauchen eine Ewigkeit, um sich zu verabschieden. Zehn Minuten weniger – und auch ohne Pause – wäre es ein deutlich strafferer Abend; vieles hängt davon ab, ob man zu den Leuten gehört, die Love Actually diesen Monat schon geschaut haben. Es wirkt noch wie in der Entwicklung, und ich hätte gern einige der erwähnten Figuren tatsächlich gesehen – allen voran Dad und seine zukünftige Braut Melissa.
Alex Cardell und Tori Allen Martin. Foto: Pamela Raith
Trotzdem hat Tim Jacksons Inszenierung über weite Strecken ordentlich Schwung, und alles spielt sich auf einem einfallsreichen Bühnenbild von Amy Jane Cook ab – ein kluges Förderband aus Entdeckungen. Würde man es im Dezember spielen, würde man ihm wohl noch mehr Liebe entgegenbringen; auch das Premierenpublikum der Pressevorstellung nahm es jedenfalls herzlich auf.
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