Seit 1999

Vertraute Nachrichten & Rezensionen

26

Jahre

Das Beste des britischen Theaters

Offizielle Eintrittskarten

Wählen Sie Ihre Plätze

Seit 1999

Vertraute Nachrichten & Rezensionen

26

Jahre

Das Beste des britischen Theaters

Offizielle Eintrittskarten

Wählen Sie Ihre Plätze

  • Seit 1999

    Vertrauenswürdige Nachrichten & Rezensionen

  • 26

    Jahre

    Das Beste des britischen Theaters

  • Offizielle Eintrittskarten

  • Wählen Sie Ihre Plätze

REZENSION: Die Möwe, Satirikon Theatre, Moskau (Stage Russia) ✭✭✭✭✭

Veröffentlicht am

Von

markludmon

Share

Mark Ludmon bespricht Die Möwe in der Regie von Juri Butusow – im Vorfeld seiner Inszenierung Der gute Mensch von Sezuan am Barbican Centre

Die Möwe

Satirikon-Theater, Moskau (Stage Russia)

Fünf Sterne

Die Möwe gehört zu Tschechows am häufigsten gespielten Stücken, wird in Grossbritannien immer wieder neu inszeniert und war im vergangenen Jahr zuletzt als Filmversion mit Saoirse Ronan und Annette Bening zu sehen. Zurück in der Heimat des Autors, in Russland, hat Regisseur Juri Butusow diesen kanonischen Klassiker auseinander genommen und zu einer visuell überwältigenden, Rock-’n’-Roll-artigen Produktion neu zusammengesetzt, die – mit Untertiteln – in britischen Kinos sowie online über Stage Russia zu sehen ist. Viel vom vertrauten Text bleibt erhalten, mit naturalistischen Momenten, die uns an die dramatische Wucht des Stücks erinnern; doch sie sind selten in einer Bearbeitung, die Tschechows Drama fortwährend unterläuft und infrage stellt – mit Techniken im brechtschen Stil, die dafür sorgen, dass man nie vergisst: Das hier ist alles Kunstgriff.

Szenen, die traditionell leise und intim sind, werden dadurch verwandelt, dass die Darsteller ihre Zeilen herausbrüllen, während zentrale Episoden wieder und wieder abgespielt werden – mit unterschiedlichen Schauspielern und unterschiedlichen Regieentscheidungen, oft mit komischem Effekt. Das Bühnenbild von Alexander Schischkin besteht aus wackeligen Holzrahmen und auffälliger Bühnenbeleuchtung; auf beiden Seiten sind beleuchtete Schminktische aus der Garderobe sichtbar. Wie Butusow selbst bei einem seiner störenden Auftritte mitten in der Vorstellung deklamiert: „Das ist Theater!“

Obwohl ein grosser Teil des Textes und alle Hauptfiguren bleiben, gehen einige Handlungsdetails verloren oder werden verschleiert – was vermutlich alle irritiert, die das Stück nicht kennen. Die Kernhandlung lässt sich dennoch durch das Spektakel hindurch erkennen: Im späten 19. Jahrhundert verfolgen wir das Schicksal der mittelalten Schauspielerin Irina sowie ihrer Familie und der von ihr Abhängigen auf dem Landgut. Während sie den Frustrationen ihres Lebens begegnen, nehmen sie die junge, angehende Schauspielerin Nina auf, die sich zu Irinas Geliebtem hingezogen fühlt, dem selbstverliebten Schriftsteller Trigorin. Doch die Identitäten der Figuren und ihre Beziehungen sind mitunter schwer zu erschliessen – nicht nur, weil Text gestrichen wurde, sondern auch, weil in einem weiteren Akt des Ikonoklasmus die Alter der Darsteller und ihrer Rollen nicht zusammenpassen: So wird Irina von Polina Raykina gespielt, die deutlich jünger wirkt als Timofej Tribunzew, der ihren Sohn Konstantin verkörpert. Regelmässig kommt eine „tanzende Frau“ hinzu, die bei Tschechow kein direktes Pendant hat und für die Handlung keine Funktion erfüllt.

Der Realismus wird durchgehend herausgefordert – von der avantgardistischen Setzung bis hin zu oft übersteigerten Darstellungen, untermalt von Faustas Latenas’ pathetisch-grosser Musik. Das steht im Widerspruch zur Dunkelheit von Tschechows Original, ergänzt jedoch seine Themen rund um Spiel, Auftritt und Theatralität perfekt. Vielleicht fehlt der emotionalen Wucht einer konventionelleren Die-Möwe-Inszenierung, doch in seiner visuellen Virtuosität und herrlichen Verspieltheit ist es ein fesselndes, unvergessliches Erlebnis.

Butusows einfallsreicher Theaterzugang ist auch in seiner Inszenierung von Bertolt Brechts Der gute Mensch von Sezuan für das Moskauer Puschkin-Dramatheater zu erleben, die am 8. und 9. Februar 2019 dreimal im Londoner Barbican Centre gezeigt wird. Die Möwe online ansehen oder sie am grossen Bildschirm im Pushkin House in London am 11. Februar 2019 erleben – anschliessend mit einem Q&A mit Regisseur Juri Butusow.

TICKETS FÜR DER GUTE MENSCH VON SEZUAN IM BARBICAN CENTRE BUCHEN

Diesen Artikel teilen:

Diesen Artikel teilen:

Erhalten Sie das Beste des britischen Theaters direkt in Ihr Postfach

Seien Sie die Ersten, die sich die besten Tickets, exklusive Angebote und die neuesten Nachrichten aus dem West End sichern.

Sie können sich jederzeit abmelden. Datenschutzrichtlinie

FOLGEN SIE UNS