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REZENSION: Die Zauberflöte, Arcola Theatre ✭✭✭

Veröffentlicht am

Von

timhochstrasser

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Tim Hochstrasser bespricht Mozarts »Die Zauberflöte« im Arcola Theatre, London, im Rahmen von Grimeborn 2022.

Die Zauberflöte. Foto: Zak Kilby Die Zauberflöte Arcola Theatre

17. August 2022

3 Sterne

Grimeborn-Website Anders als viele Opern, die unter allzu viel Regie-Eingriff leiden, braucht Mozarts »Die Zauberflöte« ihn geradezu. Der originale Dialog des Wiener Singspiels ist heute kaum spielbar, und mit fortschreitender Handlung wird zunehmend unklar, wer in der Geschichte die »Guten« und »Bösen« sind. Das ist eine goldene Gelegenheit für eine Regie, Plot und Figuren komplett zu überarbeiten – und genau das bekommen wir hier erfreulicherweise von Opera Alegría.

Hier stolpert Tamino, ein Prinz aus der Finanzdienstleistungsbranche, in ein Theater, wo es ihm gelingt, ein Ghost Light auszuknipsen – und damit die Figuren der Theatervergangenheit ans Licht zu holen: zunächst die drei Damen, hier als Reinigungskräfte und Assistentinnen der verblassten Diva, die wir als Königin der Nacht kennen. Er ist sehr angetan von Pamina, einem angehenden Starlet, die in die Truppe von Sarastro geraten ist – einem durchgeknallten Konzept-Regisseur – und in dessen »Trope« aus Kult-Anhänger:innen. Tamino macht sich auf, Pamina zu retten, begleitet von Papageno, hier als Verfolger-Operator. Es werden verschiedene Prüfungen und Aufgaben gestellt und schließlich bestanden – alles rund ums Theater –, und mit der Entmachtung sämtlicher Autoritätsfiguren präsentiert das Finale eine charmante Huldigung an die Theaterkunst, die in der Pandemie verdunkelt wurde und nun wieder auflebt.

Foto: Zak Kilby

Einiges von diesem ganzen Tohuwabohu funktioniert ziemlich gut – besonders die detailverliebte Verschrobenheit von Sarastro und seinen Anhänger:innen, entzückend angeführt von Alistair Sutherland, der die Ereignisse mit seiner tibetischen Glocke akzentuiert. Und sicher hilft es auch, das Budget niedrig zu halten, denn ein Großteil von Bühnenbild und Requisiten ist … nun ja … ohnehin Theaterkulisse. Allerdings braucht es auch ein Gefühl fürs Spektakel, um die vielen Verwandlungen zu tragen, und hier wirkt es eher schäbig, wobei nur Papagenos Spieluhr das nötige Moment von Überraschung und Staunen erzeugt.

Musikalisch ist das ebenfalls eine gemischte Sache. Die Sänger:innen sind größtenteils ziemlich stark und zudem gute Schauspieler:innen. Es gibt einen witzigen zeitgenössischen Text auf Englisch, der gut auf die Noten passt, und er wird klar verständlich projiziert – mit voller Nutzung aller Ebenen des Theaters. Als Tamino, Papageno und Pamina sind Peter Martin, René Bloice-Sanders und Naomi Kilby stimmlich gut aufeinander abgestimmt und hatten sichtlich großen Spaß. Fae Evelyn lieferte als Königin der Nacht eine gelungene Gloria-Swanson-Imitation und meisterte die exponierten Höhen mutig. Robert Jenkin gab einen charaktervoll quengeligen Monostatos und machte aus der Rolle als gebeutelter Stage Manager mehr Sinn als üblich. Und Papagena war eine echte Überraschung – eine, die andere Produktionen künftig vielleicht nachahmen möchten.

Foto: Zak Kilby

Aber ehrlich gesagt habe ich das Orchester sehr vermisst. Das Klavier (upright) war nicht wirklich ausreichend, auch wenn es gut war, eine (nicht genannte) Flötistin in den Seitenbühnen zu haben, die ein wichtiges Solo spielte. Pianistin Lindsay Bramley hatte eine enorme Menge an Tastenarbeit zu bewältigen, auf Klavier und E-Keyboard – für die Spieluhr-Szenen. Die Ouvertüre war unter diesen Umständen eine große Herausforderung und hätte womöglich besser weggelassen werden sollen. Diese Oper verdient selbst unter diesen angepassten Bedingungen eine breitere instrumentale Palette.

Der Abend fühlte sich in dem sehr schwülen Studio 1 um ein paar Szenen zu lang an, und etwas beherztes Kürzen in der zweiten Hälfte hätte geholfen. Mitunter besteht die Gefahr, Werke wie dieses als sakrosankte Texte zu behandeln, dabei ist klar, dass Mozart für Aufführungen an unterschiedlichen Orten gestrichen und umgestellt hätte – warum also nicht heute? Das Publikum erlebte einen sehr vergnüglichen Abend, und es steht außer Frage, dass diese Oper wie gemacht ist für den modernisierenden Eingriffs-Ansatz, der das Grimeborn-Erlebnis prägt.

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