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REZENSION: The Jazz Age, Playground Theatre London ✭✭✭✭
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Von
markludmon
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Mark Ludmon rezensiert The Jazz Age von Allan Knee, derzeit im The Playground Theatre zu sehen.
The Jazz Age
The Playground Theatre, London
Vier Sterne
Drei der grössten Literaturstars der Zwanziger- und Dreissigerjahre werden in Allan Knees Stück The Jazz Age zu wildem, manischem Leben erweckt: Ernest Hemingway, F. Scott Fitzgerald und dessen Frau Zelda waren ebenso Stoff für die Klatschspalten wie für die Buchseiten. Knee greift auf ihre Texte zurück, um ihre stürmische Geschichte durch das Prisma ihrer Freundschaft zu erzählen. Nach der Off-Broadway-Premiere 2008 ist das Stück nun unter der Regie von Anthony Biggs und Jana Robbins in Grossbritannien angekommen.
Die Handlung führt uns von Fitzgeralds und Hemingways erstem Treffen in Paris 1925 bis ins Jahr 1940. Mit seiner Reihe fragmentarischer Episoden ist das Stück weniger Biografie als vielmehr ein Porträt der komplexen Beziehungen dieses Trios zueinander. Es untersucht unter anderem, was die rebellische Society-Dame aus Alabama, Zelda Sayre, zu dem ehrgeizigen jungen Scott hinzog – und welches Band sie trotz Eifersucht und Trennungen zusammenhielt. Hannah Tointons Zelda besitzt eine frische, ruhelose Unschuld, die kaum etwas von jener fragilen psychischen Gesundheit ahnen lässt, die sie später zerstörte und für die sie heute meist in Erinnerung bleibt.
Auch wenn Zelda in diesem literarischen Ménage-à-trois eine zentrale Rolle spielt, liegt das Herz von The Jazz Age in der Freundschaft zwischen Ernie und Scott. Ein Höhepunkt des Abends ist das Kräftemessen der beiden – meist verbal, manchmal ganz wörtlich –, das die Dynamik einer Freundschaft auslotet, die trotz Rivalität und enormer Temperamentsunterschiede Bestand hatte. Robert Boulter ist hervorragend als Scott: nervös und bedürftig, mit dem Drang nach Grösse, aber geplagt von Selbstzweifeln, die ihn in den Alkoholismus trieben. Jack Derges verbindet Charme und Verachtung als der krawallige Hemingway; seine Reizbarkeit kippt bisweilen in Bösartigkeit und kindische Trotzreaktionen. Knee scheut sich nicht, die Schwächen der beiden Männer offenzulegen – besonders ihren Misogynismus –, dennoch bleiben sie trotz Exzessen und Privilegien sympathisch.
Knees Text ist voller Sex – offene, unverkrampfte Gespräche, die widerspiegeln, wie viele Tabus in der Jazz-Ära für einen kurzen, hoffnungsvollen Moment hinweggefegt wurden. Was das Zeitgefühl jedoch vor allem heraufbeschwört, ist Darren Berrys grossartige neue Musik: kunstvoll in den Text eingewoben und von Berry, Rebekah Bouche und João Mello am Flügel sowie auf einer Vielzahl von Instrumenten gespielt. Zusätzliche Atmosphäre schafft Gregor Donnellys Bühnenbild, das an einen Jazzclub der 1920er erinnert. Auch wenn dem Stück erzählerische Spannung stellenweise abgeht, überzeugt es umso mehr darin, den Geist der Zeit und seine drei überlebensgrossen Repräsentanten einzufangen. Weniger als drei Monate, bevor wir in die Zwanzigerjahre des 21. Jahrhunderts aufbrechen, ist dies eine zeitgemässe und faszinierende Gelegenheit, auf ein Jahrzehnt zurückzublicken, das für viele von uns bis heute nachhallt.
Zu sehen bis 19. Oktober 2019
Fotos: Robert Workman
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