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REZENSION: Die Grüne Fee, Union Theatre London ✭✭
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julianeaves
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Julian Eaves rezensiert Jack Sains Musical The Green Fairy mit Julie Atherton, jetzt im Union Theatre in London zu sehen.
Julie Atherton und Georgine Hellier in The Green Fairy. Foto: Jack Sain The Green Fairy Union Theatre,
4. November 2019
2 Sterne
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Dieses neue Musical wirbt damit, die etablierte Musicaldarstellerin Julie Atherton ganz oben auf dem Besetzungszettel zu haben – und das aus gutem Grund: Für sie ist das eine grosse Rolle. Sie spielt die trinkende Mutter Jo, die mit einem aufgewühlten Gefühlsmix auf ihr Leben zurückblickt – inklusive Humor (Jo: Ich bin kein Alkoholiker. (Pause) Ich bin eine Säuferin. – Was ist der Unterschied? Jo: Ein Alkoholiker geht zu Treffen.') Atherton ist hier eine verlässliche Bank: Sie holt aus der Figur das Beste heraus und wirft alles hinein, was in ihr steckt.
David Perkins, Harry F Brown, Julie Atherton, Emma Whittaker und Georgina Hellier. Foto: Jack Sain
Ein paar gute Songs gibt es ebenfalls. Jack Sain (Regie, Buch und Songtexte sowie Komposition – und, wie das Fehlen weiterer Nennungen im Programm nahelegt, obendrein auch noch Choreografie) hat durchaus ein Gespür für eingängige, mitreissende Popnummern. In vielerlei Hinsicht gilt: Je länger der Abend dauert, desto mehr wünscht man sich, dass genau diese Songs stärker im Vordergrund stehen. Das Bühnenbild (von Katharine Heath, zusammen mit den treffgenauen Kostümen) zeigt einen hellen, luftigen Pub mit der Bar in der Mitte – ganz im Stil von „Once“. Und tatsächlich steht diese Produktion in vielem im Schatten jenes Stücks, streift ähnlich emotionales Terrain in einer recht alltäglichen Arbeiter*innen-Umgebung, sodass man sich schnell nach derselben ausgelassenen Pub-Atmosphäre wie dort sehnt. Simon Devenport zeichnet für das „Sounddesign“ verantwortlich – doch in dieser Spelunke habe ich Mikroports schmerzlich vermisst: Wenn es je eine Show gab, die geradezu nach einer kernigen Karaoke-Atmosphäre schreit, dann diese. Verstärkung würde Sains Songs, so denke ich, optimal zur Geltung bringen.
Emma Kinney (Wendy). Foto: Jack Sain
So wie es ist, hat er – trotz beeindruckender Credits – für sein erstes Musical womöglich ein bisschen zu viel auf einmal schultern wollen. Ein paar zusätzliche, erfahrenere und vertraute Augen und Ohren hätten helfen können, daraus ein stärkeres Debüt zu machen. Der Rest des Ensembles muss sich daher mit einem Buch abmühen, das qualitativ deutlich abfällt: Es fehlt ihm die schräge Frische und Schärfe der besten Songs, und es ist fast völlig frei von den sporadischen, aber spürbaren Momenten herzlicher Wärme, die die Partitur immer wieder aufblitzen lässt. Ein Teil der Verantwortung dafür könnte bei der Co-Regie und Dramaturgie, Hannah Hauer-King, liegen. William Bullivants musikalische Leitung ist zwar solide, wirkt jedoch durch die nahezu ausschliesslich akustische Klangpalette aus Klavier, Cello, Gitarre, Mandoline und Saxofon ausgebremst, lediglich gewürzt mit einem Hauch E-Bass. Tut mir leid, aber dieses „unplugged“-Gefühl hilft mir kein bisschen dabei, den Rock’n’Roll- und „scheiss-drauf“-Geist der Show zu spüren.
Harry F Brown (Toby). Foto: Jack Sain
So klingen Emma Whittaker als „Young Jo“ (die einen wunderschönen Auftaktsong bekommt und dann viel zu lange aus dem Buch verschwindet!), David Perkins’ warm timbrierter Daniel und Harry F Browns intensiver Barkeeper Toby, ebenso wie Emma Kinneys klar strahlende Sopran-Wendy, insgesamt ein wenig zu brav und bürgerlich für das, was sie singen sollen. Näher dran ist Georgina Hellier mit ihrem herrlich energiegeladenen Auftritt in der Titelrolle – eine Art übernatürliche Entität trifft auf die ehemalige beste Freundin, die inzwischen Hollywood-Star ist (bitte versuchen Sie, mitzuhalten). Aber: Manchmal ist weniger wirklich mehr. Ich kann nur hoffen, dass man eines Tages diese Show wieder zu ihren poppigen Wurzeln zurückführt und sie das Leben atmen lässt, das SIE führen will – und das derzeit eher steife, kühle „Konzept“ dahin schickt, wo der Pfeffer wächst. Dann würden vielleicht mehr Menschen die vielen Stärken der Partitur hören und feiern – und nicht noch zu Hause über Alex Lewers wunderschönes Licht reden, lange nachdem sie längst angekommen sind!
Bis 23. November 2019
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