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REZENSION: Die Schwiegertochter, Arcola Theatre ✭✭✭✭

Veröffentlicht am

Von

jenniferchristie

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Jennifer Christie bespricht D. H. Lawrences The Daughter-In-Law, das derzeit in einer Wiederaufnahme im Londoner Arcola Theatre zu sehen ist.

Foto: Idil Sukan The Daughter-In-Law Arcola Theatre

15. Januar 2019

4 Sterne

Jetzt buchen D. H. Lawrences kraftvolles Stück The Daughter-In-Law läuft aktuell im Arcola Theatre in einer Wiederaufnahme. Die erste Spielserie war ein ausverkaufter Erfolg, und viele der ursprünglichen Besetzung sind wieder dabei. Lawrence schrieb das Stück 1913, doch zu seinen Lebzeiten wurde es weder veröffentlicht noch aufgeführt. Es ist ein Werk aus einer umfangreichen Sammlung der Dramen, Romane, Gedichte und Essays des Autors. Sein Roman Lady Chatterley’s Lover war sein umstrittenstes Werk. The Daughter-In-Law spielt in Eastwood nahe Nottingham, wo Lawrence aufwuchs, und das Stück spiegelt seine intime Kenntnis der Region und der damaligen Zeit wider.

Foto: Idil Sukan

Jack Gamble hat das Stück mit einer Arena-Bühnenanordnung (in the round) neu belebt. Dadurch wird das Publikum mitten in das intensive Familiendrama hineingezogen, das im zweiten Akt kurzzeitig ins Melodramatische kippt. In einer beeindruckenden sprachlichen Leistung halten die Darsteller:innen ein enormes Tempo und meistern die präzisen Rhythmen, die der Midlands-Akzent verlangt. Viele der authentischen Redewendungen und sprachlichen Nuancen begeistern das Publikum – und lassen uns noch tiefer in die Geschichte eintauchen.

Vor dem Hintergrund des Bergarbeiterstreiks von 1912 angesiedelt, erzählt das Stück vor allem eine Familiengeschichte – und die Handlung hält zahlreiche Schichten und Wendungen bereit. Es ist die Geschichte einer Matriarchin und der letzten zwei ihrer sechs Söhne, die heiraten sollen. Der jüngere, charismatischere Joe wird vielleicht nie heiraten; sein älterer Bruder Luther hat erst kürzlich geheiratet und ist von zu Hause ausgezogen. Minnie, seine Braut, steht sozial ein bis zwei Stufen über ihm. Luther arbeitet in den Gruben, Minnie war Gouvernante – und wichtiger noch: Minnie hat Geld, ein Vermächtnis einer Tante.

Beides sorgt für Spannungen zwischen Mann und Frau, aber auch zwischen Mutter und Schwiegertochter.

Foto: Idil Sukan Es ist eine große Geschichte – und eine, die auch 100 Jahre nach ihrer Entstehung noch nachhallt. Minnie bringt es in einem Satz zu ihrer Schwiegermutter auf den Punkt: „Wie soll eine Frau je einen Ehemann haben, wenn die Männer alle ihren Müttern gehören?“

Veronica Roberts überzeugt in der Rolle der Mutter, Mrs Gascoyne. Mit einer fein gezeichneten Darstellung weckt sie Mitgefühl und fesselt die Aufmerksamkeit. In der Eröffnungsszene an ihrer Seite: Matthew Biddulph als der gewinnende jüngere Sohn. Gemeinsam schaffen sie eine starke Beziehung und bereiten den Boden für die kommenden Dramen.

Foto: Idil Sukan

Ein unerwarteter Besuch von Mrs Purdy (Tessa Bell-Briggs) beginnt harmlos genug: Mrs Gascoyne richtet sich auf einen angenehmen Klatschabend ein, ohne zu ahnen, dass die Neuigkeiten Luther betreffen. Der Nachteil der Arena-Bühnenanordnung ist, dass man mitunter längere Zeit auf den Rücken einer Schauspielerin oder eines Schauspielers blickt – und in dieser Inszenierung saß Mrs Purdy während des Großteils ihrer Szene in einer Position. Ich hätte gern mehr von der starken Leistung gesehen, die ich vor allem hören konnte.

Foto: Idil Sukan

Dann verlagert sich das Geschehen in das gemeinsame Zuhause von Luther und Minnie, und die Spannung ist vom ersten Moment an spürbar. Matthew Baker als Luther ist eine wunderbare Mischung aus wortkargem Mann, der sich in seiner Ehe herabgesetzt fühlt, und dem kleinen Jungen, der sich mit seinem Bruder vor den Realitäten des Erwachsenseins versteckt.  Baker gibt Luther genau die richtige Kante von Verletzlichkeit – besonders in den letzten Szenen. Ellie Nunn als Minnie hat eine deutlich weniger direkte Figur zu spielen und wartet bis zur Schlussszene, um die Tiefe der Liebe dieser Frau zu ihrem Mann sichtbar werden zu lassen.

The Daughter-In-Law ist ein faszinierendes Drama aus einer vergangenen Epoche, das Fragen verhandelt, die auf merkwürdige Weise über die Jahrzehnte hinweg bis in ein heute scheinbar erweitertes Bewusstsein reichen. Jack Gambles Regie setzt diese Geschichte mit Verve und Charme um.

Bis 2. Februar 2019

TICKETS FÜR THE DAUGHTER-IN-LAW IM ARCOLA THEATRE BUCHEN

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