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KRITIK: Sunset Boulevard, Savoy Theatre ✭✭✭✭

Veröffentlicht am

14. Oktober 2023

Von

Libby Purves

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Unsere hauseigene theatreCat Libby Purves bespricht Jamie Lloyds neue Inszenierung von Andrew Lloyd Webbers Sunset Boulevard im Savoy Theatre.

Nicole Scherzinger Sunset Boulevard

Savoy Theatre

4 Sterne

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SIND ES DIE BILDER, DIE KLEIN GEWORDEN SIND? Nicht, wenn Lloyd etwas dagegen hat.

Es fühlte sich seltsam an, das hier tief im Bauch eines Gala-Abends im Savoy zu sehen – nur ein, zwei Wochen nachdem unser örtliches Kulturzentrum den Film von 1950 gezeigt hatte: diese Geschichte von verlorenen Ruhm, Alterswahn und Mord. Gloria Swanson als Norma Desmond, der abgehalfterte Megastar in einer heruntergekommenen Hollywood-Villa mit einem toten Schimpansen als Haustier und Max, dem beschützend verehrenden Butler, der sich an den desillusionierten Autor Joe hängt, damit er ihr Comeback-Drehbuch in Form bringt. Der Film ist legendär: Cecil B. DeMille spielte tatsächlich sich selbst. Dieses Lloyd-Webber-Musical (Buch und Liedtexte von Don Black und Christopher Hampton) war vor einiger Zeit mit Glenn Close an der ENO zu sehen – und hier kommt Jamie Lloyds ultradüstere, mixed-mediale, monochrome Sicht darauf.

     Im Zentrum (außer montags) steht die zur Waffe gemachte Diva namens Nicole Scherzinger. Selbst ohne den beträchtlichen Einfallsreichtum des Regisseurs ist die ehemalige Pussycat Doll darauf programmiert, wirklich allen die Socken auszuziehen. Tatsächlich liefert die trickreich karge Ästhetik und die abrupten Video-Nahaufnahmen von Lloyds Setting den richtigen Rahmen für diesen menschlichen Vulkan: Black Box, Rauch, Spotlights, gelegentlich umhergehende Kamera-Operatoren, die die Gesichter des Ensembles 15 Meter hoch darüber projizieren. Keine große Treppe – ja überhaupt kein Mobiliar, bis nach 35 Minuten der lugubre Max dem verwirrten Erzähler-Opfer Joe einen einzigen Stuhl hinstellt.  Das Orchester allerdings ist – natürlich – unter Alan Williams prachtvoll, und die Musik macht Spaß. Lloyd Webber irgendwo auf halber Strecke zwischen der sehnsuchtsvollen Romantik von Phantom und der wilden Kante von School of Rock.

   Tom Francis’ Joe ist schön trocken, desillusioniert, skeptisch gegenüber dem einst großen Star und doch hypnotisiert von ihrem entgleisten Selbstglauben, und David Thaxtons Max ist angemessen bedrohlich. Beides starke Stimmen, und Francis ist in einem schelmischen Film nach der Pause zu sehen: Er streift durch die Flure des Theaters, taucht von der Strand aus singend auf der Leinwand auf – nur um die Nummer live zu beenden, indem er den Mittelgang hinunterschreitet.  Das Original war, zur Erinnerung, als schwarze Komödie gedacht: Man darf über die arme Norma lachen.  Man könnte den Vorwurf von Showbiz-Misogynie aufmachen – aber wozu?

David Thaxton (Max) und das Ensemble. Foto: Marc Brenner

Auch das Star-Debüt von Grace Hodgett Young als Betty, Joes wahrer Liebe und Co-Autorin, ist bemerkenswert: ihre melodische Süße ist ein schönes Gegengewicht zum verrückt-schönen Aufheulen von Scherzinger. Das Ensemble, das als Möchtegerns und Casting-Futter in Probenklamotten herumstürmt, ist choreografiert – mal festlich, mal unheimlich.

    Aber Scherzinger!  Ein ungebändigter Diamant, ein gefährliches, unzähmbares Phänomen – stimmlich kraftvoll und körperlich witzig. Es ist schon etwas, sie zu sehen, wie sie ihren Traum von der Salome-Karriere auslebt: mit wildem, barfüßig-barbeinigen Taumel in einem schwarzen Seidennachthemd und wallendem schwarzem Haar, macht sie kopfüber Spagate und heult wie eine nymphomanische Panthergöttin.  Und doch steht sie bisweilen wie eine Statue, während die Nebenhandlung der Jungen um sie herum rollt – und da ist ein Hauch von Pathos. Bei all den glorreichen Nummern, in denen sie und ihr einstiger Regisseur Max den Auftrag reklamieren, „der Welt neue Wege zu geben, zu träumen“, ist ihr eigentliches Bedürfnis die Anbetung durch „all ihr wunderbaren Menschen da draußen im Dunkeln“.

     Den Schatten von Gloria Swanson schüttelt sie jedenfalls endgültig ab: Lloyd hat keinerlei Absicht, in Retro-Romantik einzuknicken und seine Norma mit Turban und ergrauenden Locken auszustatten. Und warum auch? Der Text macht deutlich, dass trotz allem Gerede vom Verblassen das tatsächliche Alter dieser ausgelaugten Hexe, verlassen von 30 Millionen einst ergebenen Fans, bei … etwa vierzig liegt. Von den jungen Arts-Ed-Studierenden vor uns ging ein leises Keuchen aus bei der grausamen Zeile: „An vierzig ist nichts falsch – außer du spielst zwanzig.“  Insofern sind Scherzingers wallende Mähne und ihr athletischer Flow absolut passend.

    Und obwohl ich bei Jamie Lloyds unheilbarem Regie-Instinkt, eher sich selbst als sein Ensemble zu präsentieren, gern mal die Augen rolle, war ich, als wir bei den hektisch verwirrenden Schlussbildern mit Rennen, Schreien, schwenkenden Kameras, riesigen Gesichtern und allgemeiner Wut ankamen, insgesamt doch froh, zweieinhalb Stunden „da draußen im Dunkeln“ gesessen zu haben – und wunderbar gewesen zu sein. Die Ticketpreise sind übrigens gar nicht so übel, zumal die Sicht von praktisch überall ziemlich gut ist.

Zu sehen bis 6. Januar 2024 im Savoy Theatre

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