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KRITIK: Sasha Regans rein männliche Produktion von :Piraten von Penzance, im Online-Stream ✭✭✭✭
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Von
julianeaves
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Julian Eaves bespricht Sasha Regans All-Male Pirates of Penzance, aufgezeichnet im Londoner Palace Theatre und online gestreamt.
Olivier Savile – der Piratenkönig und Crew. Foto: Danny Kaan Sasha Regans reine Männerbesetzung in The Pirates of Penzance
Im Palace Theatre, London, gefilmt und online gestreamt
4 Sterne
Beginnend mit einer ausgesprochen professionellen, glatt produzierten „Opening-Credits“-Sequenz, die passgenau auf die reine Klavierbegleitung der Show gedreht ist, bietet diese Online-Übertragung einer Aufführung aus dem Londoner Palace Theatre eine willkommene Gelegenheit, Sasha Regans sehr erfolgreiche Neuverankerung von G&S im 21. Jahrhundert weiter bekannt zu machen. Ein 2019 entstandener Film wurde kürzlich gestreamt; die Produktion ist in dieser Form weiterhin per Einzelkauf verfügbar.
Der große Vorteil dieser Präsentationsform besteht darin, dass sie einen unmittelbar in W. S. Gilberts klugen, einfallsreichen Text hineinzieht – besonders in seine brillant geschriebenen Liedtexte; genau diese Aspekte der Savoy Operas gehen im Theateralltag nur allzu oft völlig verloren, weil Sängerinnen und Sänger (ohne Mikroports) erhebliche Anstrengungen unternehmen müssen, um Sullivans keineswegs anspruchslose Gesangspartien zu tragen. Die Kameraarbeit ist in jedem Moment wach und weiß, wann sie auf einen Gag, eine Pointe oder ein feines Detail in den Leistungen dieser jungen, sympathischen Besetzung heranzoomen muss.
Die Besetzung von All-Male Pirates of Penzance
Zwölf Jahre nach der Premiere im Union Theatre in Southwark – einem deutlich kleineren Haus als dem, das die Produktion heute ziert – begründete diese Inszenierung Sasha Regans bahnbrechende Reihe rein männlich besetzter G&S-Produktionen, die uns ‘HMS Pinafore‘ und ‘Iolanthe‘ in Fassungen beschert hat, die mal mehr, mal weniger fest in der Gegenwart verankert sind. Von allen dreien wirkt diese hier optisch am „traditionellsten“: Robyn Wilson-Owens Ausstattung liefert eine muslinlastige Variante historischer Kostüme, während Lizzie Gees hochaktuelle Choreografie in all der Kraft und Energie schwelgt, die sich aus einem erstklassigen Team junger Männer ziehen lässt. Dass diese Jungs zudem in Tenor-, Bariton- oder Basslage ebenso sicher singen wie in verschiedenen Falsettbereichen – und dabei all diese Bewegung bewältigen –, ist die große Stärke der Produktion; sie lässt einen über die karge Ausstattung und den leeren Orchestergraben hinwegsehen. Ben Bull beleuchtet das Ganze schlicht, aber sensibel.
Doch die wahren Stars sind hier das Ensemble – und das Haus. Vom ersten, wogenden Einzug des Männerensembles durch den Zuschauerraum, wenn sie die Bühne übernehmen und uns mit vokaler Klarheit blenden – jede gilbert’sche Silbe mit akribischer Sorgfalt artikuliert (danke an MD Richard Baker, der das Geschehen effizient am Klavier begleitet) –, über den ebenso koketten Auftritt der affektiert tippelnden „Damen“ (Stichwort: viel stöhnwürdig-derbes Gelächter aus einem überwiegend mittel- bis älteren Publikum, vermutlich mit passenden Einstellungen), bis hin zur fachkundig abgelieferten Nummernfolge und dem finalen, eher ernüchternden Schluss: Was wir hier bekommen, ist ein Fest präziser Detailarbeit, das alle beglücken wird, die es lieben, wenn eine großartige Show mit Schwung und enormer Sorgfalt gespielt wird.
Tom Senior gibt als Frederic eine romantisch-standfeste Erscheinung ab, auch wenn Regan sein „O, is there not one maiden breast“ auf Lacher spielt; ein kluger Schachzug, denn Senior hat nicht ganz die heroischen Reserven, um die Melodie mit all den Kopftönen und dem Legato schweben zu lassen, nach denen sie eigentlich verlangt. Allerdings untergräbt dieser Kniff am Ende die sentimentale Wucht des Schlusses; dennoch ist es eine sympathische Leistung, in der er aus einer attraktiven, wenn auch noch recht jugendlich klingenden Stimme viel macht – und er sieht die Rolle auch aus. Im Gegensatz dazu glänzt Alan Richardsons Mabel mit funkelndem, chromartigem Schimmer, schwingt sich meist mühelos durch die hochliegende Tessitur und erzeugt einen leichten, heiteren Klang. Und Leon Craigs herrisch-komische Ruth macht Spaß.
David McKechnie als der Major-General. Foto: Danny Kaan
An anderer Stelle ist David McKechnies Major-General ein blitzschneller Zungenakrobat, der zu den tückischsten Stellen in G&S gehört – und uns mit seiner scheinbar mühelosen Meisterschaft für sich gewinnt. Ebenso überzeugt Oliver Saviles Piratenkönig, auch wenn er für die Rolle vielleicht einen Tick zu jung wirkt: Doch man vergisst leicht, wie jung Seeleute oft waren – mit Karrieren, die bisweilen so kurz wie ihr Leben ausfielen. Und ein Quartett weiblicher Rollen – Lee Greenaways Connie, Dominic Harbisons Kate, Sam Kipplings Edith und Richard Russell Edwards’ Isabel – erinnert daran, dass wir – im Grunde – eine Show sehen, die genauso sehr vom Weiblichen handelt wie von allem anderen. Regan gelingt es ihrerseits, viele Genre-Fallstricke zu umschiffen und den Figuren eine Modernität und Würde zu geben, die konventionellen Präsentationen dieser Oper nicht immer eigen sind. Dazu kommt Michael Burgens besonders pointiert-komische Figur des Samuel, wie gewohnt fachkundig geliefert. Es gibt also vieles, was man hier feiern kann.
Die Besetzung von All-Male Pirates of Penzance. Foto: Danny Kaan
Der zweite Akt bringt Mark Akinfolarins Polizeisergeant, mit dem er sich köstlich amüsiert – ebenso wie der stets wandlungsfähige Chor, der nun zu Polizisten wird. Wie immer lässt Gees wunderbar charmanter, fließender Tanz sie schöne Formationen bilden, die ihn mit reichlich Witz und guter Laune unterstützen. Nach der Pause ist das ein willkommenes Ereignis, denn – wie erfahrene G&S-Gänger nur zu gut wissen – das beste „Fleisch“ steckt manchmal im ersten Teil. Da es hier weniger Material gibt, hält sich Regan nicht lange auf und sprintet recht zügig zur Ziellinie, sodass am Ende nur ein Hauch bittersüßer Wehmut bleibt, der dem Schluss eines ansonsten weniger packenden Akts eine pikante Note gibt.
So ist die Show, zwölf Jahre später, in hervorragender Form – wenn auch mit ein paar Einschränkungen. Das Gute ist wirklich großartig, und davon gibt es genug, um ein paar Stunden Ihrer Zeit zu rechtfertigen. Die Besetzung hat Spaß – und Sie werden ihn auch haben.
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