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REZENSION: Romeo und Julia, National Theatre ✭✭✭✭✭

Veröffentlicht am

25. Februar 2023

Von

pauldavies

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Paul T Davies bespricht Romeo and Julie, jetzt am National Theatre, London.

Callum Scott Howells und Rosie Sheehy. Foto: Marc Brenner Romeo and Julie.

National Theatre.

23. Februar 2023

5 Sterne

TICKETS BUCHEN

Diese Koproduktion mit dem Sherman Theatre in Cardiff reiht sich neben Sheffields Standing At The Sky’s Edge in die Produktionen auf den Bühnen des National ein, die dem Anspruch dieses Titels „National“ eine deutlich wahrhaftigere Bedeutung geben. Beide stellen Themen der Arbeiterklasse ins Zentrum und gehen zugleich über ihre jeweilige Region hinaus, um universelle Geschichten über Klassenbias, Bildungsbenachteiligung und Liebe zu erzählen. Gary Owens großartiges neues Stück ist in einem ganz bestimmten Teil von Cardiff verortet: Splott, das von der umliegenden Stadt oft herabgewürdigt wird – doch dort gibt es eine starke Gemeinschaft. Owen kennt Splott nicht nur wie seine Westentasche, er kennt auch das Blut, das durch seine Adern pumpt. Romeo ist ein achtzehnjähriger alleinerziehender Vater, fest entschlossen, seine kleine Tochter großzuziehen – und in einer wunderschönen Umkehr der Erwartungen strahlt aus ihm die Liebe zu diesem Baby hervor, keine toxische Männlichkeit weit und breit. Seine Mutter ist „eine gewaltige Alkoholikerin“, und als Julie ihn zum ersten Mal in einem Café trifft, hält sie ihn für obdachlos. Sie ist auf dem Weg zur University of Cambridge; ihr Ehrgeiz, Astrophysikerin zu werden, wurde geweckt, als sie zwölf war. Sie wohnen nur ein paar Straßen voneinander entfernt, und doch trennen sie Welten – in Klasse und in Erwartungen.

Die Besetzung von Romeo and Julie. Foto: Marc Brenner

Die Herausforderungen, vor denen diese vom Schicksal verfolgten Liebenden stehen, sind vollständig durch Klassenstrukturen geprägt – dazu kommen elterliche Erwartungen und Ambitionen sowie eine Bildungskluft, die sie längst fest in der gesellschaftlichen Hackordnung verortet hat. Die Besetzung ist herausragend. Als Romeo verformt Callum Scott Howells seinen Körper, zusammen mit den gedehnten Vokalen und dem Singsang eines sehr spezifischen walisischen Akzents – herzzerreißend in seiner Sanftheit und in seinem Bedürfnis nach einer besseren Zukunft, hingebungsvoll erst seiner Tochter und dann Julie. Rose Sheehy ist als Julie messerscharf, entschlossen zu gewinnen, mit einem Mangel an Realitätssinn; beide treffen den Humor des Stücks ebenso perfekt wie die Traurigkeit. Wenn sie in der ersten Hälfte bei Netflix and chill und Kokosöl ankommen, ist man in beide total verliebt.  Als Barb trifft Catrin Aaron den urteilenden Alkoholismus ihrer Figur punktgenau, ohne auch nur einmal in Karikatur abzurutschen; tatsächlich sind manche ihrer Ansichten sehr klug. Im ersten Akt wirken Julies Eltern zunächst eher am Rand, doch in der zweiten Hälfte wachsen sie über sich hinaus – besonders, wenn Kath ihren Job offenbart und wir einen wunderbar treffenden Kommentar zum Thema Care-Arbeit bekommen. Selbst als Paul Brennan als Julies Dad Romeo zur Rede stellt, endet es damit, dass er ihm die Schulter drückt. Das ist kein wütendes Stück – und gerade dadurch umso kraftvoller: Leidenschaft durchzieht es, und es ist zutiefst bewegend.

Anita Reynolds (Kath) und Paul Brennan (Col). Foto: Marc Brenner

Rachel O’Riordan zeigt immer wieder, was für eine kluge Regisseurin sie ist; das Stück atmet wunderschön. Hayley Grindles Neon-Design schwebt über der Bühne – ein Bild aus Kritzeleien und ungelösten Problemen. Meine einzige Beschwerde ist, dass die Musik bei den Szenenwechseln oft gegen die Sensibilität der Momente arbeitet und mich aus meiner Verzückung über dieses hervorragende Textbuch herausreißt. Aber es ist meiner Meinung nach die beste Arbeiterklassen-Romanze seit Beautiful Thing. Cardiff kann sich freuen.

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