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KRITIK: Promises Promises, Southwark Playhouse ✭✭✭✭

Veröffentlicht am

Von

julianeaves

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Gabriel Vick und Daisy Maywood in Promises Promises

Southwark Playhouse

Dienstag, 17. Januar

4 Sterne

Jetzt buchen Der grosse König des populären Songs der 1960er und 70er Jahre, Burt Bacharach, schrieb – neben nur einer Handvoll Bühnenarbeiten dieser oder jener Art – nur eine einzige abendfüllende Musical-Partitur: gemeinsam mit seinem wichtigsten Texter-Partner Hal David und nach einem Buch des unvergleichlichen Comedy-Königs Neil Simon (entwickelt aus dessen Film „The Apartment“).  Zur damaligen Zeit war das Stück durchaus erfolgreich und brachte einen der dauerhaftesten Hits des Songwriter-Duos hervor, „I’ll Never Fall In Love Again“; doch seither wird es nur selten gespielt.  Dass der Perfektionist Bacharach nach diesem einzigen Ausflug ins Genre nie wieder in diese Geheimnisse vordrang, ist – vielleicht – beredt genug.  Der hermetisch professionelle Komponist spricht über so etwas nicht leichtfertig, aber es muss Gründe geben, warum er nie wieder versucht hat, auf diese Weise mit seinem Publikum in Kontakt zu treten.

Ich wünschte, ich wüsste, welche Gründe das waren – denn das Werk, das wir hier sehen, verdient unsere Aufmerksamkeit in jeder Hinsicht.  Es ist ein üppiges, elegantes, wunderschönes, romantisches, aufregendes Panorama-Spektakel, in dem die Partitur genauso wichtig ist wie jede Figur der Geschichte.  Erzählt wird eine generische „Grossstadt“-Fabel vom kleinen Mann, Chuck Baxter, der gegen die anonyme Rücksichtslosigkeit des metropolitanen Lebens antritt; die Liebe überwindet – letztlich – alle Widrigkeiten und führt ihn mit einer würdigen, wenn auch mondän kompromittierten Partnerin zusammen: Fran, die einige Prüfungen und Demütigungen durchstehen muss, um seiner würdig zu werden.  Das ist damit auch teilweise eine Umkehrung der traditionellen Musical-Comedy-„Quest“, in der der Mann sich den Problemen der Welt stellen, unterwegs seine eigenen Schwächen überwinden und am Ende mit der makellosen Jungfrau belohnt werden muss.  Wie in einem anderen Musical mit Buch von Simon, „Sweet Charity“, ist die Heldin hier alles andere als rein und nie einfach – und ihr Weg ist der härtere, schwierigere.

Gabriel Vick, Lee Ormsby, Craig Armstrong und Martin Dickinson in Promises Promises.

Regisseurin Bronagh Lagan erkennt dieses moralische Rätsel im Zentrum des Dramas und erreicht gemeinsam mit ihrem Team – Bühnen- und Kostümbildner Simon Wells, Choreografin Cressida Carre (mit brillant integrierten Bewegungs- und Tanzbreaks), der entscheidenden Beleuchtung von Derek Anderson und dem Sounddesign von Owen Lewis – ein starkes Gefühl urbaner Geschlossenheit für alles, was geschieht. So gleitet die Inszenierung recht flüssig von einer filmisch anmutenden Szene zur nächsten (vorausgesetzt, die Bühnentechnik spielt bei den Umbauten mit).  Zentral ist dabei der Glaube an die dunklen, „Film-noir“-haften Elemente der Geschichte: Jede Figur ist moralisch ambivalent; Menschen sind beunruhigt; sie haben Ambitionen, erreichen sie aber nicht und richten dabei Schaden an – bei sich selbst und bei anderen.  Und hier steckt vieles, was jedem halbwegs aufgeklärten heutigen Publikum den Abend verdüstern dürfte: Misogynie; Bestechung; Vetternwirtschaft am Arbeitsplatz und Mobbing; Erpressung; Depression; körperliche Gewalt und Suizid.  Ganz zu schweigen von der unerbittlichen Schinderei und Sinnlosigkeit der „modernen Zeiten“.  Nun ja.  Film noir hat nun einmal einen grundsätzlich pessimistischen Blick auf die Menschheit – und ich bin nicht sicher, ob alle Zuschauenden diese Lesart der Geschichte rundum überzeugend finden werden.

Paul Robinson und Daisy Maywood.

Gleichzeitig gibt es da aber auch ein knisterndes, brillant witziges Buch von einem der Meister der „leichten“ Komödie.  Baxter bahnt sich mit funkelnd naivem Witz seinen Weg durch die erdrückende Unpersönlichkeit des Lebens, und alle bekommen unterwegs mehr als genug Material, um den Spass lebendig und intensiv zu halten (vorausgesetzt, die entscheidenden Einsätze sitzen, und die Rhythmen von Simons exquisit geschliffenem Dialog werden präzise getroffen).  In der Besetzung ist sogar ein gebürtiger New Yorker – Baxters allgegenwärtiger Arzt-Nachbar Dr. Dreyfuss (eine meisterhafte Charakterzeichnung des ungemein erfahrenen John Guerrasio, ein kleines Juwel in diesem starken Ensemble) – der uns immer wieder an die „echte“ Stimme der Stadt erinnert und daran, wie man Angriffslust und Pathos im Dialog verbindet.

Der Love Interest ist der kompromittierte Fran (die ruhig und souverän aufspielende Daisy Maywood – eine ebenso unheimlich treffende Stellvertreterin für die junge Shirley MacLaine, die andere Hälfte der Star-Besetzung im Film).  Sie begegnet Einsamkeit, Enttäuschung, Wut (auf sich selbst ebenso wie auf andere) und Hoffnungslosigkeit, bevor es ihr gelingt, sich aus ihrer selbstzerstörerischen Spirale herauszuarbeiten.  Um sie herum stehen Kolleginnen und Konkurrentinnen aus dem Büro (Claire Doyle, Natalie Moore-Williams, Emily Squibb und Alex Young).  Ihr ausbeuterischer Chef ist Mr Sheldrake (der eisig elegante und berechnende Paul Robinson – der erst später so etwas wie ein Herz erkennen lässt, besonders in seinen zwei Solo-Nummern, die hier besonders gelungen sind).  Und dann sind da die mittleren Manager, die Chuck benutzen und manipulieren: Craig Armstrong, Ralph Bogard, Martin Dickinson und Lee Ormsby.  Weitere Rollen – und davon gibt es unzählige – übernimmt diese Supporting-Truppe.  Es gibt viele herausragende Momente, aber Alex Youngs Hauptauftritt als vampige Bar-Bekanntschaft stiehlt im zweiten Akt in einem von Simons besten Sketchen überhaupt allen die Show: In dieser einen Szene holt sie mehr Lacher als alle anderen zusammen im restlichen Abend.  Und ich habe die Show inzwischen zweimal gesehen – und bei dieser grossartigen Nummer beim zweiten Mal mit genauso viel Vergnügen gelacht.

Gabriel Vick und Daisy Maywood

Dennoch gehört die Geschichte den jungen Liebenden.  In Verbindung mit einer recht werkgetreuen Wiederherstellung seines Film-Szenarios gibt Neil Simon dem Helden viel Raum für seine „innere Stimme“, um sich selbst, seine Lage und den Verlauf der Handlung zu kommentieren.  Gespielt vom liebenswert tollpatschigen Graham Vick (ein verblüffender Doppelgänger des jungen Jack Lemmon, der die Rolle im Billy-Wilder-Film spielte) hält er die gesamte Show mit grenzenlosem Charme und selbstloser Grosszügigkeit zusammen.  Ausserdem muss er – allein oder im Duo mit anderen – die Hälfte der Musiknummern tragen, darunter fünf Soli: weit mehr, als irgendjemand anderem abverlangt wird.  Er ist dem mehr als gewachsen, mit seinen ständig unruhigen, wachsamen Augen, seinem trockenen Tonfall, seinem sicheren Gespür für One-Liner und seinem wissenden, lockeren Augenzwinkern Richtung Publikum.  Maywood tut alles, um aus Fran keinen rührseligen Kitsch zu machen, und spielt die Rolle ziemlich kompromisslos geradeheraus – auf Kosten eines Teils des Sprudelns in manchen Zeilen, aber stets mit Aufrichtigkeit und voller Hingabe: Ihre drei Soli singt sie, als wären sie gestern erst geschrieben worden, so voller berührender emotionaler Wahrheit.

Gabriel Vick und Alex Young.

Die Farbpalette der Produktion zeichnet ihn und die anderen Büromenschen im Corporate-New-York fast ausschliesslich in Monochrom.  Die Frauen bringen mit Spritzern von Eastman-Kodak-Farbe etwas Wärme hinein – in einer splendiden und zugleich zurückhaltenden Auswahl an Outfits, koordiniert von Fiona Parker (mit Haaren und Make-up von Cynthia de la Rosa).  Und Ben M Rogers’ Projektionen schaffen die Schauplätze auf schön kohärente Weise.  Der eigentliche Held der Stunde aber ist die Partitur – unter der wachsamen Leitung von MD Joe Louis Robinson, der sich ebenso zu Hause fühlt als Bigband-Leader wie als subtiler Begleiter.  Die Arrangements selbst, betreut vom Bacharach-Experten Elliot Davis, kommen über ihn aus Steve Edis’ zehn Jahre alten Materialien der Sheffield-Crucible-Produktion: Mit dieser Company wirken sie taufrisch und lassen die Musik leuchten und in einen hineinziehen wie die Luft von New York selbst.

Und das ist derzeit die „Must-see“-Show – mit einem glamourösen Publikum, das sich beeilt, um den Spass nicht zu verpassen.  Das ist eine Produktion, die mit der Zeit sicher noch geschmeidiger und komplexer wird (bei allerdings kurzer Laufzeit: in Southwark spielt sie nur bis zum 18. Februar).  Und ja: Am Ende hält sie ihre Versprechen.  Alle.

Bis 18. Februar 2017

Fotos: Claire Bilyard

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