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KRITIK: Newsies Filmveranstaltung ✭✭✭✭✭
Veröffentlicht am
Von
douglasmayo
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The Newsies. Newsies – Das Kino-Event
In Kinos weltweit ab dem 16. Februar 2017
5 Sterne
Newsies ist so ein seltener Glücksfall: ein Disney-Film, der an den Kinokassen kein Erfolg war, aber über die Jahre durch Home-Video und eine ganze Generation von Kindern, die sich die Geschichte zu Herzen nahmen und sie zu ihrer eigenen machten, Kultstatus erlangte. So sehr sogar, dass Newsies bei Umfragen danach, welchen Disney-Titel sich die Leute am meisten auf der Bühne wünschen, beim Publikum immer wieder ganz vorne mit dabei war.
Ich glaube nicht, dass selbst Disney geahnt hat, auf welch einem Pulverfass sie mit Newsies sassen. Vom ursprünglichen Team um Alan Menken (Musik) und Jack Feldman (Songtexte) adaptiert und mit Harvey Fierstein, der das Buch überarbeitete, lief die Show zunächst im Paper Mill Playhouse, bevor sie an den Broadway wechselte – wo sie als bis dahin schnellstes Disney-Musical überhaupt in die Gewinnzone kam, über zwei Jahre am Broadway lief und anschliessend auf eine US-weite Tour ging, die in mehr als 65 Städten spielte.
Zum ersten Mal bringt Disney eine ihrer Live-Shows auf die Leinwand – und das in ganz grossem Stil. Das Ergebnis ist schlichtweg mitreissend!
Aufgezeichnet im Pantages Theatre in Los Angeles, zeigt diese Aufnahme einige der ursprünglichen Broadway-Newsies, verstärkt durch Mitglieder der Tour-Cast – vor einem Publikum aus 2.700 Fans, mit so viel Talent und Begeisterung, dass es in jedem Theater sprichwörtlich den Deckel hebt.
Inspiriert vom realen Zeitungsjungenstreik von 1899 in New York – einer Kampagne, die die Art verändern sollte, wie William Randolph Hearst und Joseph Pulitzer die Kinderarbeit entlohnten, die ihre Zeitungen verkaufte – erzählt Newsies eine berauschende Geschichte, in der ein Haufen zusammengewürfelter Held:innen es direkt mit den Erwachsenen des Establishments aufnimmt.
Bühnenbildner Tobin Ost hat einen gigantischen Spielplatz geschaffen, auf dem diese David-und-Goliath-Geschichte neu erzählt werden kann. Drei gewaltige Türme lassen die Mietskasernen der Lower East Side lebendig werden; markant und massiv gleitet jeder Stahlturm über die Bühne und ergänzt die Bewegungen und die Choreografie auf der Bühne perfekt. Satzbilder aus Druckwerken und clevere Projektionen von Sven Ortel ergänzen Osts handfeste Kulisse und verleihen der gesamten Produktion einen tintigen, schmierigen Realismus – genau passend zur Welt der Newsies.
Alan Menken liefert wieder einmal eine mitreissende Partitur, die zusammen mit Jack Feldmans wunderbar rauen Lyrics diese Show so richtig abheben lässt. Ich bin ein Fan des Originalfilms von 1992, aber es ist etwas an Harvey Fiersteins Buch, das – in Kombination mit Menkens und Feldmans Songs – die Bühnenfassung von Newsies zu etwas wirklich Besonderem macht.
So richtig abheben tut Newsies jedoch mit der Choreografie von Christopher Gatelli und gut zwanzig der erstaunlichsten jungen Darsteller:innen, die ich seit langem auf einer Bühne gesehen habe. Sowohl die Choreografie als auch ihre Ausführung sind packend und dynamisch – und unterstreichen nur noch den Antrieb und die Bedeutung der erzählten Geschichte.
Jeremy Jordan als Jack Kelly in Newsies – Das Kino-Event
An der Spitze der Newsies steht Jeremy Jordan, der ursprüngliche Broadway-Jack Kelly, mit einer leidenschaftlichen Darstellung, die keinen Zweifel daran lässt, warum er der geborene Anführer dieser Gruppe ist. Aber wie jeder Anführer hat auch er seine Zweifel – und genau dieses Wechselspiel aus Licht und Schatten macht Jordans Leistung so bemerkenswert.
Und die Newsies selbst? Da gibt es herausragende Leistungen, allen voran Andrew Keenan-Bolger als Crutchie. Crutchie ist einer dieser unbändigen Charaktere, die ihrer körperlichen Einschränkung trotzen und zum Kämpfer für ihre Sache werden. Keenan-Bolgers Interpretation von Crutchies neuer Nummer im zweiten Akt ist kraftvoll und von Herzen – bei der Preview, die ich besucht habe, haben mehr als nur ein paar Leute eine Träne weggewischt. Ben Fankhauser als Davey bringt hier die Balance in die Geschichte. Mit Eltern und familiärem Rückhalt ausgestattet, gleicht er Kellys aggressivere Momente aus. Eine beeindruckende Leistung, die auch die jugendliche Überschwänglichkeit des jüngeren Bruders Les – gespielt von Ethan Steiner – wunderbar ausbalanciert.
Ben Crook (Race), Sky Flaherty (Albert), Jordan Samuels (Specs), Michael Rios (Henry), Iain Young (Finch), Anthony Zas (Elmer), Nico Dejesus (Romeo), Nicholas Masson (Mush), Jack Sippel (Darcy) und Tommy Bracco (Spot) komplettieren die Newsies – dieses starke Ensemble, das wie ein einziger Organismus arbeitet, ist wirklich sehenswert.
Kara Lindsay hat meine lebenslange Bewunderung dafür, dass sie mit Watch What Happens eine der verschlungensten Lyrics überhaupt meistert. Man kann sich Jack Feldman mit einem teuflischen Grinsen vorstellen, wie er dabei zusieht, wie Darsteller:innen diesen Kopfnuss-Monolog performen – doch Lindsay liefert ihn mit makellosem Stil. Keck und frech: Ihre brillante Performance ist perfekt im Einklang mit den Newsies, die sie unterstützt.
Steve Blanchards Pulitzer ist unbeirrbar – mit einem Hauch von Schurke. Es gibt keinen Moment, in dem man diese Darstellung nicht glaubt. Aisha De Haas als Medda Larkin ist eine herrlich schlagfertige und wunderbar liebenswerte Unterstützerin der Newsies – und seien wir ehrlich: Das brauchen sie auch, wenn sie auf John E. Bradys durch und durch fiesen Wiesel treffen.
Disney ist zudem dafür zu loben, dass es in der Kinofassung eine Pause gibt. Für alle, die schon Mühe hatten, eine dreistündige Vorstellung von Les Miserables ohne Unterbrechung durchzuhalten, war die Pause sehr willkommen – und sie verstärkte den theatralen Charakter des Events.
Jeff Calhouns meisterhafte Inszenierung von Newsies funktioniert nicht nur vor Live-Publikum, sondern überträgt sich auch wunderschön auf die grosse Leinwand. Es ist grossartig, eine Bühnenproduktion einmal so nah erleben zu können. Ich freue mich darauf, Newsies noch einmal mit einem grösseren Publikum zu sehen – um herauszufinden, ob der Saal so reagiert, wie ich es vermute. Ich jedenfalls wollte am Ende dieser Vorstellung aufstehen und jubeln.
Nachdem ich nun gesehen habe, wie fantastisch Newsies ist, bleibt für mich nur eine Frage: Wann bekommen wir eine Bühnenproduktion hier im Vereinigten Königreich?
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