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REZENSION: Mein Schöner Waschsalon, Curve Leicester ✭✭✭✭
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Von
markludmon
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Mark Ludmon bespricht die Bühnenadaption von My Beautiful Laundrette, die derzeit im Curve Leicester zu sehen ist, bevor sie auf eine kurze Tournee geht.
My Beautiful Laundrette
Curve Leicester
Vier Sterne
Die Pet Shop Boys fingen den Geist der 80er mit ihrem Song Opportunities ein – und mit der inzwischen klassischen Zeile: „I’ve got the brains, you’ve got the looks, let’s make lots of money“. Das hätte perfekt zum britischen Film My Beautiful Laundrette gepasst, der nur wenige Monate später, 1985, in die Kinos kam. Diese Lücke wird nun in einer neuen Bühnenadaption des Films geschlossen – geschrieben von dessen Autor Hanif Kureishi und inszeniert von Nikolai Foster. Der Song ist Teil eines treibenden Soundtracks aus Hits, B-Seiten und neuen Kompositionen; die atmosphärische Musik stammt von den Pet Shop Boys selbst, Neil Tennant und Chris Lowe. Wie die Musik nimmt auch die Adaption das Beste aus dem 80er-Original und setzt einen neuen Akzent, der den Stoff für 2019 klarer zum Klingen bringt.
Weiterhin in den frühen 1980ern, in den Tagen von Premierministerin Margaret Thatcher, angesiedelt, folgt die Geschichte dem jungen Omar, der eine neue Richtung im Leben findet, nachdem ihn sein Onkel ins Geschäft holt und ihn eine heruntergekommene Wäscherei in Süd-London leiten lässt. Die Inszenierung macht die Unternehmenskultur des Thatcher-Britanniens lebendig, stellt ihr jedoch die tief verankerte postkoloniale Alltagsrassismus-Erfahrung der Gesellschaft gegenüber. Omar, gemischter Herkunft und mit einem Vater aus Pakistan, fühlt sich erneut zu seinem früheren Kindheitsfreund Johnny hingezogen – einem blonden „engelhaft wirkenden Schläger“, der zum Aggressor wurde, nachdem er in die wütende Welt der National Front hineingezogen wurde. Gemeinsam verwandeln die beiden Churchills, die passend benannte Wäscherei, in die glänzende, neonbeleuchtete Powders Laundrette – ein subtiler Hinweis auf die Gewinne aus dem Drogenhandel, die bei der Finanzierung geholfen haben.
Eine der großen Freuden des Abends ist die langsam auf kleiner Flamme köchelnde Beziehung zwischen Omar und Johnny, wenn sie vorsichtig – und oft komisch – austesten, ob ihre sexuelle Anziehung gegenseitig ist. Jonny Fines ist als Johnny eine launische, muskulöse Präsenz, voll kaum gebändigter Energie; ihm gegenüber steht Omar Malik als der gelassenere, aber still entschlossene Omar. Mit seiner gemischten Herkunft gehört Omar zu einer Generation zwischen zwei Kulturen – und das Stück zeichnet auch den Kampf seiner Cousine Tania nach, sich von traditionellen familiären Erwartungen zu lösen und ihre Identität zu behaupten: Nicole Jebeli liefert eine starke, bisweilen herzzerreißende Leistung. Ihr Vater, Omars Onkel Nasser, wird von Kammy Darweish mit einer brillanten Mischung aus Charme und Bedrohlichkeit gespielt – Teil einer älteren Generation, die noch auf ihre Zeit in Pakistan zurückblickt, zugleich aber die Möglichkeiten sieht, im Thatcher-Britannien Geld zu verdienen. Seine Frau Bilquis, gespielt von Balvinder Sopal, ist facettenreicher als im Film: gefangen in einer lieblosen Ehe, aber getragen von der Liebe zu ihrer Tochter. In einem spannenden Doppelspiel verwandelt sich Sopal außerdem in eine der Rassist*innen aus Johnnys Clique, an der Seite von Paddy Daly als dem gewalttätigen Skinhead Dschingis. Gordon Warnecke, der im Originalfilm Omar spielte, kehrt in einem wunderschönen Casting-Moment zurück – diesmal als dessen Vater – während Cathy Tyson als Nassers warmherzige Geliebte Rachel glänzt.
Grace Smarts Bühnenbild lässt sich vom urbanen Stil der 1980er inspirieren und mischt Stahl und Beton mit grellen Farben und glänzendem Chrom. Obwohl die Geschichte fest in dem Jahrzehnt verankert bleibt, das den Film hervorgebracht hat, verhandelt sie Aspekte der Einwanderungserfahrung und die sozialen Gräben, die die extreme Rechte nähren, auf eine Weise, die das Stück beunruhigend relevant für das heutige Brexit-Britannien macht.
Zu sehen im Curve bis zum 5. Oktober 2019, anschließend auf Tournee zum Belgrade Theatre in Coventry, zum Everyman Theatre in Cheltenham und zum Leeds Playhouse.
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