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REZENSION: London Tide, National Theatre, Lyttleton ✭✭✭

Veröffentlicht am

Von

pauldavies

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Paul T Davis rezensiert London Tide, aktuell im Lyttleton des National Theatre in London zu sehen.

Ami Tredrea. Foto: Marc Brenner London Tide.

National Theatre, Lyttleton.

17. April 2024

3 Sterne

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„Dies ist die Geschichte eines Flusses“ – nur eine der Zeilen im Eröffnungsnummer von Ben Powers’ modernistischer Bühnenadaption von Dickens’ Our Mutual Friend, mit Songs von PJ Harvey und Powers selbst. Regisseur Ian Rickson und das Designteam lehnen sich konsequent in das Konzept der Themse hinein: Ein großartiger Auftakt zeigt, wie die Besetzung an den Strand gespült wird, und Jack Knowles’ herausragendes Lichtdesign wogt wie die Gezeiten – es schwillt an und ebbt ab, während die Darstellerinnen und Darsteller von Szene zu Szene strömen. So wird die Themse zu einer zusätzlichen, wenn nicht zentralen Figur.  Gespielt auf nahezu leerer Bühne kann Powers’ Adaption jedoch einen Makel nicht verbergen, der fast jeder Dickens-Übertragung anhaftet (mit Ausnahme der kurzen, novellenhaften A Christmas Carol): Es braucht enorm viel Exposition, um die späteren, teils unwahrscheinlichen Zufälle zu begründen.  So stimmungsvoll und oft schön Harveys Musik auch ist – sie erklärt häufig, was wir gerade gesehen haben, und bremst nicht selten die sich entwickelnde Erzählung. Und mit über drei Stunden Laufzeit ist das eine Produktion, die ein paar Kürzungen und eine stärker fokussierte, tiefere Figurenzeichnung braucht – besonders bei den Hauptrollen. Habt aber Geduld, liebes Publikum: Akt Eins ist vor allem Exposition, während Akt Zwei viele wunderschöne Tableaus bietet und das Drama schließlich aufgeht. Das bedeutet allerdings auch, dass das Stück nur gelegentlich wirklich zündet.

Die Besetzung von London Tide. Foto: Marc Brenner

Im Treibgut, das zu Beginn angespült wird, finden sich einige mitreißende Darstellerinnen und Darsteller, und das Ensemble ist durchweg äußerst sehenswert. Ellie-May Sheridan ist ein Vergnügen als schlagfertige, geradeheraus sprechende Jenny Wren – mit ein paar herrlich meta-theatralen Zeilen über „die romantische Hauptfigur“; was für eine großartige Erzählerin sie abgegeben hätte. Sehr genossen habe ich auch die Familie Wifler: Mary (Penny Layden), die scheinbar – aber nie wirklich – der Autorität ihres Ehemanns nachgibt (der ausgezeichnete Stephen Kennedy). Bella Maclean als Bella Wifler, erst potenzielle, dann tatsächliche Erbin, überzeugt trotz der unwahrscheinlichen Wendungen und verfügt über eine kraftvolle Singstimme; allerdings bleibt sie eher zurückgenommen – sie lässt nicht richtig los und bringt keinen raueren, rockigeren Ton hinein. Doch alle Hauptrollen – Ami Tredrea als Lizzie Hexam, Tom Mothersdale als romantisches Gegenüber John Rokesmith, Joe Armstrong als Roger Riderhood – müssen gegen eine zweidimensionale Figurenzeichnung ankämpfen; Besetzung und Erzählbogen sind zu breit angelegt, um innezuhalten und tiefer zu graben. So wird Scott Karims misogynistischer, bedrohlicher Bradley Headstone eher zur komischen Figur als zu einer echten Gefahr. (Während ich Dickens’ Wortwitz und Namensgebung bewundere, ein Extra-Applaus für Peter Wrights herrlichen Noddy Boffin!)

Jamael Westman und Ami Tredrea in London Tide. Foto: Marc Brennerondon Tide

Über weite Strecken in Monochrom inszeniert, wirkt das Ganze, als müsse es gelegentlich in mehr Farbe und Tiefe übergehen; wie der Fluss, der hindurchfließt, erscheint es mitunter trüb und unklar. Die Bewegungssprache wirkt – nach so vielen Jahren mit Frantic Assembly und Complicité – etwas abgeleitet und sicher. Dennoch gibt es einige hervorragende Songs, die sowohl stimmlich als auch erzählerisch aus der Figur heraus vorgetragen werden. Doch die wirklich relevanten Informationen – etwa der „Staubhaufen“ und das Geld, das sich damit verdienen lässt – stehen eher in den sehr guten Artikeln im Programmheft, als dass sie von der Bühne her vermittelt würden. Es fließt wie ein angeschwollener Fluss, und dennoch finden sich in der Laufzeit viele sehr vergnügliche Passagen.

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