NACHRICHTEN
REZENSION: L*dyL*ke, Colchester Arts Centre, Colchester Fringe ✭✭✭✭
Veröffentlicht am
27. Oktober 2023
Von
Leitartikel
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Gastkritiker Noah Pantano bespricht L*dyL*ke im Colchester Arts Centre im Rahmen des Colchester Fringe.
L*dyL*ke
Colchester Arts Centre, Colchester Fringe
4 Sterne
Dramatisch. Fliessend. Voller Hingabe. Ich bezweifle, dass man heute Abend das Theater verlassen konnte, ohne zu denken, die Tänzer*innen von TOBYmoves seien etwas anderes als absolute Profis ihres Fachs. Die Choreografie, von Katy Higgins in Zusammenarbeit mit den drei weiteren Tänzer*innen (Hayley Russell, Jonathon Prestney und Lindsey Woods) entwickelt, wurde nahezu perfekt umgesetzt. Der Tanz bewegte sich irgendwo zwischen Berliner Nachtclub-Atmosphäre, avantgardistischer Modenschau und Punchdrunk-artigen, modernen Tanzsequenzen. Die Eröffnungsnummer, die sich allmählich aus repetitiven Bewegungen zu immer grösserer Intensität steigerte, wirkte wie direkt aus einer Oper von Robert Wilson entnommen. Bei allem Lob: L*dyL*ke braucht eine stärkere dramaturgische Begleitung, um seine Themen weiter ausloten zu können. Mir hatte das Gefühl, dass die Inszenierung nicht weit genug geht, wenn es um Geschlechtsidentität und die Grenzen einer heteronormativen Gesellschaft geht. Mit Momenten echter Brillanz – insbesondere dem ätzenden Solo von Katy Higgins und der erschreckend subversiven Nummer zu Tom Jones’ „She’s A Lady“ – steht ausser Frage, dass die Substanz vorhanden ist. L*dyL*ke’s Choreografie hat Biss, aber man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der letzte Schlag zurückgehalten wird. Nennt es persönliche Vorliebe, doch der Optimismus der Produktion in Bezug auf die Erkundung von Geschlecht wirkte ohne einen wirklich introspektiven Blick darauf, wie Geschlechterbinaritäten den Körper traumatisieren, etwas hohl. Wenn überhaupt, zeigt diese Kritik nur, wie sehr wir uns mehr gewünscht hätten, als die kurze Laufzeit zulassen konnte. Dennoch sollten die Tänzer*innen auf eine so starke Performance stolz sein, und ich würde mir sehr gern eine längere, stärker fokussierte Fassung dieser Arbeit ansehen. Ich bin gespannt, wie sich dieses Stück weiterentwickelt – und auf alles, womit TOBYmoves uns als Nächstes beglückt.
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