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REZENSION: Kill Me Now, Park Theatre ✭✭✭✭
Veröffentlicht am
Von
stephencollins
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Jack McMullen, Greg Wise und Charlotte Harwood in Kill Me Now. Foto: Marilyn Kingwill Kill Me Now
Park Theatre
27. Februar 2015
4 Sterne
Der Vater ist groß, muskulös, Amerikaner. Belastbar. Der Sohn ist nicht klein, hager, und sein Körper ist verkrüppelt. Seine Hände, beide, sind knorrig und für feine Arbeiten praktisch unbrauchbar. Seine Beine sind verdreht und tragen sein Gewicht nicht; er kann nicht gehen. Sein Gesicht ist in unbequemen Winkeln verzerrt, sein Mund hat eine seltsame Form in einem ansonsten hübschen Gesicht.
Der Vater badet den Sohn. Beide fühlen sich unwohl, aber aus unterschiedlichen Gründen. Dem Sohn ist es unangenehm, weil die Pubertät angeklopft hat und er seinen Penis nicht unter Kontrolle hat; dem Vater, weil der Sohn sich unwohl fühlt. Er hat seinen Sohn fast sein ganzes Leben lang gebadet, aber plötzlich ist es unangenehm. Der Sohn klagt über einen wunden Hintern. Der Vater verspricht, eine beruhigende Salbe aufzutragen, sobald das Baden vorbei ist. Dad wäscht die Genitalien. Plötzlich, eine neue Präsenz. Eine Erektion.
Später erzählt der Vater diesen Moment qualvoller elterlicher Pein seiner Geliebten, einer verheirateten Frau mit einem unaufmerksamen Ehemann und zwei gesunden Söhnen. Mit beunruhigender Ruhe schlägt sie vor, Dad solle seinem Sohn Erleichterung verschaffen. Wenig überraschend ist Dad fassungslos. Doch sie bleibt dabei. Der Junge braucht Erleichterung. Wäre es ihr Sohn mit der Erektion in ähnlichen Umständen, und wäre er schwul, würde sie ihm Erleichterung verschaffen; wäre er hetero, würde sie seinen Vater dazu bringen. So könnte keine Spur von Begehren im Spiel sein. Die Augen des Vaters werden groß.
So auch die Augen aller im Publikum.
Das ist Braham Murrays Inszenierung von Brad Frasers Stück Kill Me Now, das im Park Theatre seine Europapremiere feiert. Es ist ein Kammerspiel – so erschütternd und zutiefst persönlich, wie sie nur sein können. Es verhandelt gewichtige Themen: Fragen von Normalität, Ehebruch, elterliche Verantwortung, kindliche Pflicht, die Grenzen häuslicher Pflege für Menschen mit Behinderung, Prostitution und Sterbehilfe – und bleibt doch stets geerdet in Schmerz und Freude einer erweiterten Familie.
Keine Frage: Das ist ein Augenöffner. Es nähert sich schwierigen, ja tabuisierten Themen mit treffsicherer Offenheit. Während die unpassend benannte Familie Sturdy den überwältigenden Wechselfällen des Lebens ins Auge sieht – mit so viel Würde, Spannung, Mitgefühl und Wut, wie man es von einer kleinen Familie erwarten kann –, wirkt jeder Schlag schrecklich und zugleich unvermeidlich, und eine praktikable Lösung für das gemeinsame Elend scheint immer weniger zu formen. Doch die Liebe und der Humor, die sie zugleich zusammenschneiden und zusammenhalten, ermöglichen eine Lösung, die sowohl zärtlich als auch verheerend ist.
Fraser schreibt knappe, realistische Dialoge, die zum Kern von Figur wie Situation vordringen. In Teilen ist das brutal, an anderer Stelle ungemein ehrlich und durchweg wirklich komisch. Einige Passagen ziehen sich minimal, und vielleicht sind ein, zwei Themen zu viel im Gemisch, doch insgesamt ist es ein beeindruckendes Werk, das sich traut, ungewohnte Wege zu gehen.
Und die Figuren, die er erschafft, sind überraschend und fesselnd.
Greg Wise, nach langer Bühnenabstinenz zurück am Theater, überzeugt als alleinerziehender Vater, der alles tut, um seinen schwerbehinderten Sohn zu schützen und zu versorgen. Am stärksten ist er in Momenten tiefster Intimität, stillen Schmerzes. Die Szenen mit seiner heimlichen Geliebten sind voller Zurückhaltung und Aufrichtigkeit und bilden einen hervorragenden Kontrast zu den Szenen der Gegnerschaft und spitzen Gereiztheit (bei echter, anhaltender Zuneigung) mit seiner Schwester aus der Corporate-Welt.
Doch es sind die Szenen mit seinem Sohn Joey, in denen Wise seine feinen schauspielerischen Qualitäten am deutlichsten zeigt. Vom Eröffnungsbild an – in dem die erste Badeszene stattfindet – etabliert Wise eine klare Verbindung zu Oliver Grooms Joey. Das Gefühl lebenslanger Hingabe ist greifbar. Darauf aufbauend schaffen die beiden Momente schmerzender, nahezu unvorstellbarer Unmittelbarkeit. Der Augenblick, in dem Joey wütend verlangt, dass sein Vater und seine Tante über Sterbehilfe sprechen, ist herzzerreißend – vor allem, weil Wise den Vater vollkommen real, fehlbar menschlich gemacht hat.
Oliver Groom ist ein begabter, präziser Darsteller – das zeigt er hier als knorriger, körperlich hilfloser, geistig jedoch messerscharfer Joey eindrucksvoll. Er gibt seinen ganzen Körper der Aufgabe hin, mutig und entschlossen; er schafft eine körperlich spürbare Charakterisierung und verbindet sie mit intelligenten, ausdrucksstarken Augen, die unablässig kommunizieren, sowie mit kluger stimmlicher Beweglichkeit, die – trotz der Einschränkungen durch Joeys Sprachbehinderung – durchgehend Farbe, Bedeutung und Tiefe vermittelt. Und er ist auch noch herrlich komisch.
Groom zeichnet ein intensives, tief empfundenes und vollkommen ausgearbeitetes Porträt von Behinderung. Von Freude bis Wut – sein Joey ist zu allem fähig und bereit, alles zu tun. Er ist jederzeit voll präsent und rundum glaubhaft – besonders stark ist er darin, Joeys Weg vom von der Pubertät gezeichneten Jugendlichen zum jungen Mann nachzuzeichnen. Was auch immer Sie zu wissen glauben über das Leben mit einer Behinderung: Grooms Darstellung wird Sie hier erhellen.
Als Rowdy Akers, Joeys geistig beeinträchtigter Freund, dessen Lebenshunger, Spaß- und Sexdrang seinesgleichen sucht, ist Jack McMullen ein Wirbelsturm frischer, ungekünstelter Freude. Er baut eine mühelose, vollkommen glaubwürdige Beziehung zu Grooms Joey auf und zeigt, wie die Liebe und Fürsorge, die er bei Joeys Dad und Tante findet, sein Leben bereichert und ihm hilft, es zu bewältigen. McMullen ist durchgehend gewinnend und witzig, zeichnet aber auch behutsam Roddys Verzweiflung nach Familie. Eine weitere reiche, sorgfältige Leistung von großer Qualität.
Charlotte Harwood hat als Tante Twyla eine harte Aufgabe: eine Frau, die so viel Zeit und Energie in Joey und ihren Bruder steckt, dass für eigene Vergnügungen und Ziele kaum etwas übrig bleibt. Das Gefühl eines Lebens, das in Arbeit und familiärer Pflicht aufgerieben wurde, ist in Harwoods Spiel stark präsent – ohne jede Spur von Bitterkeit. Ihre Ausflüge in Alkoholismus und sexuelle Abenteuer sind fein austariert, und sie bringt echte Balance in die Dynamik des Sturdy-Haushalts, in dem sie ein ständiger Gast ist.
Als heimliche Geliebte von Joeys Dad bringt Anna Wilson-Jones praktische und sinnliche Wärme in das Leben der Sturdy-Männer. Ihre Szenen mit Dad Jake sind wunderschön getroffen: die Scham des Ehebruchs mischt sich mit der Freude echter Verbundenheit und einem gemeinsamen romantischen Bedürfnis. Später, wenn sie beginnt, eine Beziehung zu Joey aufzubauen, ist Wilson-Jones vollkommen bezaubernd: Wir sehen sie durch Joeys Augen und kennen sie durch Jakes. Es ist eine sanfte Leistung voller Zärtlichkeit und Mitgefühl.
Zweifellos könnte das Stück in rührselige Sentimentalität abgleiten, doch Regisseur Braham Murray sorgt dafür, dass Integrität das Maß bleibt – nicht Sentimentalität. Das heißt nicht, dass die Produktion nicht bewegt – sie tut es unbedingt. Aber sie ist auch erschütternd und enthält zwei der konfrontativsten Szenen, die ich je auf einer Bühne gesehen habe. Die geschickte Klarheit, mit der Murray jede Beziehung und jede narrative Schlaglochstelle ausleuchtet, sorgt für totale Aufmerksamkeit. Das Publikum ist fortwährend dabei: gefesselt, gepackt, staunend.
Das Park Theatre ist ein wunderbar wandelbarer Raum, und Juliet Shillingfords Bühnenbild nutzt das voll aus. Clevererweise ist das Stück in der Arena angelegt (streng genommen eher ein Quadrat), wodurch das Publikum beinahe Teil des Lebens der Sturdy-Männer wird. Die nackten Betonwände suggerieren Schmutz und eine Art Gefängnis, und die verschiedenen Möbelstücke etablieren mühelos die Orte, an denen die Handlung spielt. Chris Daveys Licht ist akribisch, deutet Stimmungen fein an und unterstreicht die Arbeit der Schauspieler angemessen. Auch Tayo Akinbodes Musik ist mühelos integriert, klangvoll und genau richtig.
Das ist eine wunderbare, sensible Inszenierung eines wichtigen Stücks, das mutig dorthin geht, wo nur wenige Stücke zuvor hingegangen sind. Sein zentraler Fokus auf Kommunikation und die Bedürfnisse des Menschlichen macht daraus schwieriges, konfrontierendes Theater. Doch letztlich sorgen Wärme und Geist der begabten Darsteller dafür, dass das Erlebnis lebensbejahend und außerordentlich lohnend ist.
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