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KRITIK: Julius Caesar, Castle Park Theatre Colchester ✭✭✭
Veröffentlicht am
9. Juni 2022
Von
pauldavies
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Paul T Davies bespricht Julius Caesar, die letzte Produktion in der ersten Open-Air-Saison des Castle Park Theatre.
Julius Caesar Castle Park Theatre Colchester
7. Juni 2022
3 Sterne
Für die letzte Produktion der ersten Open-Air-Saison präsentiert das Castle Park Theatre eine zeitgenössische Version von Shakespeares politischstem Stück – angesiedelt an einer englischen Secondary School. Das ist ein Konzept, das Regisseur Thomas R. Edwards sichtlich am Herzen liegt, doch unter freiem Himmel entfaltet es nur begrenzt Wirkung. Mir erschloss sich nicht recht, warum es ausgerechnet so inszeniert ist – außer, um eine Parallele zur Hierarchie an Privatschulen zu ziehen, die unsere Politiker hervorbringt. Reduziert auf eine nahezu leere Spielfläche, abgesehen von zwei Ölfässern, auf denen durchgehend rhythmisch getrommelt wird, verliert sich die Inszenierung draußen und wird zum Opfer jeder Ablenkung – vorbeijoggenden Menschen, Hunden, Jugendlichen und dem Wind in den Bäumen. Eine fünfköpfige Besetzung, einschließlich des Regisseurs, sind Erwachsene in Schuluniformen; während manche Sequenzen funktionieren (die Tode sind besonders gelungen), wirken andere – etwa Stockkämpfe – schlicht albern. Die epische Größe Roms erscheint wie ein Pausenhof-Zank, und vielleicht hätte eine jüngere Besetzung einen stärkeren „Herr der Fliegen“-Reiz entwickelt.
Der größte Pluspunkt ist das Ensemble: eng aufeinander abgestimmt und voll dem Konzept verpflichtet. Thomas R. Edwards selbst ist ein kraftvoller Antonius, besonders in der Rede „Freunde, Römer, Landsleute“, und Roisin Keogh ist eine ausgezeichnete Caesar und Octavius, mit klarem Fokus auf die wechselnden Machtverhältnisse. Ben Jacobson gibt einen überzeugenden Brutus, und Charlotte Luxford spinnt als Casca die Intrigen effektiv. Die stärkste Leistung kommt jedoch von Grace Dunne als souveräne Cassius – ein bemerkenswertes Debüt am Castle Park Theatre. Stimmlich sind sie alle hervorragend, der Text glasklar verständlich, und sie bewegen sich wie aus einem Guss.
Auf flotte 90 Spielminuten gekürzt (mit einer etwas unnötigen Pause), wirkt die Produktion etwas in sich geschlossen und hätte davon profitieren können, den gesamten Parkraum zu nutzen statt nur die Bühne. Der Saisonauftakt Ben Hur bot deutlich mehr Spektakel als diese Aufführung – und genau darin liegt für mich das Hauptproblem. Im Wettstreit mit den Elementen muss Open-Air-Theater die Aufmerksamkeit packen; das ist vielleicht ein Punkt, den man bei künftigen Produktionen berücksichtigen sollte.
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