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REZENSION: Wenn wir noch etwas mehr Kokain hätten..., Vault Festival ✭✭

Veröffentlicht am

Von

julianeaves

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Wenn wir noch etwas mehr Kokain hätten, könnte ich dir sagen, wie sehr ich dich liebe

Vaults Festival,

22. Februar 2018

2 Sterne

Website des Vaults Festival Wenn es je einen Fall gab, in dem eine Inszenierung bei einem Umzug in einen anderen Spielort plötzlich ganz anders wirkt und sich auch so anfühlt, dann ist es dieser.  Nachdem das Stück in dem winzigen, gemütlichen Raum über dem Old Red Lion in Angel, Islington, überzeugt hatte, wurde es vom diesjährigen Vaults Festival übernommen – und, seiner narkotischen Anziehungskraft entsprechend, mit einer angenehm großzügigen Spielfläche bedacht, in die es deutlich größere Publikumszahlen lockte.  Und der Effekt?

Nun, zunächst einmal ist der erste Eindruck von Georgia de Greys „Mary-Poppins“-artigem Dach-Set und den Comic-Hallowe’en-Kostümen, umhüllt von Derek Andersons und Sheila Murphys Lichtdesign, während John McLeods Sounddesign durch unsere Ohren weht, durchaus einnehmend.  Wir sind amüsiert.  Und wenn Alan Mahon und Josh Williams anfangen, ein paar bewusst hölzerne Bühnenhöflichkeiten auszutauschen – einer von ihnen mit einer herrlich „oirish“ angelegten Nummer als der „alte“ Knacki, der den jüngeren, weniger erfahrenen Kerl auf dem rechten Weg halten will, ganz im Stil von Shaws besten grotesken dramatischen Stereotypen –, dann stellt sich sogar ein wohliges Gefühl der Vertrautheit ein: mit der Situation wie mit ihren Figuren, während sie alles karikieren, was uns lieb und teuer ist – bis hinein in unsere britische Lebensart in ihrem heiligsten Kern.

Doch dieses Wohlgefühl hält nicht an.  Sehr schnell wird uns allzu bewusst, dass das, was in Islington als brillant fokussierter Bestandteil des Bühnenbilds funktionierte – das zentrale Element des geneigten Dachs, das man sich in dem winzigen Raum des ORL so leicht als aufregend verdichteten Blickfang vorstellen kann –, in einer frontalen, prosceniumartigen Anordnung mit einem breiten Schwung aus hunderten ansteigenden Sitzplätzen, die darauf ausgerichtet sind, plötzlich einen völlig anderen Effekt hat.  Statt von der verblüffenden „Realistik“ der Mise-en-scène über die gut 70 Minuten hinweg gefesselt zu sein, fühlte ich mich eher an Jonathan Millers ENO-Produktion von „Tosca“ erinnert, in der er das Geschehen schräg auf eine seitlich abfallende zentrale Plattform legte, auf der sich Leute wie Jo Barstow in beinspreizenden Posen behaupten mussten – in schicker italienischer 1940er-Couture –, während sie sich in geradezu unnatürlicher Weise durch die Stationen von Puccinis ziemlich schäbigem kleinen Schocker bewegten.  Dort kam man damit durch, weil – nun ja – es eben Oper war, und in dieser fantasievollsten und unnatürlichsten aller Kunstformen ist ohnehin nichts wirklich „real“.

Hier nicht.  Nicht, wenn Paddy und sein nicht-irischer Sidekick ohne Umschweife darüber lospoltern, wie sehr ihnen die Welt Unrecht getan hat.  Wir sollen an ihre Wirklichkeit glauben, wir sollen mitfühlen.  Dagegen ist das ständige Rutschen und Gleiten über die Dachziegel, das endlose, gefährliche Haschen nach Halt und Tritt, nichts als Ablenkung und Behinderung.  Schade.  Es gibt hier durchaus Ansätze zu einer fesselnden Geschichte – besonders in der Schilderung des Diebstahls aus der Familie –, doch all das geht hoffnungslos unter in der nervösen Anspannung darüber, ob und, wenn ja, wie es das Ensemble bis zum Ende schafft, bevor jemand von der Kante kippt und in … uns hinein.

Ach nun.  Es war eine nette Idee.  Anfangs sah es auch gut aus und ließ Thomas Martins schlichte, aber recht klare Regie von Jon O’Donovans mäanderndem Text vielleicht nach etwas mehr aussehen, als es letztlich ist.  Leider machen nette Ideen allein noch kein Theater.  Wenn wir noch etwas mehr Kokain gehabt hätten, hätte das Stück vielleicht deutlich besser gewirkt.  Aber hatten wir nicht.  Einsatz Carole King … „Up on the roof“.

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