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REZENSION: Happily Ever Poofter, King's Head Theatre ✭✭✭✭
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Von
julianeaves
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Julian Eaves rezensiert Happily Ever Poofter im King's Head Theatre, London.
Foto: Rah Petherbridge
Happily Ever PoofterKing's Head Theatre 23. Januar 2020 4 Sterne Tickets buchen Entstanden im Schmelztiegel der Royal Vauxhall Tavern im vergangenen Jahr, ist diese Solo-Musical-Show seither immer weiter gewachsen. Nach Stationen im Above The Stag und im Canal Café Theatre war sie beim Edinburgh Fringe im letzten Sommer ausverkauft – und im September kurzzeitig auch wieder an genau dieser Adresse. Am Text wurde kräftig gefeilt: Viel von der früheren, allzu didaktischen Schärfe wurde abgelegt, dafür gibt es nun einen willkommenen Fokus auf den derben, campen, vom Drag-Act-Humor und dem Schlagabtausch ihrer Ursprünge inspirierten Witz. Im Juli war das Stück voller Verheissung, mit Geistesblitzen; jetzt sprüht es vor Schwung und Showbiz-Panache… wenn auch weiterhin mit kleinem Budget. Erzählt wird die Geschichte eines schwulen Disney-Prinzen, der unglücklich ist, in der idyllischen Welt der Zeichentrickfiguren zu leben. Sein „Feen-Patenonkel“ schickt ihn in die „Gay Town“ (das heutige London), damit er frei und glücklich leben und seine grosse Liebe finden kann. Daraufhin begibt er sich auf eine rasante Tour durch das queere London – mit allen bekannten Hotspots von Vauxhall bis Soho und Hampstead Heath. Locker durchsetzt mit raffiniert und einfallsreich parodierten Disney-Songs – Text und Lyrics stammen vollständig vom Schöpfer und Darsteller Rich Watkin – wird daraus eine fröhliche, freche, gelegentlich tragische und nachdenkliche, letztlich aber warmherzige Feelgood-Show, die die Fantasie anregt und die Stimmung hebt. Mit einem pfiffigen kleinen Bühnenbild von Alicia Fowles und Kostümen, zusammengebraut vom Multitalent Watkins und „Bourgeoisie“, dazu stilsicher ausgeleuchtet von David Digby und mit einem swooshenden, wuchtigen Sounddesign, sieht und klingt das Ganze grossartig. Noch besser: Watkins hat ein deutlich strafferes, geschliffeneres Skript geschaffen: Die Erfahrung, die Show in Edinburgh jeden Abend zu spielen, hat seinen Zugriff aufs Publikum enorm reifen lassen und seinen spielerischen Interaktionen mit ihm spürbar mehr Licht und Schatten verliehen. Er zieht weiterhin ein breites Publikum an – spricht besonders eine schwule männliche Zielgruppe an, gewinnt aber ebenso viel Rückhalt und Zustimmung aus dem Mainstream. Zudem ist es eine der kniffligsten Formen überhaupt: das Ein-Personen-Musical. Keine kleine Leistung, damit einen solchen Erfolg zu landen. Entscheidend für die Verbesserung der Show ist der Beitrag von Watkins’ Co-Produzent und Regisseur Denholm Spurr. Spurr hat mit Auge und Ohr das Material immer weiter geschärft und in eine zunehmend elegante, geschmeidige Form gebracht: Der Stil ist hier ganz klar Stand-up-Cabaret… eingebettet in einen erzählerischen Rahmen. Er hält die beiden künstlerischen Stränge mit flinker Souveränität in Balance und verliert dabei nie den Überblick – bestens ergänzt durch Simone Murphys würzige Choreografie. Alle teilen einen tiefen Glauben an das Projekt, und die enorme Energie, die sie in seine Entwicklung stecken, hat es – vor allem – so weit getragen und wird es weiter vorantreiben, auf einer Reise, die das Stück mit Sicherheit weiter wachsen lässt. Die Show ist nun für eine dreiwöchige Spielzeit im King’s Head zu sehen, bevor sie auf internationale Tour geht – nach Australien, Deutschland, in die Tschechische Republik und möglicherweise auch nach Frankreich und Belgien –, um dann im kommenden Sommer für eine zweite Visite nach Edinburgh zurückzukehren. Das in relativ kurzer Zeit mit ihrer ersten Produktion erreicht zu haben, ist schon bemerkenswert. Zweifellos gibt es noch Dinge, die weiter zu verfeinern sind, doch das Tempo der Entwicklung zeigt, dass hier Talente mit besonderem Scharfsinn und Fantasie am Werk sind. Ich habe bei dieser Vorstellung oft laut gelacht – und mich danach um einiges besser gefühlt. Ein Happy End? Nun ja: Bei diesem Gastspiel ist ein Ende noch nicht in Sicht – aber bisher war es eine grossartige Fahrt. Unbedingt anschauen, solange es geht.
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