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KRITIK: Guy Das Musical, King's Head Theatre ✭✭✭✭

Veröffentlicht am

Von

julianeaves

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Julian Eaves bespricht „Guy – das Musical“, das derzeit im King’s Head Theatre läuft.

Guy – das Musical King’s Head Theatre,

31. August 2018

4 Sterne

Das ist ein wirklich aufregendes neues Werk eines frischen Songwriter-Duos: Buch- und Liedtexter Leoe Mercer sowie Komponist/Arrangeur Stephen Hyde – zwei Oxford-Kumpel, frisch von der Uni, mit der Mission, das Musicaltheater auf belebend neue, wunderschöne Weise neu zu erfinden, mit synth-popigen Nummern im Albumformat.  Das sind Menschen, die genauso gut für die Popindustrie schreiben könnten – und vielleicht werden sie das sehr bald auch: Sie haben ein Gespür für den Sound von heute und treffen mit ihren exquisit ausgearbeiteten, herrlich ansteckenden Songs direkt ins Herz.

Die beiden Autoren lernten sich während ihres Studiums an der University of Oxford kennen (Philosophie und Theologie bei Leoe, Musik bei Stephen) und stellten schnell fest, dass genau das ihr Ding ist.  Letztes Jahr brachten sie ihr erstes Musical heraus, „The Marriage of Kim K“ (ja, es geht um die wunderbare Mrs Kardashian), das sehr gut lief und nun kurz vor der Eröffnung in Australien steht.  Im vergangenen November – wirklich erst im vergangenen November – beschlossen sie derweil, einen weiteren Aspekt zeitgenössischer Popkultur zu erkunden: schwule Internet-Hook-ups (oft beschönigend als „Dating“ bezeichnet – wer „Chicago“ gesehen hat, kennt den Unterschied zwischen „fooling around“ und „sleeping around“ – also machen wir uns nichts vor, ja?).  Was dann entstand, war ein Bündel von Songs, ganz wie man sie auf einem Konzeptalbum finden würde: Diese fanden ihren Weg im Rahmen eines Festivals neuer Arbeiten auf die Bühne des Bunker Theatre in Southwark (schon im Mai dieses Jahres), wo das Stück für einiges Aufsehen sorgte.  Es folgte eine Tour, unter anderem nach Manchester ans Hope Mill und nach Buxton.  Die Kritiken strömten herein, viele davon ausgesprochen begeistert und oft mit hilfreichen Beobachtungen und Vorschlägen.  Leoe und Hyde – so kennen wir sie inzwischen – nahmen all das auf und überarbeiteten – sprich: schrieben neu – gut 80% der Show; und es ist DIESE jüngste Inkarnation, die wir nun im Angel zu sehen bekommen haben.  Der zeitgenössische Pitch und Sound ihres Materials, ihre Offenheit, ihre Arbeit zu verbessern, und die Geschwindigkeit, mit der sie vorankommen, sollten die Aufmerksamkeit von Produzent:innen und Häusern im ganzen Land auf sich ziehen.

Foto: Toriabrightside

Es wird auch Zeit – denn bislang haben sie so gut wie alles selbst gestemmt.  Ganz wie Lakeland-Poeten der Gegenwart, mit Stützpunkten am nördlichen und südlichen Ende Cumbrias und einer Theaterbasis in Manchester, ist bislang alles auf bemerkenswert improvisatorischem Niveau entstanden.  Die komplette Partitur dieser Show etwa wurde auf Stephens Mac zusammengebraut.  Das schreit nach besseren Ressourcen und Investitionen.  Auch die Inszenierung hier stammt von Leoe, und er macht einen bewundernswerten Job aus dem, was im Grunde eine Produktion ohne Dekor ist.  Ein paar Kostümfetzen oder Requisiten tauchen auf und verschwinden wieder – effektiv ist das ein leerer Black-Box-Raum.  Etwas mehr Raffinesse gibt es im Licht von Rajiv Pattani, und das Sounddesign (von Produzent/Technical Manager Dan Mawson) ist beispielhaft: Das Verhältnis zwischen den Stimmen auf der Bühne und dem Playback-Score ist so gut wie perfekt und dabei stets völlig unaufdringlich.

Foto: Simon J Webb

In einem ganz praktischen Bereich punktet die Company allerdings wirklich: beim starken Casting.  Brendan Matthew (den wir zunehmend als mutigen und innovativen Regisseur kennenlernen – besonders bei neuen Arbeiten) verwöhnt uns in der Hauptrolle eines kräftig gebauten Jungen auf der Suche nach wahrer Liebe in der rasanten, kurzatmigen Welt der Insta-Befriedigung schwuler Hook-up-Apps mit einer ordentlichen Portion seiner wunderbar anziehenden hohen Stimme. Sie hat die unheimliche Fähigkeit, nahtlos zwischen Tenor- und Falsettlagen zu wechseln und so einen ätherischen, fast überirdischen Effekt zu erzeugen, der schlicht elektrisiert.  Großartig unterstützt wird er in seiner Suche vom spielfreudigen Trio deutlich hübscherer Jungs.  Da ist zunächst X-Factor-Überlebender und inzwischen Solo-Recording-Artist Seann Miley-Moore als asiatischer Athlet Aziz, dessen Interpretation von „Suppression Effect“ allein Ihnen für immer im Kopf bleiben wird: Dieser Kerl versteht alles von Timing und Phrasierung – und er bewegt sich wie ein Traum.  Sein Gegenspieler (in den meisten Dingen) ist Adam Braidley als Joe/Dom: eine weitere überaus maskuline, sportliche, energiegeladene Kraftleistung, mit einem Händchen für Comedy und blitzschnelle Wechsel zwischen seinen Figuren – eines der Highlights des Abends.  Und dann ist da noch Mitbewohner Tyler, Steve Banks, ebenso sportlich wie die beiden anderen.  Was er eigentlich dazu bringt, mit dem sportfeindlichen Guy zusammenzuwohnen, ist eine von vielen erzählerischen Fragen, denen das Skript bislang noch nicht einmal ansatzweise nachgeht.  Trotzdem stürzen sich alle vier Darsteller mit Verve in ihre Rollen und haben ein bemerkenswertes Engagement für die Weiterentwicklung gezeigt, indem sie viele eigene Ideen einbrachten – besonders dafür, wie frisch und unverbraucht die Dialoge meist klingen.  Die ursprüngliche Choreografie von Yukiko Masui wird hier mit Panache wiederbelebt, ebenso ein guter Teil der ursprünglichen Regie.

Ich bin sicher, dass die Autor:innen mit der Zeit – und sehr wahrscheinlich eher früher als später – tiefer in diese sympathischen Figuren eintauchen, die sie gezeichnet haben, und ihnen mehr Substanz geben werden.  Der Moment ist reif dafür.  Die Show ist inzwischen auf zwei Teile angewachsen, mit Pause, und fühlt sich nun eher wie ein vollständig entwickeltes Stück an.  Natürlich würden ein größeres Budget und mehr Zeit eine wunderbare theatrale Ausgestaltung dieses Konzepts ermöglichen – ebenso wie eine noch stärker geglättete Aufführung dessen, was wir bislang haben.  Stand jetzt sind wir an einem Punkt, an dem wir uns mit den Herzen dieser Figuren verbinden und uns um sie sorgen: Als Zuschauer will ich als Nächstes zumindest viel, viel mehr über sie erfahren.  Ich bin überzeugt, dass die überwältigenden Stärken dieser robusten und erfinderischen Kreativen Antworten auf die Fragen in unseren Köpfen finden werden – auf Arten, die wir nicht einmal ansatzweise erahnen können: Sie sind einfach zu gut, um uns das Offensichtliche zu liefern.  Was sie uns geben, ist etwas Besonderes.  Bevor das jedoch passiert, ziehen sie bereits zum nächsten Projekt weiter: „Queueue“, ein immersives Musical über die Internetabhängigkeit der Millennials.

Bleiben Sie dran und verfolgen Sie, wie sich ihre Arbeit als Nächstes entwickelt – über ihre Website.  Und denken Sie daran: verantwortungsbewusst surfen.

Bis 1. August 2018

JETZT FÜR GUY BUCHEN

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