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KRITIK: Oma rettet den Tag, New Wolsey Theatre ✭✭
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Von
pauldavies
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Paul T Davies bespricht Grandma Saves The Day, basierend auf den Figuren aus dem Cartoon-Strip von Ronald Giles, jetzt im New Wolsey Theatre zu sehen.
Die Besetzung von Grandma Saves The Day. Foto: Robert Day Grandma Saves the Day!
New Wolsey Theatre, Ipswich.
1. Mai 2019
2 Sterne
Für ihre neueste Rock’n’Roll-Pantomime präsentiert das New Wolsey Theatre dieses Musical mit der Familie Giles – den Stars des enorm beliebten Cartoon-Strips von Ronald Giles. Seine Cartoon-Familie debütierte 1945 im Daily Express und lief anschließend bis 1991 im Sunday Express. Als langjähriger Einwohner von Witnesham bei Ipswich wird Giles mit einer Statue geehrt: Grandma Giles hat ihren Platz im Stadtzentrum. Offiziell ist es nicht ihre Rock’n’Roll-Panto, doch die Produktion entwickelt sich aus ihrer starken Tradition von Schauspieler:innen/Musiker:innen-Stücken, besonders zur Festzeit. Aus dieser Tradition sind auch einige hervorragende Produktionen wie Once und Made in Dagenham hervorgegangen – hier jedoch bleibt das Konzept blass, vor allem wegen eines derben, unbeholfenen Textes von Phil Wilmott, der der Show kaum Zusammenhalt verleiht.
1987 zieht die Familie Giles in ein Council House in Ipswich, direkt neben der snobistischen, aufstiegsorientierten Familie Stinkleton. Eine Geschichte von unglücklich verliebten Turteltauben – der jungen Bridget Giles und Larry Stinkleton – wird mit Links-rechts-Politik verknüpft, doch von Beginn an wirkt es, als sei zuerst die Songliste festgelegt worden und das Buch anschließend irgendwie drumherum gezimmert – und man sieht die Pointen meilenweit kommen. Mrs Stinkleton heißt Eileen, also weiß man sofort, dass ihr lüsterner Ehemann Come On Eileen singen wird; Tochter Carol steht auf einen Typen aus der Fish-and-Chip-Bude – klar, der hält sich für Elvis. Grandma Giles ist im Cartoon stumm, hier bekommt sie genau ein Wort: „Gertcha“ – als Signal für den Chas-&-Dave-Song. Ja, so unsubtil ist das.
Positiv hervorzuheben sind Cleo Pettits hervorragendes Bühnen- und Kostümbild, das den Look des Cartoon-Strips durchgehend wunderbar einfängt und die Familie Giles für Kenner:innen sofort erkennbar macht – und die Besetzung ist großartig und arbeitet sich wirklich die Seele aus dem Leib. Besonders Guy Freeman ist herrlich komisch als liebestrunkener Larry, kongenial zu Grace Lancasters brillanter Bridget; Steve Simmonds begeistert das Publikum als Grandma, und Ben Goffe wirbelt großartig als Eric Giles über die Bühne. Der Sozialist in mir fand die politische Haltung des Musicals sehr begrüßenswert – aber dass Thatcher Killer Queen und One Way or Another singt, werde ich nie akzeptieren, egal wie gut Alice Keedwell das performt.
Die Witze stammen aus den 1970ern und 80ern und gehören fest ins Carry On-Genre. Daran ist nichts auszusetzen, aber schon vor fast vierzig Jahren hat Spitting Image ähnliches Material mit deutlich schärferer satirischer Kante gemacht – und diese Show ist ungefähr so subtil wie ein betrunkener Ipswich-Nachtschwärmer, der an einem Samstagabend im Stadtzentrum über die Grandma-Statue klettert. Allerdings kennt das New Wolsey sein Publikum gut. Diese Show wird für alle unter vierzig wenig bis gar nichts bedeuten, und es hilft, wenn man aus Ipswich kommt, denn viele Witze sind sehr lokal (ebenfalls ein Panto-Klischee) – und wenn man Giles’ Werk kennt, das mit einer Cartoon-Familie pointiert Weltgeschehen kommentierte. Das Publikum, auf das das zutraf, hatte einen großartigen Abend, und es besteht kein Zweifel: Das ist eine Show, die dem Publikum gefallen will – und das auch schafft.
Bis 18. Mai
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