NACHRICHTEN
REZENSION: Friendsical, Mercury Theatre Colchester ✭✭✭
Veröffentlicht am
23. September 2022
Von
pauldavies
Share
Paul T Davies rezensiert Friendsical im Mercury Theatre Colchester im Rahmen der UK-Tournee.
Friendsical
Mercury Theatre, Colchester
22. September 2022
3 Sterne
Es ist schwer, sich vorzustellen, dass jemand in diese Show geht, ohne Fan von Friends zu sein – der legendären Comedy-Serie über eine Gruppe von … Freunden. Die Serie ist so ikonisch und kulturell so fest verankert, und der erste Lockdown hat noch mehr Zuschauer:innen zur Serie geführt. Das Musical von Barry Bignold und Miranda Larson ist eine „Parodie, inspiriert von der Clique aus Friends“. Und genau hier sitzt die Produktion etwas unglücklich zwischen den Stühlen: Es gibt zu viel Meta-Theater, in dem Ross – zugleich unser Erzähler – ständig die verdichteten Zeitabläufe erklärt, um alle zehn Staffeln in einen Abend zu packen. Wir als Publikum sind nicht auf den Kopf gefallen; das ist uns klar, und die Show wird quälend langatmig, weil sie das fast über den gesamten, knapp dreistündigen Abend hinweg ausbuchstabiert. Streicht man das, kommt man zum spaßigen Teil: die Fan-Lieblingsmomente und ironischen Seitenhiebe auf die offenen Fragen der Serie – warum trägt Rachel bessere Klamotten als die anderen weiblichen Figuren, und wie genau konnte Monica sich dieses Apartment am Central Park leisten? Es ist ein Musical in zwei Hälften, wobei die besten Szenen und Songs von der Absurdität und dem Spaß der Originalserie leben. Thrones, das Game-of-Thrones-Musical, konzentrierte sich in Edinburgh ausschließlich darauf, alle ausgestrahlten Staffeln in 70 Minuten zu präsentieren – ein deutlich erfolgreicherer Ansatz.
Weil das Original so ikonisch ist, erwarten wir fast automatisch, dass die Besetzung den ursprünglichen Darsteller:innen ähnlich sieht. Am besten gelingt das – und zudem mit großer musikalischer Souveränität – der hervorragenden Sarah Michelle-Kelly als Monica und Tim Edwards als Chandler; wobei er die Manierismen stellenweise etwas überzeichnet, was in der zweiten Hälfte überstrapaziert wirkt und das Tempo bremst. Auch wenn Amelia Kinu Muus Rachel äußerlich nicht ähnelt, sind Stimme und Gestik hervorragend – sie trifft die Figur perfekt. Es ist eine Show mit furchtbaren Perücken, und das hat meinen Spaß an Ally Retbergs Phoebe beeinträchtigt: Ich konnte die Figur dadurch einfach nicht richtig erkennen (auch Gunther sah hier nie so aus wie in der Serie). Und Sario Solomon sowie Nelson Bettencourt sehen ihren berühmteren Pendants Joey und Ross überhaupt nicht ähnlich – vielleicht hätten sie die Rollen tauschen sollen, um überzeugender zu sein. Der prominente Gaststar in Colchester war Jake Quickenden, bekannt aus dem Fernsehen durch The X Factor und Dancing on Ice. Ich kenne seine Arbeit nicht besonders, aber er setzt sein gutes Aussehen und seinen Körper sehr wirkungsvoll ein und stiehlt in vielen Momenten die Show; er ist sympathisch, ehrlich witzig – und hat ganz sicher eine lukrative Panto-Karriere vor sich!
Das Ensemble singt und tanzt hervorragend, und auch wenn das Musical keinen echten „Showstopper“ liefert, sind die besten Songs – etwa He’s Her Lobster und Richard’s Moustache – ein Vergnügen, weil sie direkt den Fan-Nerv der Serie treffen. Insgesamt ist es ein gemischtes Paket, und der Abend erinnert einen vor allem daran, wie nervig Ross war – und wie sehr die Ross-und-Rachel-Storyline überstrapaziert wurde.
Auf Tournee: https://www.friendsicallive.com/ Mehr über das Mercury Theatre Colchester
Erhalten Sie das Beste des britischen Theaters direkt in Ihr Postfach
Seien Sie die Ersten, die sich die besten Tickets, exklusive Angebote und die neuesten Nachrichten aus dem West End sichern.
Sie können sich jederzeit abmelden. Datenschutzrichtlinie