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REZENSION: Dorian, The Wardrobe Theatre Bristol ✭✭✭
Veröffentlicht am
Von
pauldavies
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Paul T Davies bespricht Phoebe Éclair-Powell und Owen Horsleys Stück Dorian, aufgeführt im Wardrobe Theatre in Bristol.
Dorian
Wardrobe Theatre, Bristol
3. Juni 2023
3 Sterne
Als Teil eines Festivals mit Arbeiten der MA-Regieabsolvent*innen des Bristol Old Vic zieht das Stück von Phoebe Éclair-Powell und Owen Horsley recht offensichtliche Parallelen zwischen Oscar Wildes Sturz und Prozess und der Titelfigur in seinem gefeierten Werk Das Bildnis des Dorian Gray. Wenn man – wie die meisten Theatermenschen – weiß, wie es sowohl Wilde als auch Dorian ergeht, fehlt dem Abend stellenweise der dramatische Sog, und er schleppt sich etwas Richtung Schluss. Es ist ein nihilistisches Stück; die Exposition wird von drei Figuren getragen, und Regisseurin Phoebe Kemp nimmt sich vielleicht nicht genügend Zeit, die emotionale Tiefe des Textes wirklich auszuleuchten. Der Gewinn: Das Tempo ist hoch, und drei starke Darstellungen ziehen das Publikum mit.
Tommy Belshaw ist hervorragend als Dorian, mit einer wachsenden Arroganz und einem Gefühl von Unverwundbarkeit, das sich in den Zuschauerraum ausbreitet. Dorian nutzt seine Kräfte nicht zum Guten und bleibt eine unsympathische, eher eindimensionale Figur – doch Belshaw meistert die Herausforderungen der Rolle. Gaia Ashwood übernimmt die Mehrfachrollen großartig, besonders als Sybil Vane, und Che Tligui ist ebenso überzeugend, vor allem als nachdrücklicher Robbie Ross, dessen Loyalität Wilde fast bis zum Ende auf die Probe stellt. Die Schauspieler halten Masken hoch, wenn sie in die Erzählebene wechseln; das empfand ich als etwas unnötig, denn sie sind stark genug, ihre Rollen klar voneinander abzugrenzen.
Abigail Manards Bühnenbild harmoniert mit der Regie: funktional, schnell, auf Rollen – und es ermöglicht eine präzise Choreografie der Umbauten. Das Porträt selbst blieb jedoch ohne wirkliche Darstellung: Es bestand aus einem Rahmen mit Glühbirnen – ein netter Verweis aufs Theater und ein Spiegel, der der Gesellschaft vorgehalten wird –, aber wir bekamen kein Gefühl von Verfall oder Inhalt. Dennoch sind die Lebendigkeit der Inszenierung und das Engagement des Ensembles äußerst unterhaltsam. Und da Homophobie und die Einstellungen, mit denen die Figuren konfrontiert werden, leider auch heute noch erschreckend relevant sind, ist dies ein Stück, das man sehen sollte – und das beim Publikum deutlich nachhallte.
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