NACHRICHTEN
KRITIK: Crocodile, Vault Festival ✭✭✭
Veröffentlicht am
7. Februar 2017
Von
julianeaves
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Krokodil
Vault Festival
1. Februar 2017
3 Sterne
Man kann sich kaum vorstellen, was London ohne die Vaults machen würde – oder wie die Stadt es geschafft hat, bevor es sie gab. Am grauen Ende des Winters, wenn wir schon sanft in Richtung der Freuden des heraufziehenden Frühlings geschubst werden, blüht unter der Erde ein grossartiges Festival auf, das mit jeder Saison grösser und faszinierender wird: Inzwischen in seiner fünften Spielzeit, dürfte es die Marke von 40.000 Besucher*innen übertreffen, die im vergangenen Jahr durch das unterirdische Labyrinth flanierten. Auch räumlich verzweigt sich das Ereignis weiter, zieht neue Spielstätten in seine Umlaufbahn – und nimmt nun erstmals auch das wenig bekannte, aber wunderbar gut ausgestattete Network Theatre auf, das mit diesem Debütstück des glänzend vielversprechenden Joe Eyre eröffnet.
Produziert von Joes Schwester Beth (dem Publikum vielleicht am ehesten durch ihre Rolle in „Wooden Overcoats“ bekannt), in Zusammenarbeit mit Frankie Parham, und von Matt Maltby mit schlanker, kraftvoller Präzision inszeniert, zeigt dieses hervorragende Zwei-Personen-Stück Joe als Alan und Rhiannon Sommers als Jane: ein ideales, glückliches, naiv bürgerliches und angenehm attraktives Paar, das in eine aussergewöhnliche Geschichte gerät. Sie richten sich ein, bekommen ein Kind – das sich dann als … Krokodil entpuppt. Ursprünglich begann alles als 15-minütiger Monolog für Maltbys „Pint-Sized“-Festival, wurde aber grosszügig auf 55 Minuten ausgebaut.
In Clancy Flynns (Licht und Ausstattung) auffallend schlichtem Black-Box-Raum wird die Geschichte in Rückblenden erzählt – in zwei langen, voneinander getrennten Erzählpassagen, beide an einen greifbaren, aber nie ausdrücklich benannten Zuhörer gerichtet. Wir, das Publikum, setzen die Geschichte aus den Fragmenten zusammen, die man uns hinwirft. Die Ionesco-hafte Metapher des monströsen Nachwuchses wird einfallsreich für ihren Humor genutzt, wobei das Gruselige die meiste Zeit über auf sicherer Armlänge gehalten wird. Die Beklemmung wächst jedoch, je mehr das „Kind“ nicht nur sinnbildliche Ängste vor einer unsicheren, unkontrollierbaren Zukunft verkörpert. Tatsächlich werden die soziopathischen Züge in Alans Monolog überwältigend – kurz bevor er abbricht und Jane die Geschichte übernimmt.
Dramaturgisch entscheidet sich der Text dann dafür, Sommers im Grunde dieselbe Aufgabe zu geben, die Eyre gerade bewältigt hat – was (so könnte man argumentieren) Janes Rolle einen grossen Teil ihres Überraschungsmoments nimmt. Ich bin sicher, eine Überarbeitung könnte das beheben: Eyre scheint über reichlich Vorstellungskraft und eine grosse Lust am erstaunlichen Geschichten-Erzählen zu verfügen. In der Zwischenzeit schrauben Odinn Orn Hilmarssons Musik sowie Sounddesign die Spannung hoch, während dieses ausgesprochen vielversprechende Erstlingswerk seinen zunehmend erschreckenden Lauf nimmt. Es gibt hier Schatten von „The Events“, ebenso wie von anderer absurdischer und expressionistischer Dramatik. Ich hoffe, wir hören sehr bald mehr von Mr Eyre.
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