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REZENSION: Ein Weihnachtslied, Leeds Playhouse ✭✭✭✭

Veröffentlicht am

3. Dezember 2018

Von

Jonathanhall

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Jonathan Hall bespricht Deborah MacAndrews Bühnenfassung von Charles Dickens’ A Christmas Carol, jetzt im Leeds Playhouse zu sehen.

Robert Pickavance als Scrooge. Foto: Andrew Billington A Christmas Carol

Leeds Playhouse

Vier Sterne

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Es ist eine Geschichte, die bis zum Überdruss verkitscht wurde – mit Sentimentalität, mit Schnee, mit Popsongs, Mickey Mouse und Kermit dem Frosch. Und doch steckt in Dickens’ „A Christmas Carol“ ein tiefdunkles Herz. Der Keim der Erzählung kam dem Autor nach einem Besuch in einer Armenschule in einem der berüchtigtsten Slums, die das viktorianische London zu bieten hatte; jede stimmige Deutung muss diese Dunkelheit anerkennen. Amy Leachs Inszenierung von Deborah MacAndrews Adaption tut genau das – und präsentiert ein weihnachtliches Stück, das für diese düsteren Zeiten von Austeritätspolitik, Tafeln und entfesseltem Kapitalismus erschreckend passend ist. Die Familie Cratchit hungert buchstäblich; ihr Zuhause ist keine gemütliche, vom Kamin erleuchtete Hütte, sondern ein verfallener, feuchter Verschlag, der Tiny Tim langsam zugrunde richtet. Elend und Krankheit sind nie weit, während die Arbeiter an den Kais am Kanal schuften, begleitet vom Geräusch von Tims Husten – eine Stimmung, die angesichts des verheerenden Umgangs mit Universal Credit leider bedrückend aktuell wirkt.

Dan Parr (junger Scrooge) und Joe Alessi (Fezziwig) in A Christmas Carol

Doch das ist keineswegs eine freudlose Moralpredigt. Schelmische Geister, mit Witz und Trickserei, sind überall präsent; besonders herausragend ist Elexi Walker als Geist der gegenwärtigen Weihnacht: eine festliche Erscheinung in Grün und Rot, samt Weihnachtsbaum-Schirm, die dem Geschehen einen herrlich reinen Schuss Pantomime verpasst.

Seb Smallwood als Tiny Tim und das Ensemble in A Christmas Carol. Foto: Andrew Billington

Ein achtköpfiges Ensemble erzählt MacAndrews gekonnte Adaption in dem, was sich wie eine Mischung verschiedenster Genres anfühlt – von Slapstick über Tanz und unheimliche Erscheinungen bis hin zu voll ausgespieltem, figurengetriebenem Drama. Lieder, Bewegung und Modelle führen uns durch eine regelrechte Pralinenschachtel an Szenen; an dem Abend, an dem ich dort war, hielt das Höllentempo Erwachsene, Jugendliche und Kinder gleichermaßen bei der Stange.  Dass diese Produktion im temporären Pop-up-Raum des Leeds Playhouse stattfindet und damit auf viele der üblichen technischen Spielereien verzichten muss, erweist sich tatsächlich als Vorteil: Licht, Ton und Bewegung beschwören die berührenden wie schaurigen Bilder von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft mit einer Schlichtheit herauf, die dem dunklen Kern der Geschichte treu bleibt.  Scrooge selbst wird von Robert Pickavance mit grimmiger Energie gespielt; die Verlegung der Handlung in einen industriell geprägten Norden, in dem Wortkargheit gewissermaßen zum Alltag gehört, kommt der Figur dabei sehr zugute.

Lexi Walker als Belle in A Christmas Carol. Foto: Andrew Billington

Amy Leach führt souverän durch die unterschiedlichen Tonlagen; das Bühnenbild von Hayley Grindle – Träger und gemauerte Bögen, gespenstisch von Kerzenlicht beleuchtet – funktioniert in diesem temporären Raum hervorragend.

Das ist eine erfrischend direkte, zum Nachdenken anregende Inszenierung einer Geschichte, die allzu oft Gefahr läuft, ihren Stachel zu verlieren; ganz klar ein Stück für unsere Zeit – und es erinnert mich an eine andere saisonale Erzählung von Armut, Vertreibung und Obdachlosigkeit, die ebenfalls nur zu oft weichgezeichnet und harmlos, sicher und gemütlich gemacht wird.

Bis 19. Januar 2019

TICKETS FÜR A CHRISTMAS CAROL – LEEDS PLAYHOUSE

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